{"id":2110,"date":"2023-12-31T11:39:00","date_gmt":"2023-12-31T10:39:00","guid":{"rendered":"https:\/\/iuaviabelfjea.byteway.dev\/?p=2110"},"modified":"2024-01-01T17:19:13","modified_gmt":"2024-01-01T16:19:13","slug":"muetter-soehne-maenner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maennerschmie.de\/index.php\/2023\/12\/31\/muetter-soehne-maenner\/","title":{"rendered":"M\u00fctter, S\u00f6hne, M\u00e4nner"},"content":{"rendered":"<p>Gerhard Amendt:<\/p>\n<p>\u201eWie M\u00fctter sich ihre S\u00f6hne w\u00fcnschen\u201c<br \/>\n4.12.2023<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2115 alignright\" src=\"https:\/\/iuaviabelfjea.byteway.dev\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/93FD2CA2-7A95-4F0F-938E-771C35A22EDD-225x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/maennerschmie.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/93FD2CA2-7A95-4F0F-938E-771C35A22EDD-225x300.jpeg 225w, https:\/\/maennerschmie.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/93FD2CA2-7A95-4F0F-938E-771C35A22EDD-1080x1440.jpeg 1080w, https:\/\/maennerschmie.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/93FD2CA2-7A95-4F0F-938E-771C35A22EDD-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/maennerschmie.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/93FD2CA2-7A95-4F0F-938E-771C35A22EDD-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/maennerschmie.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/93FD2CA2-7A95-4F0F-938E-771C35A22EDD.jpeg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/p>\n<p>Man kommt als Mann zur Welt, aber man wird auch dazu gemacht. Besonders von der Mutter.<br \/>\n1994 ver\u00f6ffentlichte das amerikanische Magazin TIME eine viel beachtete Geschichte. Rechts auf dem Titelblatt war zu lesen: ARE MEN REALLY THAT BAD? Links auf dem Cover war ein Mann im eleganten Anzug zu sehen. Das wei\u00dfe Hemd geb\u00fcgelt, die Hand mit Ehering und den Arm mit Manschetten best\u00fcckt. Die Krawatte modisch. Es war kein Mann aus der Unterschicht, eher aus der Mittelklasse. Und nun sein Gesicht! Eine \u00fcberdimensionierte Nase mit aufgebl\u00e4hten Nasenl\u00f6chern, die Backen h\u00e4ngend und fetthaltig aufgetrieben, die Augen verkniffen, nichts Freundliches verhei\u00dfend. Die Ohren \u00fcberdimensioniert zum Lauschen aufgestellt. Das Maul leicht beschmutzt. Ich mache es kurz: Ein Schweinskopf ragte aus dem Anzug heraus.<br \/>\nDas Titelbild hat viele M\u00e4nner entsetzt1: M\u00e4nner &#8211; eine Klasse von Schweinen? Nicht einmal ein Jahr zuvor hatte eine Frau ihrem schlafenden Ehemann aus Zorn \u00fcber vorenthaltene Orgasmen den Penis mit einem K\u00fcchenmesser abgetrennt und weggeworfen. Der wurde gefunden und wieder \u201eangen\u00e4ht\u201c. Nicht wenige haben ger\u00e4tselt, ob TIME \u201eschweinische\u201c M\u00e4nner vor der Strafe der genitalen Verst\u00fcmmelung warnen oder ob sie den Begeisterungssturm tonangebender Feministen als Kastration anprangern wollte. Denn nicht alle Bataillone des Feminismus waren davon begeistert. Einige Wortgewaltige priesen jedoch die Verst\u00fcmmelungsorgie jener Ehefrau. Eine deutsche Feministin gab sich sichtbar dar\u00fcber erleichtert, dass Frauen endlich die vielseitige<br \/>\n1 https:\/\/content.time.com\/time\/covers\/0,16641,19940214,00.html<\/p>\n<p>Verwendung von Messern erkannt h\u00e4tten: Petersilie hacken, ja, aber auch unliebsame M\u00e4nner verst\u00fcmmeln!<br \/>\nDie Redaktion der TIME gab sich noch der Hoffnung hin, m\u00e4\u00dfigend in die heraufziehende Polarisierung der Geschlechterbeziehungen eingreifen und den zerst\u00f6rerischen \u00c4rger \u00fcber \u201eunvollst\u00e4ndige M\u00e4nner\u201c unterbinden zu k\u00f6nnen. Das war eine Fehleinsch\u00e4tzung. Alles wurde nur noch schlimmer. Die vergangenen Jahrzehnte haben das M\u00e4nnerbild verzerrt, wie es kaum sich jemand vorstellen wollte. \u00dcber all dem liegt heute bleiernes Schweigen bis tief in die Gesellschaft hinein. \u00dcber Geschlechterbeziehungen spricht man nicht, es sei denn, man spr\u00e4che von Frauen als Opfern und M\u00e4nnern als T\u00e4tern. Und das von Kanzeln, Kirchen, Parlamenten, Parteien und Universit\u00e4tsseminaren. Ausnahmen sind schwer zu finden.<br \/>\nDas birgt die Gefahr in sich, dass wir in eine Gesellschaft von Feindseligkeiten zerfallen, die die Kultur der Konfliktl\u00f6sung untergehen l\u00e4sst. Weil gravierende Konflikte nicht thematisiert und folglich nicht mehr gel\u00f6st werden, kommt das einer Gesellschaft gleich, die von den Gefahren f\u00fcr die Demokratie nichts wissen will und sehenden Auges in Totalit\u00e4res abgleitet.<br \/>\nVon der Wertsch\u00e4tzung der Konfliktorientierung in Erziehung und P\u00e4dagogik, wie sie in den 60 und 70 Jahren von einigen Universit\u00e4ten und Fachhochschulen ausging, ist kaum etwas geblieben.<br \/>\nStattdessen machte sich dort zumeist Verleugnung breit, die sich der Verleumdung anstelle des Gespr\u00e4chs bedient. Angst herrscht vor. Und die Tendenz bestimmt immer mehr die Haltung auch von Wissenschaftlern in so ziemlich allen Disziplinen. Angetrieben wird diese Entwicklung von einer Atmosph\u00e4re der Zensur und Repression, die die Suche nach Wahrheit, der Kern der Wissenschaften, zum existentiellen Risiko macht.<\/p>\n<p>Der Biologie folgt die kulturelle Formung<br \/>\nHier soll der Frage nachgegangen werden, was es sein k\u00f6nnte, was seit Jahrzehnten gerade M\u00e4nnern die Sprache \u00fcber die kollektive Abwertung durch Feminismus und Genderpolitik verschl\u00e4gt.<br \/>\nIch will &#8211; unter den vielen Erkl\u00e4rungsm\u00f6glichkeiten &#8211; der Vermutung nachgehen, dass das Schweigen der S\u00f6hne vor allem mit Besonderheiten ihrer Beziehung zur Mutter w\u00e4hrend der fr\u00fchen Lebensjahre zusammenh\u00e4ngen k\u00f6nnte. Dieser Zusammenhang ist von solch herausragender Bedeutung, dass in Politik und Medien mit steter Anstrengung versucht wird, dass er das Licht der \u00d6ffentlichkeit nicht erblicken kann. Die Frage ist so brisant, dass auch die Forschung ihr geflissentlich aus dem Wege geht. So wird der Einfluss der Mutter auf die Entwicklung ihrer S\u00f6hne wie ein Naturph\u00e4nomen behandelt, so als seien kulturelle Einfl\u00fcsse ebenso wie der famili\u00e4re Hintergrund und die Beziehung zu der Mutter unerheblich f\u00fcr die Auspr\u00e4gung von M\u00e4nnlichkeit. Und im Familienleben trifft genau das Gegenteil zu. Schon die Vermutung, dass dieses Verh\u00e4ltnis sich in Beziehungen erwachsener M\u00e4nner zu Frauen sp\u00e4ter wiederholen k\u00f6nnte, entzieht sich der Neugierde der meisten Wissenschaftler. Weil viele Forscher das prek\u00e4re Ungewisse der Sohn-Mutterbeziehung, aus dem auch ihre eigene M\u00e4nnlichkeit hervorgegangen ist, f\u00fcrchten, wird sie im Dunkeln gehalten. Nicht alle M\u00e4nner haben sich mit der Kultur der Entwertung abgefunden. Einige machten geltend, dass auch ihr Leben damals wie heute nicht leicht ist. Sie fordern gleiches Recht auf Anerkennung als Leidende. Feministen und Genderideologen witterten darin den Versuch, sich der Vorteile der Mitleidskultur zu bem\u00e4chtigen, die weiblichen Opfern geboten wird: Verzicht auf eigene Aktivit\u00e4t und Mitleid als Tr\u00f6stung.<\/p>\n<p>Der Versuch hingegen, die Welt der Geschlechterbeziehungen jenseits von Opfer und T\u00e4ter zu verstehen und eine differenzierte Sicht auf deren allt\u00e4gliche Dynamik zu gewinnen, will ich am Beispiel des 1986 Aufruhr stiftenden Buches \u201eMutters\u00f6hne\u201c von Volker Pilgrim skizzieren.<br \/>\nEr hat versucht, eine Antwort auf die hei\u00df umk\u00e4mpfte Frage zu finden, warum \u201eM\u00e4nner so sind, wie sie sind\u201c. Wie kommt es dazu, dass feministische Aktivisten fast widerstandslos &#8211; in ihrer einzigen Leiden- schaft &#8211; jeden individuellen Mann einem omin\u00f6sen Kollektiv von Gewalt- t\u00e4tigen und Frauenfeinden zurechnen konnten? Angefangen beim Krieg bis hin zu h\u00e4uslichen Handgreiflichkeiten! Dass sie verantwortungsvolle Ehepartner und V\u00e4ter sind, schien der Erw\u00e4hnung nicht wert, ebenso wenig, dass sie in Kriege ziehen, um Familie und Heimat zu verteidigen. Ohne gefragt zu werden, ob sie das wollen oder nicht.<br \/>\nPilgrims Kernfrage kam einem Paukenschlag gleich: Welche Rolle spielen die M\u00fctter im Leben ihrer S\u00f6hne, dass \u201ezerst\u00f6rerische M\u00e4nnlichkeit a la Roosevelt, Stalin und Hitler\u201c dabei herauskommt? Wohlgemerkt, er hat damit die feministische Generalthese von der Gewaltt\u00e4tigkeit \u00fcbernommen, um zur Suche nach Ursachen vorzudringen.<br \/>\nSeine k\u00fchnen Mutma\u00dfungen \u00fcber machtvolle M\u00fctterlichkeit er\u00f6ffneten damit das weite Feld von intimen Biografien von M\u00fcttern und S\u00f6hnen. Viele r\u00e4tseln dar\u00fcber, warum M\u00e4nner zur Verantwortung f\u00fcr Fehlentwicklungen schweigen, die ihnen menschheitsgeschichtlich zugefallen ist. Dabei geht es erstaunlicherweise nicht darum, dass M\u00e4nner die \u201epatriarchalische Kollektivschuld\u201c, die ihnen von feministischer Seite als erster Schritt zur Besserung angeboten wird, sich nicht zu eigen machen. Vielmehr geht es darum, dass viele M\u00e4nner selbst glauben, kein guter Mann und Vater zu sein, dass sie glauben, versagt zu haben. Eben weil sie meinen, die in ihrer Kindheit erlernten Pflichten gegen\u00fcber der Mutter in ihren Beziehungen zu Freundinnen und Ehefrauen nicht<\/p>\n<p>fortgef\u00fchrt zu haben. Andere M\u00e4nner hingegen ber\u00fchren diese Vorw\u00fcrfe nicht. Ihr Motto ist dann schon eher: so lange Frauen uns nur mit Vorw\u00fcrfen \u00fcberh\u00e4ufen, so lange haben sie die Hoffnung nicht aufgegeben, dass wir uns doch noch bessern und irgendwann dann doch noch ihren Erwartungen entsprechen werden. Sie sehen ihre Rolle in der Partner- schaft vielmehr anerkannt und belassen es dabei. Ihr Selbstbild vom \u201eWunscherf\u00fcller\u201c und Breadwinner geriet unter dem Sturm der Entwertung nicht ins Wanken. Sie sehen es vielmehr nachdr\u00fccklich best\u00e4tigt. Sie sehen sich als \u201eProvider\u201c mit Besserungspotential.<br \/>\nDas ewige Bem\u00fcht sein um Frauen<br \/>\nEs l\u00e4sst sich nicht von der Hand weisen, dass M\u00e4nner von Selbstzweifeln und unergr\u00fcndlichen Schuldgef\u00fchlen zumindest in der Gegenwart heimgesucht werden und um Wiedergutmachung sich bem\u00fchen. Es handelt sich hier um einen Teil unserer Kultur der Geschlechterbeziehungen, wie er Tag f\u00fcr Tag und Jahr f\u00fcr Jahr als Selbstverst\u00e4ndlichkeiten praktiziert wird. Ich denke dabei an die steten Bem\u00fchungen, es Frauen recht zu machen, die die meisten M\u00e4nner ein Leben lang beherrschen. Es ist ein tragendes Element m\u00e4nnlicher Identit\u00e4t, das auf evolutionsbiologische Wurzeln hinweist, die lediglich in zeitgen\u00f6ssischer Auspr\u00e4gung erscheinen. Wie lie\u00dfe sich sonst verstehen, dass M\u00e4nner seit Menschengedenken die schweren und gef\u00e4hrlichen Arbeiten \u00fcbernehmen, in gerechte wie ungerechte Kriege ziehen, in Bergwerke einfahren, ihre Kinder kaum sehen und nicht einmal in unseren Zeiten permanenter Gleichheits- und Antidiskriminierungsrhetorik auf den Gedanken k\u00e4men, Frauen zumindest \u00c4hnliches abzuverlangen oder zumindest Anerkennung zu erwarten?<\/p>\n<p>Das \u201ebem\u00fcht sein um Frauen\u201c, Zuvorkommenheit und r\u00fccksichtsvolle H\u00f6flichkeit kann man schon fr\u00fch im Leben von Jungen beobachten. Es wird ausgepr\u00e4gter sichtbar gegen\u00fcber Mitsch\u00fclerinnen, noch mehr dann bei Freundinnen, der Ehefrau und im Berufsalltag. So trug ein Abiturient vor mehr als zwanzig Jahren in einem Gespr\u00e4ch vor, dass M\u00e4dchen von Lehrern &#8211; M\u00e4nnern wie Frauen &#8211; bevorzugt w\u00fcrden. Die Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der er diese Ungerechtigkeit hinnahm, weist auf fr\u00fche Erfahrungen vor allem mit der Mutter hin. Er hat als Kind bereits gelernt, dass sich der \u201eMann\u201c zur\u00fccknehmen muss. Nicht viel anders ein 30-j\u00e4hriger, dem die Mutter wohlmeinend auferlegt hatte, dass er sich \u201enach jedem Geschlechtsverkehr bei der Frau bedanken\u201c solle.<br \/>\nSo ist nachvollziehbar, dass m\u00e4nnliches Selbstbewusstsein durch die zeitgen\u00f6ssische Kultur Schaden nimmt. Es zeigt sich darin, dass junge M\u00e4nner wieder l\u00e4nger bei den Eltern leben und den Gang in die Selbst\u00e4ndigkeit wie in feste sexuell-libidin\u00f6se Beziehungen hinausz\u00f6gern, nicht zu vergessen die hohe Zahl an Selbstt\u00f6tungen von M\u00e4nnern und Jungen. Vor allem auch, dass sie sich vom Wunsch nach Kindern zur\u00fcckziehen.<br \/>\nEs geht also nicht nur darum, ob wahr ist, was den M\u00e4nnern vorgehalten wird, sondern dass sie es auf einer v\u00f6llig anderen Ebene ihres Selbstbewusstseins in Frage stellen. N\u00e4mlich als Zweifel daran, dass sie Frauen verstehen und \u201egut genug\u201c f\u00fcr sie sind.<br \/>\nPatriarchatsphantasien und zerst\u00f6rerische Genderideologie sind nicht die einzigen Anl\u00e4sse, warum M\u00e4nner schweigen. Besonders ragt dabei die Auseinandersetzung \u00fcber Gewalt in Partnerschaften heraus, \u201ewonach allein M\u00e4nner\u201c (Miss)Handelnde sind. Das widerspricht nicht nur den Alltagserfahrungen von M\u00e4nnern, sondern auch dem, was Frauen \u00fcber eigene Handgreiflichkeiten in Befragungen selbst berichten &#8211; n\u00e4mlich gleiche H\u00e4ufigkeit von Gewaltt\u00e4tigkeit wie M\u00e4nner.<\/p>\n<p>Warum schweigen M\u00fctter zur Abwertung ihrer S\u00f6hne<br \/>\nDie Frage, warum auch Frauen in ihrer Mehrheit zur Entwertung von \u201eden M\u00e4nnern\u201c schweigen, soll kurz skizziert werden. Es zeigt sich, dass die Entwertung des einen Geschlechts die Entwertung des anderen nach sich zieht, unabh\u00e4ngig davon, wer damit beginnt. Denn pauschale \u00c4u\u00dferungen wie \u201ealle M\u00e4nner sind potenzielle Gewaltt\u00e4ter\u201c oder \u201eunf\u00e4hig zur Empathie\u201c2 entwertet nicht nur ihre Partner, Ehem\u00e4nner und S\u00f6hne, sondern ebenso ihre V\u00e4ter, Gro\u00dfv\u00e4ter und Urgro\u00dfv\u00e4ter. M\u00e4nnlichkeit gilt vielen M\u00e4nnlichkeitskritikern als \u00bbInkarnation\u00ab solcher \u00dcbel wie: Gef\u00fchlsabwehr, Rape Culture, Naturzerst\u00f6rung, Empathiemangel, Kapitalismus etc. Frauen, so die Konsequenz, seien eben Opfer der M\u00e4nnerwelt. Dahinter verbirgt sich die politische Strategie, dass Frauen die gesinnungsm\u00e4\u00dfige Mitgliedschaft im Club der Opfer lohnender als das ehrende Gedenken ihrer m\u00e4nnlichen Vorfahren erleben sollen. Das ist nicht nur ein Kulturbruch, sondern es entwertet auch die eigenen M\u00fctter, weil sie dem \u201em\u00e4nnlichen Treiben\u201c nicht Einhalt geboten haben. Das tr\u00e4gt &#8211; letztlich &#8211; zu einer Kombination von weiblicher Selbstverherrlichung (Die Zukunft ist weiblich!)3 und Selbstmitleid bei, wie wir das rituell am internationalen Frauentag erleben. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Aussage der Deutschen Bundesinnenministerin, Nancy Faeser, von 2023 an Bedeutung.4 Sie hat t\u00f6dlich endende Auseinandersetzungen in Partnerschaften in den Status von Femizid erhoben, eben einer systematischen T\u00f6tung von Frauen, weil sie \u201eumgebracht (werden), weil sie Frauen sind\u201c und \u201eweil M\u00e4nner Macht \u00fcber sie aus\u00fcben wollen\u201c.5 Es<br \/>\n2 Siehe: Carol Gilligan, Naomi Snider: Why does Patriarchy Persist? 2018<br \/>\n3 Margarete Mitscherlich: Die Zukunft ist weiblich, 1997<br \/>\n4 Nancy Fraeser: https:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/politik-inland\/ministerin-faeser-frauen-werden- umgebracht-weil-sie-frauen-sind-80165048.bild.html<br \/>\n5 Fraeser, a.a.O., 2023<\/p>\n<p>z\u00e4hlt nicht mehr die t\u00f6dlich eskalierende Psychodynamik streitender Partner und ebenso wenig das Urteil von Strafrichtern, die \u00fcber die Schwere der Tat befinden, informiert durch Expertisen und Forschung von psychologischen Gutachtern. Vielmehr wird der individuelle Gewaltverlauf einer gesellschaftlichen Vernichtungsstrategie zugeordnet, so als g\u00e4be es solche Strategien, vergleichbar dem Genozid an Juden, Homosexuellen oder Armeniern. Die Gleichsetzung von Frauenmord und Genozid verfolgt den parteipolitischen Zweck, Angst und Feindseligkeit zwischen M\u00e4nnern und Frauen wie den Generationen zu sch\u00fcren. (Es erinnert fast schon an die Angstatmosph\u00e4re der 50er Jahre, als im \u201eKalten Krieg\u201c zwischen dem Westen und der Sowjetunion Angstzust\u00e4nde das Alltagsleben pr\u00e4gten, weil bef\u00fcrchtet wurde, dass Drohszenarien in einen \u201ehei\u00dfen\u201c Krieg \u00fcbergehen k\u00f6nnten.)<br \/>\n\u201eIch habe Dich, mein Sohn. Ich brauche keinen anderen\u201c<br \/>\nAuf der Suche nach Beweggr\u00fcnden, die das Schweigen der S\u00f6hne zur allgegenw\u00e4rtigen Entwertungskultur erhellen k\u00f6nnten, soll der Gedanke der besonderen Beziehung zur Mutter vertieft werden.6 Deren Besonderheit ist die gro\u00dfe Wertsch\u00e4tzung des Sohnes. So wird auch in unserer Kultur die Geburt eines Sohnes, wenn auch mit Zur\u00fcckhaltung, noch immer mit gr\u00f6\u00dferer Freude aufgenommen als die eines M\u00e4dchens. Die Beziehung zu S\u00f6hnen ist nicht nur intensiver, sondern anders als die zu T\u00f6chtern. Mit ihr geht einher, dass M\u00fctter Erwartungen an ihren kleinen Sohn herantragen, die sie nicht an ihre Tochter richten. Worin kommen diese m\u00fctterlichen Erwartungen zum Ausdruck? Wie meine<br \/>\n6 Amendt: Wie Mutter Ihre S\u00f6hne sehen, Fischer Verlag 1994<\/p>\n<p>ForschungScheidungsv\u00e4ter,7 Wie M\u00fctter ihre S\u00f6hne sehen8 und Vatersehnsucht9 wie familientherapeutische Fallstudien aus den 90er Jahren10 zeigen, l\u00e4sst sich eine nicht unwesentliche Facette solcher Mutter-Sohn-Beziehungen folgenderma\u00dfen skizzieren: Sie m\u00f6chten, dass ihr Sohn unter ihrer Sorge und Liebe zu jener M\u00e4nnlichkeit heranw\u00e4chst, die ihren W\u00fcnschen und unerf\u00fcllt gebliebenen Fantasien von guter begehrenswerter M\u00e4nnlichkeit so nahe wie m\u00f6glich kommt. Diese W\u00fcnsche werden den idealisierenden Erwartungen \u00e4hneln, die sie auf den Vater ihres Sohnes in der Phase der ersten Verliebtheit gesetzt haben. Wenn diese Erwartungen jedoch weder vom Ehemann &#8211; noch von anderen M\u00e4nnern im Laufe ihres Lebens &#8211; erf\u00fcllt wurden, so versuchen viele M\u00fctter, ihren Sohn so zu erziehen, dass zumindest er dem nahekommt, was ihren Vorstellungen von einem guten Mann entspricht. Das ist \u2013 verk\u00fcrzt dargestellt &#8211; die brisante Grundlage vieler Mutter-Sohn- Beziehungen. Wesentliche Voraussetzung ist allerdings, dass sie zum Trost \u00fcber Entt\u00e4uschungen den Sohn als \u201eTr\u00f6ster\u201c w\u00e4hlen und die Auseinandersetzung mit dem Vater des Sohnes vermeiden. Damit wird sp\u00e4ter vieles im Verhalten des Mannes verstehbar. Eben nicht nur das Schweigen zur allt\u00e4glichen Abwertung, die auf Schamgef\u00fchle und Selbstzweifel und in schweren F\u00e4llen von Gewaltt\u00e4tigkeit auf fr\u00fchkindliche Erlebnisse hinweisen. Wenn wir Gewalt von M\u00e4nnern verstehen und nicht nur verurteilen wollen, dann m\u00fcssen wir uns \u00fcberlegen, welche Erfahrungen solche M\u00e4nner in ihrer Kindheit gemacht haben k\u00f6nnten. Vernachl\u00e4ssigt werden soll an dieser Stelle, dass viele M\u00e4nner mit schweren Gewaltdurchbr\u00fcchen in Folge von Kriegserlebnissen, Verletzungen bis hin zu Traumatisierungen, lebenslanger Verkr\u00fcppelung<br \/>\n7Siehe Amendt: \u201cI didn\u2019t divorce my kids!\u201d How Fathers Deal with Family Break-Ups, Campus Verlag, Frankfurt 2008<br \/>\n8 Amendt: a.a.O., 1994<br \/>\n9 Amendt: Vatersehnsucht, Universit\u00e4tsdruck Bremen 1999<br \/>\n10 Horst Eberhard Richter: Die Gruppe (1972) 1995<\/p>\n<p>oder Hirnsch\u00e4den extreme Gewaltdurchbr\u00fcche durchlaufen.11 Das zeigt die Forschung der USA unter m\u00e4nnlichen wie weiblichen Soldaten im Irakkrieg etc.<br \/>\nMutterh\u00f6rigkeit \u2013 ein Leben lang<br \/>\nDiejenigen Jungen, die w\u00e4hrend ihrer Kindheit \u201everl\u00e4ssliche Tr\u00f6ster\u201c der Mutter waren, deren W\u00fcnsche \u00e4u\u00dferst einf\u00fchlsam erahnten und sie zu erf\u00fcllen versuchten, werden es als erwachsene M\u00e4nner schwer haben, ihre Liebesbeziehungen spontan zu gestalten, denn die Mutter wirkt wie ein eingebauter Kompass, der ihnen die Orientierung vorgibt, was Frauen von einem \u201eguten Mann\u201c erwarten. Nicht wenige M\u00e4nner stecken zum Guten wie zum Schlechten zeitlebens in der Zwangsjacke der Mutterh\u00f6rigkeit. Sie sind Mutters\u00f6hne, die innerlich an die Mutter gebunden sind. Das macht es schwer, eigene W\u00fcnsche als Mann zu verfolgen und vor allem auch die individuellen W\u00fcnsche von Ehefrau oder Partnerin sowohl zu erkennen als auch anzuerkennen. Denn der Sohn will dem Bild von einem guten Mann entsprechen und obendrein ein besserer Mann als sein Vater werden. Das legt dem Sohn Fesseln an. Seine Spontaneit\u00e4t wird leiden. Und solange die S\u00f6hne klein sind, werden sie sich dagegen nicht wehren k\u00f6nnen. Vielmehr sind sie gl\u00fccklich, wenn sie in die zu gro\u00dfen Schuhe steigen k\u00f6nnen, in die aber nur die F\u00fc\u00dfe des Vaters passen. Sie sp\u00fcren, dass sie ihre M\u00fctter gl\u00fccklich machen k\u00f6nnen. Aber, und das ist ihr Gl\u00fcck, nur bis zu einem gewissen Grad. Das ist f\u00fcr sie frustrierend und eine Quelle von \u00c4rger und Aggressivit\u00e4t gegen die Mutter, die sie im Kindesalter nicht zulassen k\u00f6nnen. Was sie nicht zeigen d\u00fcrfen, verwandelt sich Schritt f\u00fcr Schritt in ihnen zu dem zwanghaften<br \/>\n11 Susanne W. Gibbons, Edward J. Hickling, Scott D. Barnett, Pamela L. Herbig-Wall, and Dorraine D. Watts: Gender Differences in Response to Deployment Among Health Care Providers in Afghanistan and Iraq. Journal of Women`s Health 2012, May 21 (5)<\/p>\n<p>Pflichtgef\u00fchl, das zu erf\u00fcllen zu einem Charakterzug ihrer Pers\u00f6nlichkeit wird. Aber je \u00e4lter die S\u00f6hne werden, umso mehr ahnen sie, dass damit auch ihre kindliche Unbefangenheit verloren gegangen ist. In den Stolz, so gut wie der Vater zu sein, mischen sich Gef\u00fchle des Unwirschen und des \u00c4rgers. Und wenn sie \u00e4lter werden und Beziehungen eingehen, sind sie unbewusst von der falschen Gewissheit getragen, dass ihnen niemand und schon gar nicht Frauen sagen sollen, wie man Frauen \u201egut behandelt\u201c. Das ist das Tragische, weil damit die Kindheitserfahrungen mit der Mutter mehr oder weniger blind den unterdr\u00fcckten Zorn der Kindheit wieder beleben. Dies bildet die zwanghafte Grundlage des besserwisserischen Kontrollverhaltens der S\u00f6hne. Und so trifft es die T\u00f6chter der nachfolgenden Generation.<br \/>\nDiese Konstellation kann M\u00e4nner mit einer Geschichte der kindlichen Unterwerfung unter die Wunschwelt der Mutter trotzdem zum verstehenden Liebhaber machen, der allerdings einen Nachteil hat. Seine Vorstellungen, von dem, was eine Frau braucht und \u201ezu wollen hat\u201c, ist seinen Erfahrungen mit der Mutter nachgebildet und in extremen F\u00e4llen deren Abziehbild. Je gr\u00f6\u00dfer die Anlehnung an das Mutterbild, umso wahrscheinlicher ist es, dass er zum \u201ewohlmeinenden Kontrolleur\u201c in der Beziehung wird. Die Partnerin macht dann die Erfahrung, dass ihre eigenen W\u00fcnsche unbeachtet bleiben. Das ist ein hochgradiges Risiko in partnerschaftlichen Konflikten. Es erh\u00f6ht f\u00fcr Frauen wie f\u00fcr M\u00e4nner die Wahrscheinlichkeit, dass Auseinandersetzungen eine handgreifliche Wende nehmen. Die Unf\u00e4higkeit zur Empathie, die dieser Tage M\u00e4nnern so gerne nachgesagt wird, f\u00fcr die es allerdings keine wissenschaftlichen Beweise gibt, ist in den F\u00e4llen, in denen der Vorwurf zutrifft, nicht ohne die<\/p>\n<p>Problematik einer kontrollierenden Mutter und eines unt\u00e4tigen Vaters zu verstehen.12<br \/>\nJenseits von T\u00e4ter- und Opferkult: Gemeinsamkeit als St\u00e4rke<br \/>\nDer Versuch der Bundesinnenministerin 2023 t\u00f6dlich endende Beziehungen als Femizid an Frauen auszurufen, ist der H\u00f6hepunkt einer Politik, die M\u00e4nner und Frauen polarisieren will. Versucht wird, das Zusammenleben von M\u00e4nnern und Frauen in eine Kulisse permanenter Bedrohung mit Angstzust\u00e4nden von Frauen anl\u00e4sslich steter Gewaltbereitschaft von M\u00e4nnern zu verwandeln.<br \/>\nW\u00fcrde Volker Pilgrims Schrift \u00fcber Mutters\u00f6hne in der heutigen politischen Atmosph\u00e4re erstmals ver\u00f6ffentlicht, so w\u00fcrde das mit Gewissheit misslingen. Sein Sakrileg war n\u00e4mlich nicht nur, dass er M\u00e4nner als Gesch\u00f6pfe einer muttergemachten \u00dcbergriffigkeit pr\u00e4sentierte. Was zur Unterdr\u00fcckung von Pilgrims These heute f\u00fchren w\u00fcrde, ist seine Aussage, dass Frauen nicht nur \u00fcber Macht in der Partnerschaft und \u00fcber die Kinder, sondern dadurch ebenso in der Gesellschaft verf\u00fcgen und dass sie ihr Leben nicht als eine M\u00fchsal erleben, sondern, wie neueste Forschung zeigt, damit zufrieden sind. Wenn sie \u201eStalin, Hitler und Napoleon und Richard Wagner\u201c zu dem machen k\u00f6nnen, was sie waren, so Pilgrims These, dann seien sie ohne weiteres in der Lage, ebenso den allt\u00e4glichen Mann zu modellieren. Und das ist zutreffend. Pilgrims K\u00fchnheit war in den 80iger Jahren noch m\u00f6glich &#8211; nicht zuletzt deshalb, weil Frauen noch mutig waren, seine Thesen sich anzuh\u00f6ren und \u00fcber das Mutter-Sohn-Verh\u00e4ltnis nachzudenken. Sie setzten sich ungewohnten Aspekten des weiblichen Machtgebarens aus, das ihnen Handlungsmacht<br \/>\n12 Nicola Graham-Kevan: Die Rolle von Macht und Kontrolle in aggressiven Beziehungen. In: John Hamel, Tonia Nicholls (Hrsg.): Famili\u00e4re Gewalt im Fokus. Fakten-Behandlungsmodelle-Pr\u00e4vention, Ikaru Verlag 2013, 129ff.<\/p>\n<p>best\u00e4tigte,13 eben die F\u00e4higkeit S\u00f6hne (und T\u00f6chter) zu kontrollieren, und ihnen die Augen f\u00fcr prek\u00e4re Auswirkungen auf S\u00f6hne wie Gesellschaft \u00f6ffnete. Sich als \u201eallseitige Opfer mit stetem Betreuungsbedarf\u201c zu sehen, war ihnen fremd. Diese Offenheit fehlt zeitgen\u00f6ssischen Genderaktivisten weitgehend. Sie rufen nach dem Staat, der f\u00fcr sie Probleme l\u00f6sen, T\u00e4ter identifizieren und Sprachregelungen der Diskriminierung wie \u201eFemizid\u201c14 schafft, damit Genderaktivisten Frauen in das ungeschriebene Recht einf\u00fchren k\u00f6nnen, Opferstatus, Mitleid und Ver\u00e4chtlichmachung der M\u00e4nner zu beanspruchen. Folglich werden Forschungsergebnisse unterdr\u00fcckt &#8211; vor allem durch das Bundesfamilienministerium15 -, die geeignet sind, die verzerrte Sicht durch Fakten zu ersetzen.<br \/>\nAber die Fantasie einer in Opfer und T\u00e4ter gespaltenen Welt inszenieren nicht nur Feministen und Genderideologen. Es ist ein Projekt, das mittlerweile die ganze Gesellschaft durchzieht. Das Motto ist, den \u201eOpfern helfen\u201c, aber nicht den \u201eT\u00e4tern\u201c. Anstatt den Dialog zu unterst\u00fctzen, mit dem Beziehungs- oder Ehepartner ihre Konflikte zu l\u00f6sen versuchen, treten immer mehr Angebote von halbstaatlich gef\u00f6rderten Organisationen, die zumeist au\u00dferhalb professioneller Standards sich bewegen und nur an Frauen sich wenden. Sowohl das Opfer-T\u00e4terdenken oder, was noch folgenreicher ist, die Wahrnehmung der Geschlechterbeziehungen als eine unvers\u00f6hnliche Freund-Feind-Polarit\u00e4t schafft eine Perspektive, in der die Schlichtung von Konflikten und Vers\u00f6hnung tendenziell nicht mehr als erstrebenswert gelten.<br \/>\nSo bleibt die gesellschaftspolitisch entscheidende Frage weiterhin im Dunkeln, wie Handgreiflichkeiten zwischen Beziehungspartnern<br \/>\n14 Faeser, a.a.O.<br \/>\n15 Siehe: Robert Koch Institut hat die Gewaltforschung eingestellt, da das Familienministerium (BMFSFJ), von dem es finanziert wird, gegen dessen Forschungsergebnisse Einw\u00e4nde hatte. Das Bundesfamilienministerium hat eine lange Geschichte der Forschungsbehinderung. Vgl.: Petra Studie: Gemeinsam getrennt erziehen, 2021,<br \/>\n13 Siehe Rose Medeiros und Murray Straus: Risikofaktoren k\u00f6rperlicher Gewalt in Kurzzeitbeziehungen. Implikationen f\u00fcr geschlechtsspezifische Pr\u00e4vention und Therapie von gewaltt\u00e4tigen Familien. In: Hamel, Nicholls, a.a.O. S.99ff<\/p>\n<p>entstehen. Sowohl in den \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien, p\u00e4dagogischen Gro\u00dfinstitutionen, der evangelischen Kirche und linken Parteien scheint das Bild von der verfeindeten Polarit\u00e4t sich durchgesetzt zu haben. Dabei wird \u00fcbersehen, dass all die Frauen und M\u00e4nner, die wissen m\u00f6chten, was sie h\u00e4tten \u201eanders machen\u201c k\u00f6nnen, damit Gewalt h\u00e4tte vermieden werden k\u00f6nnen, im Regen stehen bleiben. Denn professionelle Hilfe wird ihnen vorenthalten. Zumeist wird ihnen nur Schuldverschiebung auf den m\u00e4nnlichen Partner angeboten. Und das hohe Lied der \u201efriedfertigen Frau\u201c als Trost angeboten. Andererseits wissen Frauen \u00fcber ihre eigene Gewaltt\u00e4tigkeit Bescheid. Die Forschung belegt es obendrein mit Fakten seit Jahrzehnten. Das trifft auch auf F\u00e4lle mit schwerem bis t\u00f6dlichem Verlauf zu. Ohne Hilfe von Psychotherapeuten k\u00f6nnen sie sich nicht aus ihrer zerst\u00f6rerischen Psychopathologie befreien. Das Etikett des schuldigen T\u00e4ters und unschuldigen Opfers bringt beide nicht weiter. Es besch\u00e4digt Frauen wie M\u00e4nner gleicherma\u00dfen.<br \/>\nSolange Politikerinnen versuchen, \u201eM\u00e4nnern Femizid in genozidaler Absicht\u201c zu unterstellen, eben systematisches T\u00f6ten von Frauen nach vorgefassten Pl\u00e4nen, solange ist Gewaltepisoden nicht beizukommen und \u2013die Weitergabe von Gewalt an Kinder der n\u00e4chsten Generation nicht zu verhindern.<br \/>\nErmutigend allein ist die gegenl\u00e4ufige Tendenz, wonach der gr\u00f6\u00dfte Teil der Bev\u00f6lkerung das paranoide Modell \u201ealleiniger m\u00e4nnlicher Gewaltt\u00e4tigkeit\u201c nicht teilt, wie viele andere Vorurteile \u00fcber M\u00e4nner, die von den Medien zur allt\u00e4glichen Erregung der Bev\u00f6lkerung und der Steigerung von Verkaufszahlen verbreitet werden.<br \/>\nDas heraufd\u00e4mmernde Nachdenken \u00fcber die Beziehung von M\u00fcttern zu ihren S\u00f6hnen ist nicht nur vielversprechend, sondern folgenreich, weil damit der erste von vielen Schritten getan wird, um den T\u00e4ter-Opfer-Kult zu \u00fcberwinden. Die Tradition des vers\u00f6hnenden Gespr\u00e4chs gewinnt damit<\/p>\n<p>wieder eine Zukunft. So m\u00fcssen auch V\u00e4ter als passiv Beteiligte bedenken, dass sie es M\u00fcttern durchgehen lassen, wenn sie in ein \u201eheimliches Separee\u201c mit den S\u00f6hnen abdriften. Eben dadurch, dass sie sich partnerschaftlichen Konflikten und W\u00fcnschen entziehen. Dieses konfliktscheue Gew\u00e4hrenlassen beg\u00fcnstigt das Abdriften des Sohnes \u2013 schlimmstenfalls &#8211; in die willf\u00e4hrige Botm\u00e4\u00dfigkeit zur Mutter.<br \/>\nWer diesen aufkl\u00e4rerischen Diskurs verweigert und Frauen nur als hilflose Opfer portraitiert und sich in Mitleid mit ihnen ergeht, ist in Wirklichkeit ihr gr\u00f6\u00dfter Feind, denn er traut Frauen nichts zu und wird nicht m\u00fcde, ihnen Handlungs- und Geschichtsf\u00e4higkeit abzusprechen. Das ist das zentrale Problem von Feministen und Genderideologen, deren pers\u00f6nliche Opferverliebtheit darin zum Ausdruck kommt.<br \/>\nNicht ohne Genuss hielt Volker Pilgrim Frauen vor, dass sie mit ihrem Wunsch nach Rache an \u201eunzufriedenstellenden M\u00e4nnern\u201c die Monster eigenh\u00e4ndig hervorbringen, die sie drangsalieren und die auch den T\u00f6chtern das Leben schwer machen.<br \/>\nSo holzschnittartig Pilgrims These auch ist, so hat er doch M\u00e4nnern wie Frauen vor Augen gef\u00fchrt, dass beide Macht aus\u00fcben und dass auch gute Machtaus\u00fcbung, m\u00f6glich ist: auch bei der gemeinsamen Erziehung von Kindern.<br \/>\nF\u00fcr die Debatte \u00fcber Gewalt, Scham und Stolz muss die Gesellschaft wieder auf die Gewissheit zur\u00fcckgreifen, dass M\u00e4nner und Frauen nicht nur die Schmiede ihres eigenen Gl\u00fccks, sondern ebenso ihres eigenen Ungl\u00fccks sind. F\u00fcrs Gl\u00fcck zweifelt das niemand an, f\u00fcrs Ungl\u00fcck schon eher. Diese traditionsreiche Gewissheit kann den Beginn einer Zeitenwende im Dialog \u00fcber Geschlechterbeziehungen einleiten. Das Horrorszenario vom Femizid ist lediglich die neue Waffe, die diese Wende verhindern soll.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\nDr. Gerhard Amendt<br \/>\nUniv. Prof. em. f\u00fcr Geschlechter und Generationenforschung an der Universit\u00e4t Bremen und ehemaliger Direktor des gleichnamigen Instituts. Autor zahlreicher B\u00fccher und Aufs\u00e4tze wie Das Leben unerw\u00fcnschter Kinder, Herausgeber der deutschen Ausgabe des Handbuchs Famili\u00e4re Gewalt im Fokus, Von H\u00f6llenhunden und Himmelswesen, Die Macht der Frauen\u00e4rzte, Scheidungsv\u00e4ter etc. Filmemacher und Publizist sowie ehemaliger Leiter der Pro Familia Bremen f\u00fcr Familienplanung und Schwangerschaftsabbruch und Berater internationaler Organisationen in Fragen der Familienplanung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerhard Amendt: \u201eWie M\u00fctter sich ihre S\u00f6hne w\u00fcnschen\u201c 4.12.2023 Man kommt als Mann zur Welt, aber man wird auch dazu gemacht. Besonders von der Mutter. 1994 ver\u00f6ffentlichte das amerikanische Magazin TIME eine viel beachtete Geschichte. Rechts auf dem Titelblatt war zu lesen: ARE MEN REALLY THAT BAD? 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