{"id":566,"date":"2014-07-15T08:20:14","date_gmt":"2014-07-15T06:20:14","guid":{"rendered":"https:\/\/iuaviabelfjea.byteway.dev\/?p=566"},"modified":"2014-07-15T08:20:14","modified_gmt":"2014-07-15T06:20:14","slug":"siegfried-achilles-chiron-die-macht-meiner-schwachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maennerschmie.de\/index.php\/2014\/07\/15\/siegfried-achilles-chiron-die-macht-meiner-schwachen\/","title":{"rendered":"Siegfried, Achilles, Chiron: die Macht meiner Schw\u00e4chen"},"content":{"rendered":"<p>Siegfried t\u00f6tete den Drachen, badete in dessen Blut, um sich unverwundbar zu machen.<br \/>\nBei seinem Bad fiel ihm ein Lindenblatt auf die Schulter, auf seinem R\u00fccken entstand eine verwundbare Stelle. Genau an dieser Stelle durchbohrte ihn Hagens Speer.<br \/>\nAls Achillesferse bezeichnet man die verwundbare Stelle des Helden.<br \/>\nAls &#8220;Schatten&#8221; bezeichnet man seit C. G. Jung unbewusste Anteile der eigenen Seele.<\/p>\n<p>Ein wesentlicher Teil der Verantwortung f\u00fcr sich selbst ist die Anerkennung der eigenen Grenzen, Defizite und Schattenseiten. Mit dem Erkennen der eigenen dunklen Seiten im Charakter, seine \u201eSchatten\u201c, Schw\u00e4chen, \u00c4ngste und Makel, vermag der zu wahrem Mitgef\u00fchl f\u00e4hige Mann Verantwortung f\u00fcr andere zu \u00fcbernehmen \u2013 er wird vertrauens- und glaubw\u00fcrdig.<br \/>\nW\u00fcrde entsteht, wenn die bis dahin unreflektiert ausgelebten Schatten als solche erkannt und als eigener An-Teil anerkannt werden, und so zum Ge-Wissen werden.<br \/>\nDas Mitgef\u00fchl entsteht aus der Einsicht und aus der Kenntnis seiner eigenen Schw\u00e4chen. Das macht einen Mann sanft und verst\u00e4ndnisvoll, nicht nur f\u00e4hig, eigene Fehler einzugestehen, sondern auch f\u00fcr eigene Fehler Verantwortung zu \u00fcbernehmen, Verst\u00e4ndnis auch f\u00fcr die Fehler anderer zu entwickeln. Diese Einsicht ist deswegen notwendig, weil die Selbsterkenntnis in der Regel an genau dieser Stelle aufh\u00f6rt: Ich kann diese Seiten an mir schlichtweg nicht \u201esehen\u201c! So wenig, wie ich meine eigene Stirn, mein eigenes \u201eSehendes\u201c (mein Auge) nie ansehen kann, noch weniger jemals meinen R\u00fccken, meine dunklen Seiten um Ges\u00e4\u00df und Anus zu sehen vermag, so kann ich auch die dunklen Seiten meiner Seele, eben meinen \u201eSchatten\u201c alleine nicht erkennen. Er zeigt sich (k\u00f6rperlich wie seelisch!) dann, wenn ich mich abwende von denen, die mir (bildlich wie real) nahe stehen. Und nur diese Menschen k\u00f6nnen meine Schattenseiten \u00fcberhaupt sehen. Aber dieser Schatten \u201ewirkt\u201c. Darum ist es f\u00fcr die Kraft unbedingt notwendig, sich der Kritik genau dieser Menschen auszusetzen \u2013 ohne sich selbst dabei zu schonen, denn in deren Kritik, die (fast immer!) berechtigt ist, erkenne ich meine von mir abgelehnten \u201edunklen Seiten.\u201c<br \/>\nEs sind dies all die verdr\u00e4ngten, abgelehnten und unbewusst wirksamen sogenannten \u201eschlechten Gef\u00fchle\u201c, die ich hier in ihrer Gesamtheit den \u201eInneren Drachen\u201c nennen m\u00f6chte. Diesen Drachen aufzusuchen, sich ihm zu stellen, ihn anzuschauen und zu b\u00e4ndigen, stellt den Drachenkampf des modernen Mannes dar. Den Drachen, der da in mir schlummert und in den dunkelsten Momenten wach wird, den aufzusuchen, kennenzulernen und ihn so zu z\u00e4hmen, um ihn \u201ereiten\u201c zu k\u00f6nnen, diese dunklen Gef\u00fchle also zum Instrument meines Lebens zu machen, das meine ich im Folgenden mit \u201eSchattenarbeit\u201c. Sie \u00e4ndert massiv die Beziehung zu mir selbst, zu meiner Partnerin, zu meinen Mitarbeitern, Freunden und besonders den Umgang mit Kindern: Ja, ich trage einen Drachen in mir!<br \/>\nUmgekehrt w\u00e4chst mit der Anerkennung dieser Schatten auch meine Selbstachtung. Aristoteles wusste: &#8220;Wem der Zorn fehlt, dem fehlt auch die Selbstachtung.&#8221;<br \/>\nWie entwickelt Mann denn dieses Bewusstsein f\u00fcr die eigenen &#8220;Schattenseiten&#8221;?<br \/>\n\u201eLerne zuzuh\u00f6ren, und du wirst selbst von denen lernen, die schlechtes reden.\u201c \u2013 Plutarch<br \/>\nWas C.G. Jung \u201eSchatten\u201c nannte, nennt Wais den \u201eDoppelg\u00e4nger\u201c: \u201eDer Doppelg\u00e4nger ern\u00e4hrt sich von allem, was das Ich nicht wahrhaben will und kann es deswegen zur unbemerkten Gewohnheit werden lassen. Dadurch bekommt er f\u00fcr jeden Menschen individuelle Gestalt. Im Laufe des Lebens zieht er alles an sich, was das Ich nicht wahrhaben will, was es meidet, was es verdr\u00e4ngt &#8230; [und] verselbst\u00e4ndigt sich im Unbewussten.\u201c<br \/>\nWie erkenne ich meinen Schatten?<br \/>\nAm deutlichsten zeigen ihn uns unsere Kinder. Kinder sind ein Abbild unserer sonnigen Seiten und Talente \u2013 aber auch unserer Schw\u00e4chen: \u201eVon mir hat das Kind diese Intelligenz nicht \u2013 ich hab meine noch!\u201c Kinder haben das Bed\u00fcrfnis nach einer \u201eheilen\u201c Welt, heil nicht im Sinne von \u201esch\u00f6n\u201c, gesund, sonnig, hell und schattenlos, sondern \u201eheil\u201c als Gegensatz zum \u201eUn-heil\u201c, n\u00e4mlich ganz, vollst\u00e4ndig. Wird etwas ausgeschlossen und verdr\u00e4ngt, interessiert es sie erst recht, denn das Unbekannte, gerade das Dunkle, Verbotene, Gef\u00e4hrliche, macht sie neugierig, es zu erleben, denn da k\u00f6nnen sie sich selbst entdecken und sich, ihre St\u00e4rken erfahren und beweisen. Und weil sie im Sinne von \u201egut und schlecht\u201c unerfahren und noch weitgehend wertfrei leben, w\u00e4hlen sie bei dem, was sie interessiert, nicht nach den Vorstellungen der Eltern aus. Im Gegenteil: In der Ablehnung der Eltern sp\u00fcren sie sich selbst. Kinder suchen, um zu erfahren und leben daher gerne das aus, was wir (in uns) ablehnen, sp\u00e4testens und am deutlichsten in der Pubert\u00e4t.<br \/>\nAber auch Fremde, die bestimmte f\u00fcr uns unangenehme Seiten, Eigenschaften deutlich ausagieren, k\u00f6nnen Hinweise auf eigene Schattenseiten tragen. Laute Nachbarn, duckm\u00e4userische Kollegen, pr\u00e4potente Lehrer, was immer uns an l\u00e4stigen Eigenschaften unserer Mitmenschen auff\u00e4llt, k\u00f6nnte unseren eigenen Anteil spiegeln, nach dem Prinzip: \u201eEs geschieht in deinem Leben, vielleicht sogar wiederholt \u2013 aber es soll nichts mit dir zu tun haben?\u201c<br \/>\nEine besondere F\u00e4higkeit, besonders substanzielle Kritik abzugeben, hat die eigene Partnerin, die eigene Frau. Um Frauen als Spiegel unseres Unbewussten, des uns Unbekannten, als Chance, zu wachsen, zu \u201ebenutzen\u201c, dazu geh\u00f6rt ausdr\u00fccklich AUCH, destruktive Kritik als etwas Zerst\u00f6rendes anzunehmen. Annehmen sei verstanden im doppelten Sinn: als Vermutung und An-nahme, Akzeptanz. Denn erstens ist sie in der \u201eN\u00e4he\u201c, sie sieht also mehr, als Menschen, die uns weniger nahestehen, zum Zweiten sieht sie durch mein physisches wie psychisches \u201eMich- Abwenden\u201c meinen R\u00fccken, meine mir unbekannte Seite, ganz genau. Aus diesem Grunde ist es so wichtig, die Frau in ihrer Kritik ernst zu nehmen und zu sehen, ihr aufmerksam zuzuh\u00f6ren, sie dadurch anzuerkennen als Spiegel unseres eigenen Schattens. Was eine (liebende!) Frau in uns kritisiert, ist mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit ein Muster, ein Verhalten, eine Angewohnheit, eine Haltung, ein Schatten-an-Teil in uns, das sich \u00fcberlebt hat, uns behindert und, vermutlich aus Bequemlichkeit, bislang beibehalten wurde. In Paargespr\u00e4chen ist es m\u00f6glich, Mut und Offenheit vorausgesetzt, sich selbst zu erkennen, als der, der zu sein man bislang nie glauben wollte: \u201eAm Du werden wir erst zum Ich.\u201c (Martin Buber)<br \/>\nErschwerend kommt bei den \u201eSchattengespr\u00e4chen\u201c hinzu, dass Frau wie Mann dazu neigen, Anteile aus den eigenen Schatten (der Vergangenheit) in diese Gespr\u00e4che mit einzubringen. Das besondere Gef\u00fchl, hier zu unterscheiden, was beim Gegen\u00fcber zu\u201ctrifft\u201c, dazu braucht es viel Feingef\u00fchl, \u00dcbung, Erfahrung und manchmal eben Freunde oder einen Therapeuten.<br \/>\nDass wir uns selbst im anderen sehen (k\u00f6nnen), zeigt der Blick hinter die Pupille: Wenn ich tief genug schaue, entdecke ich dort mein Spiegelbild, mich selbst in den Augen des Gegen\u00fcber. Ist dies vielleicht die erste, urspr\u00fcnglichste Form der Selbsterkenntnis des Menschen, aus der Zeit, als spiegelnde Wasseroberfl\u00e4chen noch rar waren?<br \/>\nSchattenseiten zu betrachten, zu erkennen und sie anzunehmen, ist f\u00fcr schwache Menschen, z. B. Narzissten, fast unm\u00f6glich, weil ihr fragiles Selbstbild dabei Schaden nehmen w\u00fcrde. Diesen Erfahrungen sich auszusetzen, kostet enorme innere Kraft, denn nicht nur der Prozess der Selbsterkenntnis an sich, auch die Charakterz\u00fcge, die bei der Betrachtung der Schatten auftauchen werden, sind alles andere als angenehm.<br \/>\nDen leichteren Rahmen zur Reflexion bieten m\u00e4nnliche Freunde. Bei ihnen ist die Gefahr geringer, dass ihnen ihre eigenen Schatten die Kritik vorgeben, dass sie ihre eigenen Schrecken projizieren: \u201eDie F\u00e4higkeit eines Mannes, die direkte Kritik eines anderen Mannes anzunehmen, entspricht seiner F\u00e4higkeit, maskuline Energie aufzunehmen. Wenn er keine gute Beziehung zur maskulinen Energie (zu seinem Vater) hat, handelt er wie eine Frau und ist verletzt und defensiv, statt sich die Kritik anderer M\u00e4nner zunutze zu machen.\u201c<br \/>\nUm als Freund ein echter Gespr\u00e4chspartner zu sein, braucht es die Erfahrung und F\u00e4higkeit zur Selbstreflexion. Einfache Gespr\u00e4che, der Austausch von Statements, Behauptungen, hart am Rande der Rechthaberei, machen noch kein Gespr\u00e4ch unter M\u00e4nnern, unter Freunden aus. Das Gespr\u00e4ch, das den inneren Wachstumsprozess ausl\u00f6sen kann, entsteht erst aus der wohlwollend-kritischen Frage. Sich selbst infrage stellen zu k\u00f6nnen, ist die Voraussetzung daf\u00fcr, den Freund infrage zu stellen \u2013 und sich infrage stellen zu lassen. Diesen Wachstumsprozess zu initiieren und zu begleiten, das macht wahre Freundschaft aus. \u201eWer aber ein echter Freund sein will, der braucht die Abgeschiedenheit, um \u00fcber sich selbst zu reflektieren. Um aber [andererseits] ein ehrliches Verh\u00e4ltnis zu mir selbst zu haben, muss ich wahre Freundschaft kennen, weil ich im Gespr\u00e4ch mit dem Freund mich selbst entdecken kann. Hier wird deutlich, dass der m\u00e4nnliche R\u00fcckzug in die Stille (Kapitel I.1 \u2013 Konzentration, II.1 M\u00e4nnliche Wurzeln) eine Voraussetzung f\u00fcr das innere Wachstum zu einer gr\u00f6\u00dferen, st\u00e4rkeren M\u00e4nnlichkeit ist, die eben nicht aus der Mucki-Bude kommt, sondern aus dem be-Sinn-lichen Gespr\u00e4ch zweier, in der Stille gereifter Freunde.<\/p>\n<p>Den Drachen z\u00e4hmen<\/p>\n<p>Warum ist es so schwierig, den die Kritik, und damit den \u201eSchatten\u201c anzunehmen? Der wesentliche Unterschied zur Kritik-Verarbeitung der \u00fcblichen Form, wie Verharmlosung (ist ja wohl nicht so schlimm!), Relativierung (machen doch alle,&#8230;), Ablenkung (machst DU doch selbst auch), Rationalisierung (das hat ja einen guten Grund: &#8230;) ist der, dass die mit der Erkenntnis verbundene tiefere Einsicht, auch das damit verbundene Gef\u00fchl, ausgehalten werden muss.<br \/>\nDas ist meistens eine Traurigkeit \u00fcber die bisher verdr\u00e4ngten Auswirkungen, und, damit verbunden, die SCHAM! Es ist eben manchmal schmerzhaft, bei der Betrachtung der eigenen \u201edunklen Flecken\u201c erkennen zu m\u00fcssen: \u201eSO bin \/ war ich &#8230; auch?!\u201c Man erkennt, wie man unbewusst, daher auch schuld- aber nicht verantwortungslos andere \u00fcbergangen, vielleicht sogar verletzt hat.<br \/>\nUnd wenn ich wirklich wachsen will, \u00fcber das alte, kleinere, selbstbezogene EGO hinaus, dann \u00fcbe ich \u201eReue\u201c. Ich zeige, dass es mir selbst leid tut, was ich als eigenes Ungemach, am Ende nicht nur im Kopf, sondern vielleicht sogar k\u00f6rperlich als Unwohlsein sp\u00fcre, dem anderen angetan habe. Und kommuniziere das!<\/p>\n<p>Den Drachen reiten: Als Mann Demut praktizieren!<\/p>\n<p>Denn \u201eso paradox es klingt, &#8230; erf\u00e4hrt das Ich durch die Integration des Schattens eine ungeheure St\u00e4rkung.\u201c Demut, verstanden als der \u201eMut, den es braucht, anzuerkennen, was ist\u201c, wird praktiziert in der aktiven, der t\u00e4tigen Reue wegen meiner Irrt\u00fcmer, Fehler, Schw\u00e4chen und dem dadurch entstandenen Schmerz, den ich anderen zugef\u00fcgt habe.<br \/>\nDas ist mehr als ein Einsehen, abwimmelnd, grummelnd, genuschelt: \u201eOk, da habe ich wohl Sch&#8230; gebaut, Schwamm dr\u00fcber, ja? &#8230;\u201c, sondern ganz praktisches Mitgef\u00fchl f\u00fcr und Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen in denjenigen, den ich verletzt habe. Kritik wird dann nicht nur angenommen, stehen gelassen, sondern ich als kraftvoller Mann gehe noch einen Schritt weiter: Ich schaue ihm in die Augen und halte diesen Blick aus, ich steige ein in das Gef\u00fchl dessen, der mir grollt!<br \/>\nDamit ist auch der Prozess der Ent-Schuldigung ein anderer. Hier beginne ich r\u00fccksichtsvoller zu werden: Es reicht nicht das nassforsche \u201eOk, sorry, ich entschuldige mich!\u201c, denn das kann ich gar nicht alleine! Sondern \u201eich bitte um Entschuldigung.\u201c Das ist ein wichtiger Unterschied. Denn selbst wenn mein Handeln unbewusst, gedankenlos und daher nicht vors\u00e4tzlich war, kann ich auch unbewusst Schuld auf mich geladen haben. Ich habe jemandem etwas genommen oder ihm ein Leid zugef\u00fcgt, deswegen schulde ich ihm etwas. In einem zweiseitigen Schuldverh\u00e4ltnis ist es schlicht unm\u00f6glich, dass ich mich alleine ent-Schuld-ige, ohne den Gesch\u00e4digten ein weiteres Mal zu \u00fcbergehen. Denn dann achte ich nicht seinen Schmerz! Sondern ich muss meinen \u201eGl\u00e4ubiger\u201c darum bitten, m\u00f6glicherweise mit dem Angebot eines wie auch immer gearteteten Ausgleichs. Aber diesem Gespr\u00e4ch muss ich mich stellen. Und wenn ich die Einsicht (kognitiv) und Reue (emotional, aufrichtig) zu zeigen vermag und mir kein Unmensch gegen\u00fcber steht, wird er mir diese Bitte gew\u00e4hren. S\u00fchne ist dann die \u201et\u00e4tige Reue\u201c, die von der Schuld befreit.<br \/>\nAuch so entsteht Freiheit, n\u00e4mlich Freiheit von bedr\u00fcckender Schuld \u2013 und, nebenbei, innere Gr\u00f6\u00dfe. Schulden zahlen macht frei! Denn auch das macht den Mann stark: ein reines, ein gutes Ge-Wissen.<br \/>\nWas tun mit den \u201eSchatten\u201c?<br \/>\nDie Schuld anerkannt zu haben, ist das eine. Sich ihrer Wirkungen in der Vergangenheit bewusst zu werden, sich den damit ausgel\u00f6sten Gef\u00fchlen gestellt zu haben oder noch zu stellen, der zweite Schritt. Und dann? Wie verhindere ich, dass sie mich \u00fcberfallen, dass ich wieder \u201eausraste\u201c, mich vergrabe, trickse &#8230; ?<br \/>\nRoger Willemsen entbl\u00f6\u00dft in seinem Artikel \u201eM\u00e4nner\u201c (s. Kapitel: \u201eDer Anti-Mann\u201c) wohl ungewollt seine von ihm innerlich abgelehnte Schattenseite, den Helden. \u201eIm Augenblick des Heldentums sind Helden mit ihrem Handeln identisch. Ihre Besessenheit ist ihre F\u00e4higkeit, die ganze Person hinter ihre Sache zu bringen. Diese bewundernsw\u00fcrdige Begabung, schlicht zu werden, fehlt den Zweiflern, den Besitzern gemischter Gef\u00fchle\u201c [Hervorhebung d.d.Verf.].<br \/>\nWas Willemsen hier beschreibt, ist essentiell f\u00fcr den \u201eGuten Mann\u201c. Zum einen spiegelt sich hier eine kaum verhohlene Verachtung f\u00fcr den Mann, der als \u201eHeld\u201c fokussiert, konzentriert ist. Er nennt ihn auch \u201eschlicht\u201c und setzt damit den \u201eAbgesang auf den Helden\u201c fort, wie ihn Michael Klonovski eindrucksvoll beschrieben hat. Wer Willemsen einmal sprechen geh\u00f6rt hat, seinen ondulierten Sprachstil aushalten musste in der selbstgef\u00e4lligen Schn\u00f6rkelei, der ahnt, dass Willemsen in diesen S\u00e4tzen sich selbst anprangert. Ein Mann \u2013 ein Wort; ein Willemsen \u2013 ein W\u00f6rterbuch.<br \/>\nWas Willemsen \u201eschlicht werden\u201c nennt, ist die Erfahrung der doppelten R\u00fccksichtslosigkeit des \u201eHelden\u201c: Zum einen gegen\u00fcber seinen eigenen \u201egemischten Gef\u00fchlen\u201c, und zum anderen gegen\u00fcber den \u201eZweiflern\u201c. Ein \u201eGuter Mann\u201c geht aber weder \u00fcber seine eigenen, noch \u00fcber die Gef\u00fchle der anderen hinweg. Er ignoriert seine \u00c4ngste nicht, er b\u00fcgelt sie nicht nieder, sondern er achtet und nutzt sie zur Verst\u00e4rkung seiner Aufmerksamkeit, wie er auch die Gef\u00fchle seiner Mitmenschen achtet. UND er ist entschlossen. Mit seinen \u00c4ngsten stellt er sich hinter seine Sache und verfolgt sie. Im Unterschied zum \u201ejungen Helden\u201c, der sagt: \u201eIch kann alles, was ich tun will!\u201c, beschreibt Helmut Remmler den dem\u00fctigen Helden im M\u00e4rchen \u201eDer K\u00f6nigssohn, der sich vor nichts f\u00fcrchtet\u201c, der spricht: \u201eIch f\u00fcrchte mich nicht, ich will\u00b4s mit Gottes Hilfe versuchen.\u201c<br \/>\nTransformation von \u201eSchatten\u201c: Drachen dressieren<\/p>\n<p>Du hast deinen Schatten erkannt? Mann, lebe deinen Schatten. Finde ein passendes Ventil: Praktiziere Gewalt im Teamsport, im Boxclub, im SM-Club, oder vergrabe dich bewusst, lerne zu zaubern. W\u00e4hle es, das Ungeheuer, den Drachen in dir auszuleben, gib dieser Aktion einen r\u00e4umlichen und zeitlichen Rahmen \u2013 und bleibe dabei achtsam. Das b\u00e4ndigt ihn. Eine der euphorisierendsten Varianten, Schatten auszuagieren und sie so zu transformieren, ist der Sex. Im Bad und im Bett ist alles erlaubt \u2013 Das schafft N\u00e4he zur Frau &#8230; Sprich mit ihr. Sie will sehen, dass du dich ihr stellst \u2013 und dann wird die dunkelste Seite deiner Pers\u00f6nlichkeit genie\u00dfen.<br \/>\nHier wird das Bild vom \u201einneren Team\u201c wichtig f\u00fcr mich: Ein Mann, der diese seine Schattenseiten erkannt, anerkannt und deren Bedeutung f\u00fcr sich ausloten will, kann diesem \u201einneren Drachen\u201c andere, positive Figuren gegen\u00fcberstellen, die seine Schatten auffangen und kompensieren.<br \/>\nEin erstauntes \u201eOh, ja, das bin ich also auch?\u201c, ist ein erster Schritt zur Anerkennung einer (vielleicht von mehreren) eigenen, \u201edunklen Seite\u201c. Wenn das geschehen ist, wenn auf die Leugnung, auf die Verdr\u00e4ngung verzichtet werden konnte und das Gef\u00fchl der Scham, vielleicht sogar Schuld und Reue ausgehalten und durchgestanden worden sind, erst dann kann dieser Teufel, der Verr\u00e4ter, der missbrauchende Tyrann, der Feigling \u2013 welche \u201eFigur\u201c auch immer aus dem Unbewussten aufgetaucht sein mag, erst dann kann sie ins \u201einnere Team\u201c integriert werden. Denn entweder du lebst deinen Schatten (bewusst, aktiv) aus \u2013 oder der Schatten `lebt dich\u00b4, das hei\u00dft, man ist seinen unbewussten und destruktiven Verhaltensmustern machtlos ausgeliefert und zerst\u00f6rt seinen Erfolg und sich selbst.<\/p>\n<p>Im folgenden Schritt, wenn ich dieser Figur ihren Platz in meinem Team zugewiesen und ihn als Teil meiner Pers\u00f6nlichkeit anerkannt habe, dann kann diese Figur sogar segensreich wirken: Die heilende Wirkung einer gelungenen \u201eIntegration meines Schattens\u201c entsteht durch die bewusste Annahme seiner Qualit\u00e4ten, die eben jetzt auch die Meinen sind: Ein \u201eTeufel\u201c zeigt mir vielleicht eine M\u00f6glichkeit des Umgangs mit dem Prozessgegner, der \u201eVerr\u00e4ter\u201c zwingt mich zur kritischen Auseinandersetzung mit meinem Verh\u00e4ltnis zur Diskretion. Der \u201emissbrauchende Tyrann\u201c zeigt mir die Schw\u00e4chen meiner F\u00fcrsorge, meines Einf\u00fchlungsverm\u00f6gens, zeigt mir, wo ich nachfragen muss, Befindlichkeiten Schutzbefohlener zu ber\u00fccksichtigen; der \u201eFeigling\u201c zeigt mir mit seiner Angst, wo ich vorsichtig agieren sollte, usw.<br \/>\nDas Ego wird somit zum Instrument, ich ben\u00fctze es, um den tieferen Kern, meine Seele zum Ausdruck zu bringen: die Liebe. Es ist nicht die Liebe in der romantischen, kindlich-bed\u00fcrftigen Form, sondern die Liebe zu allem, was ist. Eine Liebe, die nur, aber angemessen, gibt.<br \/>\nPallas Athene, die \u201eKopfgeburt\u201c und Tochter des griechischen \u00dcber-und G\u00f6ttervaters Zeus, liefert in der Orestie ein mythisches Beispiel, wie Schatten (hier die Rachelust) integriert werden k\u00f6nnen, indem sie sie in das eigene Haus einl\u00e4dt. Die Demut, mit der sie sich ihnen stellt, ist beeindruckend: \u201eIn der Orestie erscheint die G\u00f6ttin Athene als Figur der Vers\u00f6hnung, Gerechtigkeit und der Achtung f\u00fcr potenziell negative Kr\u00e4fte. &#8230; Athene war f\u00fcr ihren Mut im Kampf ebenso ber\u00fchmt wie f\u00fcr ihr Wohlwollen im Frieden und ihren zivilisierenden Einfluss. Sie provozierte nie aktiv eine Schlacht, aber sie verlor auch nie. In der Orestie erschl\u00e4gt Orest seine Mutter, um den Mord an seinem Vater zu r\u00e4chen, und zieht so den Zorn der Furien [Racheg\u00f6ttinnen]auf sich, die ihn erbarmungslos verfolgen und ins Exil und in den Wahnsinn treiben. Schlie\u00dflich flieht er in einen Tempel der Athene. Diese setzt ein Gericht ein, das \u00fcber sein Schicksal entscheiden soll &#8230; Doch die Abstimmung verl\u00e4uft unentschieden, und so muss Athene selbst ihre Stimme abgeben: Orest soll freigesprochen und von der Blutschuld befreit werden. Damit zieht sie jedoch den Zorn der Furien auf sich selbst. Da sie ihre Gegnerinnen aber achtet, nimmt sie diese allm\u00e4hlich f\u00fcr sich ein: \u00abIch werde euren Zorn ertragen. Ihr seid \u00e4lter als ich.\u00bb Sie versichert ihnen: \u00abKein Haus kann ohne euch gedeihen.\u00bb Sie garantiert ihnen einen Platz in der neuen Ordnung, \u00abwo Schmerz und Kummer ein Ende haben\u00bb und bittet sie sogar zu bleiben. Schlie\u00dflich l\u00f6st sie durch ihr Mitgef\u00fchl und ihre \u00dcberzeugungskraft den Zorn der Furien auf, indem sie offen die \u00c4hnlichkeiten zwischen sich selbst und den Furien einr\u00e4umt und sich bereit zeigt, sie aufzunehmen und zu achten.\u201c<\/p>\n<p>Schattenarbeit mit R\u00fcdiger Dahlke:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"fBSbwaQgr6\"><p><a href=\"https:\/\/www.mystica.tv\/dr-ruediger-dahlke-den-schatten-integrieren-video\/\">Dr. Ruediger Dahlke &#8211; Den Schatten integrieren (Video)<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Dr. Ruediger Dahlke &#8211; Den Schatten integrieren (Video)&#8220; &#8212; MYSTICA.TV\" src=\"https:\/\/www.mystica.tv\/dr-ruediger-dahlke-den-schatten-integrieren-video\/embed\/#?secret=PqfkF1rzhU#?secret=fBSbwaQgr6\" data-secret=\"fBSbwaQgr6\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>F\u00fcr das, was hier abgehoben, mystisch und weltfremd klingen mag, gibt es durchaus reale, handfeste Beispiele im Leben: Rupert Vo\u00df hat mit besonderem Verantwortungsbewusstsein und gro\u00dfer Liebe f\u00fcr die betreuten Gewaltt\u00e4ter die \u201eWork and Box Company\u201c gegr\u00fcndet und hilft damit straff\u00e4llig gewordenen Jugendlichen, wieder in die Spur zu kommen. Sein Credo ist die Transformation schlechthin: \u201eDie Gnade eines schweren Lebens\u201c. Was ihm an Schwierigkeiten in seinem eigenen Leben begegnet ist, \u201e\u00fcbersetzt\u201c und gibt er weiter. Ganz bewusst setzt auch Kannengie\u00dfer in seinem Boxcamp seine Gewalt-, Drogen- und Alkoholerfahrung ein, um kriminellen Jugendlichen einen Weg zur\u00fcck in die Gesellschaft zu erm\u00f6glichen. Auf diese Weise ist sein inneres Wesen, seine tiefe Liebe und Mitmenschlichkeit &#8230; beispielhaft.<br \/>\nViele Kinder und Jugendliche sind durch TV, Videospiele und Internet-Gewalt abgestumpft. Da tut Schocktherapie not: Der ehemalige Kriminelle Ivan Kirr besucht nach 15 Jahren Gef\u00e4ngnis wegen Mordes Sch\u00fcler und mahnt ebenso eindringlich wie wirksam: \u201eIm Gef\u00e4ngnis merkt Ihr, dass Ihr der Arsch seid.\u201c<\/p>\n<p>Tipps zur Schattenarbeit<\/p>\n<p>\u2022 Finde deine Verhaltensmuster heraus, die f\u00fcr dich unkontrollierbar ablaufen und unter deren Folgen du leidest.<br \/>\n\u2022 Besprich diese mit langj\u00e4hrigen Freunden \u2013 sie kennen und m\u00f6gen dich: BITTE sie um Hilfe bei der Erkenntnis.<br \/>\n\u2022 Beobachte, wenn du ein solches Muster an dir auftauchen siehst. NICHT urteilen, nicht unterbrechen, nichts tun: Nur beobachten.<br \/>\n\u2022 Finde die Kehrseite der Medaille: Wozu hat dir dieses Verhalten bisher gen\u00fctzt? Was war, wie im Yin\/Yang-Zeichen, das \u201eGute im B\u00f6sen\u201c?<br \/>\n\u2022 Schaffe dir einen sch\u00fctzenden Rahmen, im Freundeskreis oder mit einer liebenden Partnerin und sprich dich ab, bereite sie vor und dann \u201espiele das verbotene Spiel\u201c.<br \/>\n\u2022 \u00dcbe \u201eparadoxe Intervention\u201c: Tue das Verbotene! Entschlie\u00dfe dich bewusst, das Muster einmal, mehrfach willentlich durchzuziehen \u2013 aber eben nicht als Getriebener, sondern als Regisseur und Hauptdarsteller dieser Szene.<br \/>\n\u2022 Finde ein oder mehrere Ventile f\u00fcr zerst\u00f6rerische Verhaltensmuster (Holz hacken, Unkraut j\u00e4ten, Karate,&#8230;) und sei dir bei diesen T\u00e4tigkeiten deines Schattens bewusst: Tobe ihn dort aus! Lasse dort \u201edie Sau raus\u201c.<br \/>\n\u2022 \u201eDie Sau rauslassen\u201c: Es soll Frauen geben, die genau das bei M\u00e4nnern im Bett sch\u00e4tzen (oder im Auto, Fitnesscenter-Duschkabine, Restaurant-Toilette, SM-Studio &#8230;) und den Softie aufgrund seiner Unf\u00e4higkeit genau daf\u00fcr verlassen \u2013 f\u00fcr einen Macho. \f<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Siegfried t\u00f6tete den Drachen, badete in dessen Blut, um sich unverwundbar zu machen. Bei seinem Bad fiel ihm ein Lindenblatt auf die Schulter, auf seinem R\u00fccken entstand eine verwundbare Stelle. Genau an dieser Stelle durchbohrte ihn Hagens Speer. Als Achillesferse bezeichnet man die verwundbare Stelle des Helden. Als &#8220;Schatten&#8221; bezeichnet man seit C. G. 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