„.. kann seinen Schatten nicht sehen“ (abgewandeltes Zitat von R.W. Emerson)
Unter einem „Schatten“ versteht die Psychologie seit C.G. Jung die unbewussten Anteile der Psyche. So, wie man auch am Körper bestimmte Regionen auch mit dem besten Willen und Gelenkigkeit nicht erkennen kann, braucht es für die Erkenntnisse der unbewussten Seelenanteile das „Gegen- Über“, den Freund, den Partner und, für Geübte: Den Feind. Denn der sucht und findet unsere Schwächen am liebsten.

Als Mann sind dies oft die unbewussten weiblichen Anteile, Frauen tragen unbewusste männliche Anteile in sich. Fangen wir bei der Betrachtung der weiblichen Schatten an, das ist für uns Männer bequemer: (Achtung, Ironie!)
Da ist zum einen die Übertreibung des weiblichen Prinzips in der Figur der Gäa, die ihre Kinder „zum Fressen gern hat“, denen somit kein eigenes Leben lässt und sie vor lauter Liebe und der damit verbunden Vereinnahmung, buchstäblich auffrisst. In der modernen Form sind das die alles kontrollieren wollenden „over- protective helicopter- moms“.
Konkreter wird die (unbewusste) Ablehnung und dann um so radikaler ausgelebte Männlichkeit in dem klassischen Bild der Amazonen, die sich die rechte Brust (Sinnbild der Weiblichkeit!) amputierten, um im Bogenschiessen besser gegen Männer kämpfen zu können. Ein anderer Ausdruck unbewusst gelebter Männlichkeit ist die streitsüchtige und darin rechthaberische Xanthippe. C.G. Jung beschrieb deren Auftreten im Alltag zwischen Mann und Frau recht eindrucksvoll: Er brachte es auf den Punkt, warum es absolut sinnlos ist, mit Frauen zu streiten: „Was also den Unterschied zwischen Mann und Frau in dieser Beziehung ausmacht, also den Animus gegenüber der Anima charakterisiert, so kann ich nur sagen: wie die Anima [beim Mann] die LAUNEN, so bringt der Animus MEINUNGEN hervor, und wie die Launen des Mannes aus dunklen Hintergründen hervortreten, so beruhen die Meinungen der Frau auf ebenso unbewussten, apriorischen Voraussetzungen … Der Animus ist wie eine Versammlung von Vätern und sonstigen Autoritäten, die ex cathedra unanfechtbare, ‚vernünftige’ Urteile aufstellen … zu einem Kanon durchschnittlicher Wahrheit, Richtigkeit und Vernünftigkeit zusammengehäuft …, der sofort, wo immer ein bewusstes und ein kompetentes Urteil fehlt, mit der Meinung aushilft … Bei intellektuellen Frauen veranlasst der Animus ein intellektuell und kritisch sein sollendes Argumentieren und Räsonnieren, das aber im Wesentlichen darin besteht, einen nebensächlichen und schwachen Punkt zu einer sinnwidrigen Hauptsache zu machen.“
Wir sehen an diesen klassischen Beispielen, dass die Probleme der Männer mit den Frauen nicht neu sind, sondern zeitlos, ewig erscheinen (werden). Heute entsprechen diesem Bild diejenigen Frauen, die sich in Business- Anzügen ebenfalls ihrer Weiblichkeit berauben, und mit männlich- scharfen Waffen (Ehrgeiz, Präzision, Rationalität, emotionaler Kälte) am Konferenztisch ihre Karriere vorantreiben. Oder eben die Emanzen.

Die weiblichen Schatten kennen wir Männer zu genüge. Nicht nur, weil wir an ihnen zu leiden haben, lohnt es sich, unsere eigenen zu betrachten, auch um unserer selbst willen, denn Rüdiger Dahlke schreibt in seinem „Das Schattenprinzip“: „Sobald wir etwas aus unserem Bewusstsein verbannen, weil es uns Angst macht, wird es unbewusst und sinkt in den Schatten. Wo immer wir das Licht der Bewusstheit entziehen, schaffen wir Schatten. Doch der Verbannte fügt sich nicht kampflos. … Die Gefühle, die wir unterdrückt haben, drängen darauf, anerkannt und intergriert zu werden. Sie sind nur dann schädlich, wenn sie verdrängt werden, denn sie drohen hervorzubrechen, wenn es völlig unangemessen ist. Ihre hinterhältigen Attacken werden sie gerade in den Bereichen ihres Lebens behindern, die für sie am wichtigsten sind.

Und diese Attacken kommen eben nicht von Aussen (DEN Frauen, DER Emanzipation, von DER Ex-), sondern aus uns selbst! Um uns selbst also nicht weiterhin zu behindern, auch und gerade am Erfolg, müssen wir Männer uns mit unseren Schatten auseinandersetzen: „Die Fähigkeit eines Mannes, die direkte Kritik eines anderen Mannes anzunehmen, entspricht seiner Fähigkeit, maskuline Energie aufzunehmen. Wenn er keine gute Beziehung zur maskulinen Energie (zu seinem Vater) hat, handelt er wie eine Frau und ist verletzt und defensiv, statt sich die Kritik anderer Männer zunutze zu machen. (Deida, David: „Der Weg des wahren Mannes“)

Die Demut lohnt sich! Denn im Ergebnis gehen wir gestärkt aus der „Schattenarbeit“ hervor: Wir brauchen zum einen sie (zum Beispiel DIE Frauen, DIE Emanzipation) nicht mehr zu bekämpfen. Zum zweiten verstehen wir Frauen besser, indem wir Wurzeln ihres Verhalten als Teil unserer eigenen Psyche erkannt und anerkannt haben, und drittens können wir diese Schatten „transformieren“, indem wir Frauen mit dem begegnen, was wir voller unbewusster Angst zuvor bekämpft hatten: Mit-Gefühl!

Weswegen wir, Volker Hepp und Thomas Fügner uns auf die Schattenarbeit in unserer Männerschmie.de besonders freuen. Mehr dazu auch in meinem Buch „Männliche Kraft“ (S. 74ff)

One thought on “Schattenboxen: "Wer zur Sonne fliegt…"

  • 6. September 2011 at 10:44
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    Von Arnold noch ein japanisches Sprichtwort dazu:

    Als Ergänzung: Michaels Haltung ist nichts Neues unter der Sonne.

    Wenn du eine Stunde glücklich sein willst, schlafe.

    Wenn du einen Tag glücklich sein willst, gehe fischen.

    Wenn du eine Woche glücklich sein willst, schlachte ein Schwein und erzähle es.

    Wenn du ein Leben lang glücklich sein willst, liebe deine Arbeit.

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