Ich hab´s mir angetan. Radio Bremen, eh schon traditionell linkslastig, fragte im Beitrag Rabiat: „Mannomann — wo sind die neuen Männer?“ nach dem „neuen Mann“. Schön, erstmal.
Was ist dabei heraus gekommen? Eine Reihe an Manipulationen – hart an der Wahrnehmungsschwelle, manchmal weit darüber.
Was fehlt: Positive Aspekte von Männlichkeit. Und was völlig fehlt: Die Epigonen der „alten Männlichkeit“: Muslime. Denn woher kommt denn der „sexistische Scheiß“, gegen den auf der Demo zu Recht protestiert wurde? Von den feministischen jetzt.de – Lesern, den postheroischen Männern Malte, Lars, Torben oder Julian? Oder doch eher von den Feierfreunden auf der Kölner Domplatte? Oder die Karims dieser (INCELs-)Welt (ab min 11:00 und min 19:08)
Da frage ich nochmal nach bei Alice Schwarzer. Die mag nach eigenem Bekunden Männer und weiß, wo der Sexismus wohnt. (Außer bei Brüderle)
Ich bin in dem Thema drin seit 2003. Und extrem kritisch.


Der Autor der Sendung, David Donschen, hat mit mir äußerlich sogar manches gemeinsam: Brille, ähnlicher Haarschnitt, kurze Haare, Bart, schwarze Wollmütze und darunter jede Menge Selbstkritik. Er von der feministischen, ich von der männlichen Seite.

Er lädt zu sich ein: Christoph May. Selbsternannter „Kritischer Männerforscher“. Dessen größte Stärke: die tiefe, kraftvolle und feste Stimme. Da höre ich gerne zu. Männlicher geht´s kaum. In der Ruhe liegt die Kraft.
Dessen Kompetenz im Männerthema, nach eigenem Bekunden (TED): in der DDR aufgewachsen, Filme gucken und das Lektorat seiner Freundin. Wer Wissenschaft und Meinung nicht auseinanderhalten kann und will – für den ist das ein hoch- kompetenter Gesprächspartner, dessen Haltung geprägt ist von den Themen: „emotionale Sprachlosigkeit, männliche Schweigekulturen und giftige Männlichkeit (Toxic Masculinity)
So weit – so schlecht. Entsprechend der Einstieg: Donschens Bücherregal beherbergt überwiegend Werke von männlichen Autoren. Das sei schon ein Problem. Wirklich?
Was kann der dafür, dass er sich mehr für Literatur von Männern interessiert? Vielleicht schreiben Frauen ja auch weniger – absolut?
Und Donschen ist auch passiv sexistisch: Wenn er Frauen nicht zutraut, selbst gegen Gender Paygap vorzugehen, bevormundet er sie. Emanzipation der Frau ist IHR Ding, erstmal. SO selbstbewusst sollte sie schon sein, wenn sie gleiches Geld fordert.
Auch ist Christoph MAY extrem manipulativ: „Dafür sorgen, dass das Regal weniger weiß, männlich und westlich aussieht“ – was ist schlecht an weißer, männlicher und westlicher Kultur? Will er zurück in den Urwald? Fernöstlichen Raubbau an der Natur oder afrikanische Tribal Culture?
Donschen steht auf Union Berlin, – ist ein Problem. Sagt May. Warum? Gut, der Grund, warum 60er-, Union- St.Pauli- Fans auf 2. Liga stehen, Underdogs unterstützen hat ja ein caritatives Element. Aber nur weil es nun Union Berlin, „eisern“ heißt, dort männlich gegrölt, gesoffen wird, auf diese Weise Aggression kultiviert ausgelebt wird- ist ein Problem? Warum? Männer-„lastig“, testosteron- „lastig“ – was ist die Last, wenn nicht negativ besetzt? Warum nicht gleich „lÄstig“? Diese unterschwellige, sprachliche Manipulation zieht sich bei May und Donschen durch und ist ebenso niederträchtig wie ärgerlich: Neutralität – Fehlanzeige.
Donschen fragt sich weiter: Woher kommt die „Grundaggression“ von uns Männern? Sein Begriff der Aggression ist pauschal negativ besetzt. Aggression kommt von lat. „agredere“ – dt.: hingehen zu, sich annähern. Das ist die grundlegende Haltung jeder Forschung. Weswegen Forschung (MINT- Fächer!) männlich dominiert ist. Was wiederum die Grundlage von Erkenntnis, Innovation, Entwicklung und Wohlstand ist.
Und klar: Wer ein maximal aggressives, mieses Männerbild sucht, der findet das auch bei den rechten Schlägern, den Hooligans. Länge mal Breite hier: Philipp. ex-Nazi, ex- rechtsradikal, ex- Drogenhandel, Prostitution und „die Sehnsucht nach Krieg.“ Respekt an die Redaktion, den Aussteiger gefunden zu haben, noch mehr Respekt an den Mann Philipp, der so schonungslos ehrlich und offen zu seinen Fehlern steht und darüber spricht!
Später erklärt Philipp, was ihm neben dessen Abwesenheit, welches Defizit seines Vaters, neben mangelnder Präsenz am meisten gefehlt hat: dessen Treue zu seinem Wort: „Versprochen, wir gehen mal zum HSV. Das wurde nie eingelöst, das ist mir eingebrannt!“
Philipp weiter: „Ein Junge, der genug ANERKENNUNG, LIEBE UND WERTSCHÄTZUNG von seinen Eltern bekommt, besonders vom Vater kriegt, das ist für Jungs sehr wichtig, da wäre die Radikalisierung bedeutend schwieriger.“ Das Väterproblem ist kein Neues – wissen wir seid Ödipus. Am beeindruckendsten schildert die Folgen (Kriminalität) Dr. Matthias Franz hier, besonders ab min. 29:00. Auch hier ist längst nicht alles aufgearbeitet. DAS spürt Donschen deutlich – und muss schlucken.

Dann wieder MAY über „toxische Männlichkeit“ – ein, wie er es nennt „strukturelles“, d.h. gesellschaftliches Phänomen. NICHT May, NICHT Donschen, die sind reflektiert, auch die anderen, alle konkret angesprochenen Männer sind unschuldig. Dennoch bleibt der Vorwurf der „strukturellen toxischen Männlichkeit“ im Raum stehen. Nur- wo ist die?
Und wo sind die „Guten“ neuen Männer?
Ok., der einzelne Mann ist es nicht – toxisch männlich – aber die männliche Gesellschaft ist es. Das erinnert an den Satz im Grundsatzprogramm der SPD: „Wer die menschliche Gesellschaft schaffen will, muss die männliche überwinden.“ Weil Männer eben nicht menschlich sind?!
Auch typisch: ein einzelner Schlüsselsatz, der zeigt, wie krude MAYs Männerbild ist: „Wir wachsen mit einer emotionalen Sprachlosigkeit auf, die wir in frühester Kindheit unterdrücken..“ Wie bitte? Wir unterdrücken Sprachlosigkeit? Redaktion, Lektorat? Besonders entlarvend ist wohl eine andere Grundhaltung der Sendung. Hier ist der Redaktion eine Freud´sche Fehlleistung entglitten, MAY´s Bedürfnis nach autoritären Strukturen: „Wenn wir nicht wissen, wie wir sprechen sollen, dann..“ Er will, dass uns jemand sagt, wie wir sprechen sollen?! Ernsthaft? Freie Rede – vorbei?
Hier zeigt sich der „autoritäre Charakter“ der Linken, wie E. Fromm (S.7 ff) ihn nannte, eben andere mit „rigiden Moralvorstellungen“ (S.12) zu beherrschen. Die Einschränkung der Redefreiheit darf man wohl dazuzählen.
Ganz offen männerfeindlich sagt Donschen an anderer Stelle: „Ich finde, wir Männer haben es ziemlich oft verkackt.“ Pauschale Analsprache für männliche Performance – danke bestens, Donschen, DIESEN öR- Auftrag erfüllt er.

Dagegen offen, neutral und gewinnend empfand ich den Auftritt beim Männerstammtisch von John Aigner, Männercoach von MannsVolk. Auch seine klare Abgrenzung gegen Donschen. In der Runde dann die Erkenntnis: „Es fehlen Vorbilder!“ Stimmt. Es gibt im öffentlichen Raum wenig, sehr wenige „gute Männer“. Vor allem bitte OHNE die Verachtung für einen Mann wie Bruce Willis, denn er ist anders!
Später bringt Donschen es im Gespräch mit J. Aigner nochmal auf den Punkt: „Es geht nicht darum, Männlichkeit zu schwächen, sondern „gute“ Männlichkeit zu stärken!“ „Absolut. Es geht um `richtig und gut genug sein´, im Inneren. … Dazu gehört Verantwortung übernehmen, dazu zu stehen, Räume halten können, Klarheit und Weitblick…“
Die Reflexionen führten ihn zum Resumee: „Wir brauchen mehr Räume, wo sich Männer einfach miteinander treffen und austauschen.“ Danke, David, das mache ich, hier!

Dann der Vater Patrick Neumann: Die erste Nahaufnahme, auch andere Bilder von seinem Gesicht erschrecken: Sieht so ein glücklicher Vater aus? Nee. Aber Respekt für den Einsatz. (Gut, dass machen die Schichtarbeiter in der traditionell- funktionierenden Familie auch). Zunächst legt er sauber vor: „Darum geht es, da zu sein, den Kindern Halt zu geben. “ Aber dann kommt auch hier ein Schlüsselsatz, der einen Dach- oder zumindest einen Haltungsschaden des „modernen Mannes“ offenlegt: „Ich hab eh schon so wenig von denen [von den Kindern]..“ da stellt sich mir die Frage- warum will ein Vater was von den Kindern „haben“? Ist er als Erwachsener nicht gefragt, den Kindern zu geben? Das mit dem Halt macht er ja schon,…
Die Arbeitsreduzierung klappt auch, weil er im öffentlichen Dienst als Rechnungsprüfer bei der Stadt Dortmund arbeitet, in der Arbeitszeiten sehr großzügig auf Kosten der Allgemein ausgewalzt werden können. Der öffentliche Dienst von Radio Bremen kann da gut und gerne mit- fordern. Ob das bei einem Zulieferbetrieb von BMW mit fernöstlicher Konkurrenz im Nacken auch so „Normalo“ wäre? Patrick glaubt nicht, dass es am Arbeitgeber liegt. Er stellt Karriere hinter seine Kinder. Öffentlicher Dienst macht´s möglich: 3 Kinder, Haus und keine Angst vor Jobverlust.
Vielleicht sollte er mal in den Firmen der Pleiteregion zwischen Schwerte und Moers nachfragen…?
Corona bringt viele Männer zum Umdenken, weil sie zu Hause sind und sehen, was zu tun ist: Patricks Frau Kerstin: „Es sind ja nicht alle Männer begriffsstutzig und dämlich.“ Ach, nein? Dann musste das ja auch mal gesagt werden. Verachtung schwingt nach.

Im Coaching von John Aigner, mit Vincent und David überschlägt sich zunächst Davids Stimme, dann geht´s zur Sache. Der Kampf ist spannend und befreiend. Wie reflektiert Donschen diese Herausforderung seiner Männlichkeit?
„Schon auch befreiend,… hat mir Spaß gemacht, doch – ist schön so. Dann im off: „Doch so richtich verstehe ich das nicht.“
Wenn Donschen reine, kultivierte, Männlichkeit, kanalisierte Aggression im Ringkampf erlebt, geht er eben NICHT in das Gefühl, bleibt nicht dort, sondern insinnuiert. Und dann macht er diese schöne Erfahrung im Nachhinein klein, indem er sagt: „Toben im Park ist ja ganz schön, das sind nicht nur die Urinstinkte, wir müssen an die Rollenbilder, die uns…“ – jetzt kommt´s, natürlich: „anerzogen wurden.“ Und natürlich, „wo wir ran müssen.“ Da ist er wieder, der soziale Druck, die Manipulation!
Und BLOSS nicht in das männliche Gefühl reingehen, und so perpetuiert er, Donschen, selbst jenen Habitus, den er so gründlich ablehnt. Nicht über eigene Gefühle reden, lieber über Ideologie. Wie alle Linken, auch 1933-45.

In der Runde der Männer, der Berührungsrunde, wurde mir schon beim Anschauen ganz warm – ums Herz. Donschen löst sich als erster aus der Umarmung mit dem Fremden. Weil..?
Dann spricht Patrick davon, wie der Prozess (!) der Annahme seiner (negativen) Gefühle ihm helfen, sich selber anzunehmen.
In der Reflexion dieser herzlichen, zärtlichen Männerrunde kommt´s dann knüppeldick. Zunächst ist er voller Achtung und Respekt für diese Männer, die einander ihre Weichheit zärtlich zeigen.
Dann aber zerstört er das vorher Gesagte, und kommt mit dem alten Credo der Kommune1 um die Ecke: „Das Private ist politisch!“ Widerlich: „Und das reicht nicht.“ Nein, auch diese Männer, die das Beste von / in sich für einander gegeben haben, nein, sie sind nicht gut genug! Donschen: „Und auch das reicht dann noch nicht. Runden wie diese müssen politischer sein!“ Da ist es auch wieder, das manipulative „müssen“. Warum? Er kramt die feministischen Phrasen („männliche Privilegien“) hervor.
Seinem Schlusssatz, so flach er ist, kann ich wieder zustimmen: „Machen wir uns auf, Männer, es wird Zeit.“


Fazit:
Der Film läßt mehr Fragen offen, als er beantwortet. Der Bias, der innere Leere der gefühllosen Männer lebt auch im Autor. Das verstellt ihm den Blick auf die essentiellen Fragen von Männlichkeit. Der verkopfte Überbau, sein links- feministischer Hintergrund, das zeigen die letzten 5 Minuten ganz deutlich, blockiert er die Entfaltung seiner weibliche Qualität:
das Fühlen.

Männliche Kultiviertheit -aus Medusas abgeschlagenem Haupt entstieg –
Pegasus, Sinnbild von Poesie, Gesang, Dichtkunst.


Und: so klar ich das Anliegen der Frauen teile, die ihre sexuelle Souveränität verteidigen – wo ist denn die Weiblichkeit im Mann? Wo seine spezifische, (um ihrer Weiblichkeit bewusste!) Männlichkeit? Von einem Autor zu diesem komplexen Thema verlange ich mehr als 40 Jahre alte, übliche Geseiere eines des Grönemeyer- Songs „Wann ist ein Mann ein Mann?“ Hier fehlt der respektvolle Blick auf Kultiviertheit von Männlichkeit: warum singt der Vogel und der Sänger, warum dichtet der Dichter, schreibt der Autor, warum baut der Mann Autos, Parks, ICEs, WebSites, Blogs, Konzertsäle, .. und sowas wie den VERITAS

Wahrheit?


Der Film gibt wenig bis keine Ideen von Guter Männlichkeit – außer von John Aigner, und erfüllt so den Anspruch im Titel NICHT.
Hier gibt es für den Donschen noch viel zu entdecken.

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