{"id":384,"date":"2013-03-23T15:30:14","date_gmt":"2013-03-23T13:30:14","guid":{"rendered":"https:\/\/iuaviabelfjea.byteway.dev\/?p=384"},"modified":"2013-03-23T15:30:14","modified_gmt":"2013-03-23T13:30:14","slug":"mannliches-zuhoren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maennerschmie.de\/index.php\/2013\/03\/23\/mannliches-zuhoren\/","title":{"rendered":"&quot;M\u00e4nnliches&quot; Zuh\u00f6ren"},"content":{"rendered":"<p>M\u00e4nner k\u00f6nnen nicht zuh\u00f6ren?<br \/>\nHA!<br \/>\nNicht Frauenversteher, kein gef\u00fchlsduseliges Baden im Schmerz, sondern- wie k\u00f6nnte das aussehen- das spezifisch- &#8220;m\u00e4nnliche Zuh\u00f6ren&#8221;?<br \/>\nNicht nur Momo1 konnte zuh\u00f6ren, aufmerksam, mit ganzer Anteilnahme und tief schweigend, sondern m\u00e4nnliche Pr\u00e4senz beinhaltet genau diese F\u00e4higkeit auch. Aber sie geht weiter: Mit rasiermesserscharfem Verstand bin ich bei dem, der gerade zu mir spricht. Weniger lauernd auf die Gelegenheit, um endlich meine Geschichte an den Mann zu bringen oder gar den Haken, eine Schw\u00e4che, mit der ich den Kampf er\u00f6ffnen k\u00f6nnte. Sondern zum Bersten gespannt auf das Gef\u00fchl, mit dem der andere spricht, um nicht nur zu h\u00f6ren, was er sagt, sondern viel wichtiger ist mir, wie er spricht, damit ich das darunter liegende Motiv begreife. Der erste Halbsatz, die Art, wie er gesprochen wird, aus dem Unbewussten heraus, zeigt mir da oft viel. Die gest\u00e4rkte Neugier bringt es mit sich, dass der erste Satzteil nicht nur verwendet wird, um, wie beim Narzissten, das Stichwort zur Selbstdarstellung zu geben, sondern im Gegenteil, mir Aufschluss gibt \u00fcber die Befindlichkeit des Gegen\u00fcber. Zuh\u00f6ren, das geschieht auch mit den Augen, der achtsame Blick auf Mimik, Gestik, K\u00f6rpersprache. Ist die Art und Weise des Sprechens und die Aussage einander ent- oder widersprechend? Der K\u00f6rper l\u00fcgt nicht. Ich schaue der Mimik und dem K\u00f6rper beim Sprechenden zu, sehe die harmonisch- zum Gesprochenen- oder widerspr\u00fcchliche K\u00f6rpersprache. Ich h\u00f6re zu Ende zu, lasse ganz ausreden, halte eine oder gar mehrere Sekunden des Schweigens aus, um den Bogen zu spannen zum vorher Gesagten. Darin suche ich Harmonie oder Widerspr\u00fcche. Mehr noch als das Gesagte interessiert mich die Verbindung zum Kontext des Sprechenden, wie passt das zu Herkunft, Beruf, Familiensituation, und frage nach, wenn mir etwas unklar ist. Und wenn ich dann den Kontext in Bezug setze zum fr\u00fcher Gesagten und formuliere, was stimmig ist und was nicht, dann  kann der Sprechende das Gef\u00fchl bekommen, ich bin \u201ebei ihm\u201c. So kann sich mein Gegen\u00fcber entfalten, wir gewinnen Klarheit \u2013 mehr \u00fcber uns als Personen als \u00fcber die Sache. Die ist eh \u2013 meist nebens\u00e4chlich. Viel wichtiger als das Einverst\u00e4ndnis, das d\u00b4accord in der Sache, empfinde ich die Qualit\u00e4t des Gespr\u00e4chs als beziehungs-stiftend und -f\u00f6rdernd. Ich trete durch diese Art der Gespr\u00e4chsf\u00fchrung durch vertiefende Fragen in eine aktive Beziehung zum Sprechenden. Das ist das Gegenteil von Small Talk, dem stupiden Austausch von Belanglosigkeiten. Entweder ein Gespr\u00e4ch ist pers\u00f6nlich, oder es ist nicht sehr relevant. Joh. Freiherr von Knigge lehrte, sich eine besondere Offenheit zu bewahren \u2013 f\u00fcr jedwede Art von Gesellschaft: \u201e\u00dcbrigens aber rate ich auch an, um sein selbst und andrer willen, ja nicht zu glauben, es sei irgend eine Gesellschaft so ganz schlecht, das Gespr\u00e4ch irgend eines Mannes so ganz unbedeutend, dass man nicht daraus etwas lernen, eine neue Erfahrung, einen Stoff zum Nachdenken sammeln k\u00f6nnte&#8221;2.<br \/>\nAktiv zuh\u00f6ren kann auch bedeuten: Schweigen.<br \/>\nAber das ist nicht das geistig abwesende Schweigen, sondern im Gegenteil: Wie die alten Indianer l\u00e4sst der aufmerksame Zuh\u00f6rer die Worte in sich sacken, bis ins Herz hinein. Die Kunst besteht darin, au\u00dfer der besonderen Intensit\u00e4t der Wahrnehmung eine besondere Intensit\u00e4t der Hingabe an die konkrete Situation, an das Gegen\u00fcber zu praktizieren. Gemeinsam l\u00e4sst sich das praktizieren, indem man konkret ank\u00fcndigt: \u201eDas ber\u00fchrt mich, dar\u00fcber muss ich mal nachdenken, &#8230;\u201c<br \/>\nWas gilt es, im Zuh\u00f6ren \u201ehinzugeben\u201c?<br \/>\n\u201eDie wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, der bedeutendste Mensch immer der, der dir gerade gegen\u00fcbersteht, und das notwendigste Werk ist immer die Liebe.\u201c Meister Eckhart.<br \/>\nEs gilt, meinem Gespr\u00e4chspartner genau DAS zu zeigen: Es ist diese besonders intensive Aufmerksamkeit: Ich h\u00f6re nicht nur mit gespitzten Ohren, die T\u00f6ne, die Zwischent\u00f6ne, die feste oder br\u00fcchige Stimme, WIE etwas gesprochen wird. Ich h\u00f6re mit aufgerissenen Augen, sehe K\u00f6rpersprache und Mimik. Und vielleicht rieche ich sogar, denn Pferde riechen menschlichen Angstschwei\u00df, warum der Mensch nicht auch- subliminal, unter der Wahrnehmungsschwelle?<br \/>\nWenn ich derma\u00dfen intensiv zuh\u00f6re, dann ber\u00fchrt mich das Gesagte vielleicht sogar k\u00f6rperlich- es schn\u00fcrt mir bei der Beschreibung vielleicht die Kehle zu, ich bekomme Magenschmerzen oder G\u00e4nsehaut, bei dem, was mir mein Gegen\u00fcber da erz\u00e4hlt. Und das spreche ich dann aus.<br \/>\nNicht nur in Form der Aufmerksamkeit, und ganz bewusst zu nehmen, was er gibt und erz\u00e4hlt, wahrzunehmen und was ihn dabei bewegt: \u201eAh, und was f\u00fchlst du \u2013 jetzt, damals, dabei?!\u201c, sondern das auch wiederzugeben. Ich muss dazu in MIR ein Gef\u00fchl f\u00fcr das Gesprochene meines Gegen\u00fcbers entwickeln, und das hat wiederum zwei Aspekte:<br \/>\n&#8211; Wie w\u00fcrde ICH mich in dieser Situation gef\u00fchlt haben? Oder wie f\u00fchle ich mich jetzt \u2013 damit?<br \/>\n&#8211; Wie mag ER\/SIE sich in der Situation gef\u00fchlt haben, z. B., wenn ich daran denke, was er mir zuvor erz\u00e4hlt hat. Und ihm das zu spiegeln, auszudr\u00fccken.<br \/>\nIndem ich mich in meiner Antwort auf diesen, seinen Kontext \u201ebeziehe\u201c, entsteht \u201eBeziehung\u201c. Und N\u00e4he. Frauen brauchen so etwas. Und gute M\u00e4nner wissen das zu sch\u00e4tzen.<br \/>\nKommunikation kann nat\u00fcrlich auch ganz anders ablaufen. Zum Beispiel erlebe ich oft, dass abseits aller Besonnenheit, Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen und Kontextbezug die Gespr\u00e4chsfetzen fliegen. Das ist bei sehr spontanen Menschen der Fall, denen die Gedanken wie aus dem Gesicht fallen, wo ein Wort das andere ergibt. Hier ist das Gespr\u00e4ch, der Inhalt, wichtiger als der Mensch, der spricht. Auch solche Gespr\u00e4che haben ihren Reiz, sind relevant, nat\u00fcrlich, und auch diese fordern maximale Pr\u00e4senz. Beide Gespr\u00e4chspartner zeigen Lebendigkeit, oft auch Brillanz. Gute Talkshows laufen so ab. Es geht um \u201edie Sache\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00e4nner k\u00f6nnen nicht zuh\u00f6ren? HA! Nicht Frauenversteher, kein gef\u00fchlsduseliges Baden im Schmerz, sondern- wie k\u00f6nnte das aussehen- das spezifisch- &#8220;m\u00e4nnliche Zuh\u00f6ren&#8221;? Nicht nur Momo1 konnte zuh\u00f6ren, aufmerksam, mit ganzer Anteilnahme und tief schweigend, sondern m\u00e4nnliche Pr\u00e4senz beinhaltet genau diese F\u00e4higkeit auch. 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