Typisch deutsche Sehnsucht: Italien

MGTOW. Mit Landy und Vespa durch Sizilien und Süd Italien

Männertraum: ein Land Rover mit Motorradträger und eine Vespa. Vier Wochen Zeit für Sizilien und Italien.

Anderthalb Jahre Vorbereitung, bis die Markise am Dachträger hängt, bis die Schrankwand gekauft und eingebaut war, einen Metallbauer für die Konstruktion und Einbau des Motorradträgers

gefunden war, und bis Kupplung und Bremsen soweit kaputt gegangen und repariert waren, dass ich mich damit auch eine längere Strecke zu fahren traute.

Im Vorjahr hatte ich einige Wild Camping Experimente rund um den Starnberger See gestartet. Wichtigste Erfahrung: die BordKüche war irrelevant. Im Sommer isst man draußen kalt, Rotwein, Antipasti, Wurst und Käse und ein gutes Brot reichen im Sonnenuntergang immer aus. Die Pussy in mir, der Cappuccino Junkie, dem reicht zum Frühstück auch der kleine Gaskocher für den Zansibar

Sizilien Reisetagebuch

28.4., Freitag morgen

Ich will das Auto holen und finde den NATO Knochen nicht. Am Abend vorher noch hatte ich ihn abgezogen, um ganz sicher zu sein, dass ich am nächsten Morgen starten kann. Und an diesem Morgen finde ich ihn nirgends.

Telefon Rallye bei Schlüsseldienst und Elektriker – bis mir einer anbietet, aus seinem Werkzeugkoffer seinen NATO Knochen zu spendieren. 6 Minuten von mir entfernt finde ich ihn an der Straße, aber was er hat, ist nicht der richtige. Er nimmt seine Akku Flex und dengelt ihn mir zurecht. Und die Überraschung: er passt!

Dann vors Haus gefahren, und gefühlt 20 mal rauf und runtergerannt, bis alles im Auto verstaut ist.

Abschied mit Umarmung von Frau L, sie übernimmt den Schlüssel.

Ich muss ihr versprechen, Postkarte zu schicken. Das schaffen wir.

Fast pünktlich, 12:10 Uhr geht es los. Am Abend vorher noch ausreichend getankt, um in Österreich anzukommen, in Holzkirchen muss ich rechts ran fahren, weil die Lichtmaschine schon wieder nicht lädt!

Inzwischen mit Routine, in 20 Minuten drei Schrauben gelöst, Lichtmaschine stramm gezogen, Schrauben fixiert und der LadeStrom stimmt.

2 Stunden später komme ich in Österreich an, Gondel langsam durch Salzburg. Vor dem Hotel Stein kein Parkplatz in Reichweite, Sichtweite. Also weiter nach St. Gilgen, die Berge hoch muss Braveheart schon ordentlich schnaufen. Monika kommt mir in St. Gilgen entgegen, als ich ihr Haus suche.

Zur Feier des Tages/ Wiedersehens  glühen wir seniorengemäß vor mit Marillen Schnaps.

Und dann, mit ihrer Freundin A. geht es ins Hotel zur Post und es gibt ein Luxus Abendessen. Wunderbaren Zwiebelrostbraten und Gespräche – was ist Liebe? Unterschiedlicher könnten die Definitionen von uns dreien nicht sein.

Reichlich angetschechert trollen wir uns in den Brunnleiten Weg, trinke noch einen Absacker und ich darf dann unten im Keller herrlich schlafen.

Samstag früh

Rundgang durchs Dorf auf der Suche nach dem einzigen Bäcker, fünf Semmeln, eine Milch und ein Käse für 16,40 €. Stolzer Preis aber das Frühstück war es wert – mit süßem Orangensaft, wunderbaren Ei und guter Laune. Die Sonne scheint, der Blick aufs Zwölfer Horn im blauen Himmel – Herz, was willst du mehr?

Dann setze ich raus, ab nach Sankt Wolfgang.

A. ist noch radeln, aber sein Herzblatt U. ist da und wir plaudern herzlich. Das Haus ist einfach ein Traum, er hat das Tor frisch gestrichen und dessen kroatische Ironie- Krone gold lackiert.

Wir fahren gemeinsam mit U und Hund auf die Postalm, machen einen kurzen Spaziergang durch den Schnee. Leider sind alle Hütten geschlossen, wir kehren um und im Kirchenwirt in Strobel ein. Tiroler Gröstl, Sonne, richtig warm und viele Österreicher wie von Manfred Deix gemalt.

Aj macht Powernapping, ich versandele meine Sonnenbrille und lade die Vespa ab. Neuer Rekord: 5 Minuten.

Danach zwei rad Tour ins Hotel Billoth – er auf der Harley, ich auf der Vespa. Das kannte er noch gar nicht! Für jemanden, der 13 Jahre am See wohnt, erstaunlich.

Ich verlade die Vespa zu Hause neu, Abendessen mit Ursel, dem Hund und Andrej und endlich um elf ins Bett.

Sonntag

Es geht los nach Italien. 12 Stunden sagt das Navi.

Nach einem wunderbaren Frühstück bei Andrej und ging es endlich los. 9:00 Uhr ab Wolfgangsee.

2 Stunden, vorbei am Dachstein und durch wunderbare Salzburger und irgendwo österreichische Bergstraßen irgendwann auf die Autobahn nach Villach.

Als ich das Ticket für die Vignette löste, spricht mich ein Jäger an. Er selbst restauriert gerade einen neunziger Jahre Landy. Und war total happy. Endlich ein älteres Modell, das auch fährt!

In Italien wird es furchtbar langweilig. Die Strecke ab Treviso ist nur öde. Autobahn in Italien ist langweilig.

Dreimal mache ich kurze Pause, besorge mir an den letzten Autogrill 1 l Milch, eine fertigverpackte Portion Antipasti mit Schinken, Käse, und einen Salami und einen Rotwein. Vorrat, für den Abend. Und das hat sich dann irgendwann gelohnt:

Hinter Bologna sehe ich endlich Berge, die Toskana kommt näher. Ich bin 10 Stunden gefahren, fahre von der Autobahn herunter, um mir einen Platz für die Nacht zu suchen. Das wird echt spannend.

Ich will die Hügel hinauf, ein Platz, an dem ich Sonnenaufgang – und Untergang sehen kann.

Irgendwie klappt es auch. Ich fahre an einem Kastell vorbei, Backstein aber unglaublich edel. Wenn ich nichts besseres finde bleibe ich dort.

 

Die Agritourismo Location ist geschlossen- aber 20o m dahinter…!

Da entdecke ich eine Stichstraße– nein einen Stichweg links hinauf den Berg. Es hat zwei Spuren, also müsste ich es dort auch hinauf schaffen. Ich nehme nicht genug Anlauf, irgendwann dreht der Landy durch. Und rutscht rückwärts, während ich vorwärts fahre. Kleine Panik, im Graben. Größere Panik. Ich Rutsche links in einem kleinen Graben, rückwärts die Vespa in die Büsche.

Auf der anderen Seite ist der Abgrund. Ich kann beim besten Willen nicht stärker einschlagen!

Mit ein bisschen Mut setze ich noch weiter zurück und schaffe ihn aus dem kleinen Graben heraus, wieder auf den Weg. Und dann mit voller Kraft, Differenzialsperre rein, untersetzung rein, durchdrehenden Rädern  schaffe ich den Berg hoch an eine wunderbare Wasser Pumpstation. DAS HATTE ICH GESUCHT!

Das ist seit dem Tod von Henrik, einer der glücklichsten Momente meines Lebens.

Und die Sonnenbrille habe ich auch wieder gefunden, in einer Kiste. Ist mir wohl vom T-Shirt gefallen, als ich eingeladen habe.

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Am nächsten Morgen recht früh, gegen 7:00 Uhr aufgebrochen Richtung Livorno. Es sind zwar nur 2 Stunden netto Fahrzeit aber ich wollte mir auf dem Weg dorthin Luca anschauen. Und Luca ist wirklich ein Träumchen. Nachdem ich erst in der Umgebung des Stadt ganz sinnlos einen Parkplatz gesucht habe, bin ich dreist in die Innenstadt hinein, habe den Wagen am Straßenrand geparkt. Spoiler: kein Ticket in 3 Stunden. In diesen 3 Stunden die Kirche Sankt Michael im Feuer besichtigt. Ein Traum: Renaissance und romanische Bögen eine spartanische Strenge darin, unglaublich, ich war sehr ergriffen. Danach Cappuccino auf der Terrasse im Café gegenüber. Alles so wie es sein soll – inklusive nervenden amerikanischen Frauen am Nachbartisch. Auf dem Rückweg zum Auto noch in einem kleinen Lebensmittelladen das Abendessen für die Fähre gekauft. 22 € für eine Birne, TrüffelKäse, Fladenbrot, eine Hähnchensalat, (+++)  Salami und Flasche Wein.

Zu früh aber nicht viel zu früh zur Fähre aufgebrochen nach Livorno. Der Hafen ist einfach öde, wie sich das gehört. Irgendwann stand der Wagen unter Deck und in der Wartezeit große Überraschung: an der Fahrertür habe ich den Bolzen geschliffen – an der Beifahrertür schließt die Tür jetzt vollständig. Inklusive Verriegelung.

Das notwendige Gepäck zusammen gepackt und die Vorräte, insbesondere die Hängematte ist Gold wert. Am Heck habe ich sie aufgespannt, und dann in der Hängematte zu Abend gegessen.

Leider habe ich Schlafsack und ISO Matte nicht mitgenommen, denn die Nacht in den Club Sesseln, ausgebreitet auf drei, war nicht sehr gemütlich. Aber ich habe durchgeschlafen! Gegen 7:00 Uhr aufgewacht, gewaschen, soweit das in der öffentlichen Toilette möglich war, und dann zum Frühstück einen Cappuccino und ein Blätterteig Vanilleteilchen.

Dann die Hängematte am Heck wieder aufgespannt und den Rest des Vormittags dort verbracht. Merle, kleine etwa Sechsjährige Leipzigerin mit Problem Pony und rot gefärbten Haaren, war Fan von meiner Hängematte.

Sie und ihre Mutter wollen fest nach Sizilien ziehen, haben alles dabei. Deren Freundin plaudert auch mit mir, insgesamt lerne ich unglaublich viele nette Menschen unterwegs kennen. Am Abend plauderte ich noch mit Wolfgang (aus Düsseldorf) und Meinrad (aus dem Allgäu), Motorradfahrer. Vielleicht sehen wir uns noch unterwegs.

Hier an Deck pissen die Hunde, kleine hässliche Bastarde, und rauchende Besitzer quatschen. Ich mag sie einfach alle nicht. Und bin froh, wenn ich wieder in meinem Auto sitze.

Es ist eine merkwürdige Spannung zwischen den Menschen, mit denen ich spreche und denen, mit denen ich wirklich nichts zu tun haben möchte.

Aber insgesamt habe ich wohl verdammt viel Glück.

Heilige Sankt Anton scheint mich ein bisschen zu beschützen:

Tipp v Heidis Mama:

zum Heiliger Antonius beten🙏🏼☺️

*

……_Wieder finden verlorener Dinge; *

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„Antonius ist einer der beliebtesten Volksheiligen geworden. Im Jahre 1946 wurde er zum Kirchenlehrer erhoben. Patron der Armen (Antonius-Brot), Liebenden, Ehe, Bäcker, Bergleute, Reisenden; für glückliche Entbindung, Wieder finden verlorener Dinge.“

Der Tag auf der Fähre ist furchtbar öde. Man sieht ein europäisches Spektrum an Männern, Frauen und Kindern, das erschreckt.

Fast alle Kinder sind mit dem Handy beschäftigt, bei den Paaren oft mindestens einer, wenn nicht beide. Auch die Hunde an Bord, meistens kleine Tölen, nur ein golden Retriever.

Dann stehen sie mit ihren Hunden an der Leine, wissen eigentlich nicht, was sie mit ihnen anfangen sollen, er pisst aufs Helikopterdeck und damit hat es sich für den Tag.

Als ich endlich in Palermo ankommen will, ist die Batterie runter. Ich Depp hatte vergessen den Akku abzuschalten.

Als fast alle raus sind, schiebe ich mit äußerster Kraft den Landy an die Rampe, die ist etwa 20 m lang und auf dem Weg runter springt er prompt an. Beim ausfahren aus dem Hafen sehe ich einen Typ an einem Serie Landy ein schrauben. Sahara beige, perfekter Zustand. Freundliche Grüße. Dann geht es endlich Richtung Hotel. Es ist eine schöne Kombination, das moderne Navi in dem alten Landy zu haben, die Ausschilderung ist so mangelhaft, dass ich dort nie ankommen würde. In Carini parke ich zuerst vor der falschen Haustür, weil ich ein Upgrade bekommen habe muss ich noch mal umparken. Und das hat sich richtig gelohnt:  Ein wunderschönes Apartment, sehr modern eingerichtet, ich  lasse mich häuslich nieder. Zum Abendessen lade ich die Vespa ab und fahre in eine wunderbare Pizzeria. Ein Restaurant eigentlich, alte Wände, hohe Decken, nur eine Bedienung und ein Koch. Mit mir trifft wohl die Eigentümer Familie ein, die von der Pächterin einen Rapport bekommt. Das Lachstatar ist eine Wucht, und die Pizza -Nicht mit Mozzarella, machen Sie hier mit der Blume der Milch. Ein träumchen danach noch einen Averna und dann ins Bett. Fehler: die italienische Bettwäsche ist zu kühl, zu leicht.

Mittwoch – Endlich Palermo

Am nächsten Morgen Kaffee und Musik aus der Bose Box. Perfekt, eigentlich. Mit dem Eigentümer verhandle ich dann noch eine Verlängerung, das Upgrade bekomme ich für 60 €. Dann endlich auf die Vespa und ab nach Palermo.

Der Weg zieht sich. Weil ich in Maps Google die Option gewählt habe ohne Maut, fahre ich Nebenstraßen, winzige Gassen und durch Gegenden, durch die sonst kein Mensch fährt. Das traurige: nicht nur Bauruinen, sondern auch jede Menge Müll. Unendlich viel Müll. Alter Müll, Plastikmüll ich komme aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus.

Die VorOrte voller Wohnblocks, 10, 20 Etagen hoch einer neben wandern. Wo arbeiten Sie alle? Viele Betriebe, kleinen Betriebe am Rand sind geschlossen. Die Verwahrlosung auch nach 30 Jahren EU Mitgliedschaft ist deprimierend. Im Zentrum ist dann alles anders. Ich parke direkt neben dem Königspalast, hinter dem Parkplatz für die Polizei. Dort ist jetzt das sizilianische Parlament. Eine Riesenschlange für den Eintritt, die verkneife ich mir, ich will direkt zu Fuß zum Grab des Staufferkönigs.

Seine Geschichte ist wirklich beeindruckend. Als ich in den Achtzigern seine Biografie las, damals von Horst Stern, Mann aus Apulien, habe ich irgendwie nicht überrissen, in wie viele Konflikte und Exkommunikation er verwickelt war.

Auch das Grab von Roger dem zweiten ist direkt daneben. Es ist mäßig voll, die übrigen Touristen stören kaum.

Zwischendurch immer wieder einen Cappuccino, ich entdecke das Bucso Bistro, direkt an der Kreuzung. Unglaublich schöne hohe Decken, und dann eine Kirche nach der anderen. Die Josephskirche, fast noch schöner als die Kathedrale, in einer anderen Kirche bekomme ich das Ende einer Messe mit. Gegen Mittag bin ich dann im Teatro Massimo, gönne mir die Führung. Im Hafen ist es dann richtig voll, einen letzten Tisch bekomme ich und einen Aperitif.

Ich bin ganz besoffen von dieser Stadt. Gegen 6 ein kleines Abendessen mit Meerblick am Hafen, frittierte CalaMares Ringe, Sardinen, Zitrone und ein bisschen Brot, dazu einen Weißwein- das alles für 25 €. Geht

Irgendwann fahre ich raus, ich muss früh ins Bett.

Donnerstag

Zusammenpacken für die Fahrt nach Mondello und Monreale. Es macht mich kirre, was das für eine Anstrengung bedeutet, meine sieben Sachen zusammen zu halten. Natürlich suche ich irgendwann den Hausschlüssel, den ich sorgfältig abgelegt habe auf der Mittelkonsole – falls die Tür zuschlägt während ich draußen bin. Vespa verladen läuft einwandfrei, dann schaue ich zufällig noch in die Schränke – und da hängen dann noch alle meine Hemden, die ich beinahe vergessen hätte.

Als endlich alles drin ist, deponiere ich den Schlüssel und rolle los. Es ist gar nicht so weit von Carini nach Mondello. Der Ort hat einen Strand, in der Vorsaison sind sogar Parkplätze davor frei. Zum ersten Mal den Fuß ins Wasser gehalten, der Sandstrand sauber, so ganz die Ruhe habe ich noch nicht. Beim Cappuccino ergießt sich ein Schwall flüssiges Nutella auf mein Handy und den Tisch. Das frische T-Shirt ist auch hinüber – das sind Schicksalsschläge!

Ich fahre den Berg hinauf um einen Schlafplatz zu finden. Dort entdecke ich einen ganzen Hang voller Bauruinen. Das muss mal ein richtig dickes Projekt gewesen sein – jetzt ist es eine Ödnis.

Den Platz habe ich gefunden, der Landy steht gerade, die Vespa runter und dann geht es noch mal los. Nach Monreale und das ist wirklich keine schöne Strecke. Nur eine Kirche?! Aber was für eine!

Mir bleibt der Mund offen stehen, und ich buche und besichtige komplett. 13 € Eintritt.

Zwei Kerzen, zwei Gebete, für die Männer und Frauen in meiner Vergangenheit und Zukunft.

Das Buch zum Dom, 20 €, lohnt sich. Ich kann das alles nicht sehen, nicht alles aufnehmen. Ich muss das mit nach Hause nehmen.

Nicht ganz einfach. Ich bin ja wieder südlich von Palermo, und der Wagen steht in Mondello, Nordwestlich davon. Und jetzt ist der Akku runter und ich fahre nach gut Glück und Nase Richtung Strand.

Angeblich gibt es laut Reiseführer am Strand ein Restaurant, der sich lohnt. Als ich um 6:00 Uhr ankomme, lasse ich dort das Handy laden, es öffnet erst um 20:00 Uhr. Fahre zum Landy, hole den Klappstuhl, wieder runter zum Strand und endlich angekommen. Es wird kühl, ich hab sogar die Mütze dabei, die Lederjacke auch, der Sonnenuntergang kann kommen.

8:15 Uhr gibt es Spaghetti Vongole und einen Weißwein, diesmal 35 €.

Das Restaurant hatte den Besitzer gewechselt, war mit der typischen italienischen Kantinenbeleuchtung eiskalt. Am Nachbartisch zwei russische klein Familien. Das Kind am Daddeln. Shooter.

In 3 Minuten bin ich beim Landy, ab satteln, Bett herrichten, braucht alles etwa 20 Minuten. Schlafe ziemlich früh ein, liege aber lange nachts wach.

Freitag – Landy Fahrt nach Corleone

Ich muss erst wieder zurück nach Palermo. Von dort aus raus nach Süden. Es dauert eine Zeit, bis ich endlich auf dieser wunderschönen Landstraße bin, die mich durch das Hinterland von Palermo nach Süden, nach Corleone führt. Tatsächlich ist es nur die Straße, weswegen ich diese Strecke fahre. Corleone ist ziemlich langweilig, ein Cappuccino, dann geht es zurück Richtung Cefalu. Wieder die schöne Strecke, es macht mir nichts aus die gleiche Strecke diesmal von der anderen Seite zu sehen. Probiere rechts in die Felder, in die Hügel zu fahren, komme in eine Sackgasse, dahinter ein Ziegengehege. Hier komme ich nicht weiter, will wenden, und am Hang verbiege ich mir die Rückleuchten.

Das habe ich erst am Abend gemerkt, als ich in Cefalu ankomme. Cefalu besteht eigentlich nur aus einem Strandpromenade und gegenläufig aus einer völlig verstopften Querstraße. Mein Fehler: den Landy in der Stadt abstellen und die Vespa herunter holen zu wollen.

Kommando zurück, wieder aufgeladen, durch Cefalu durch weiter Richtung Messina und hinter dem Ortsausgang finde ich ein Restaurant mit freistehenden, völlig leeren Park und Campingplatz. Ich bezahle zehn Euro für die Nacht, trinke einen Gintonic, lade die Vespa ab und fahre nach Cefalu hinein.

Es hat zwar Sandstrände, aber das kommerzielle Chaos des Sommers ist schon erkennbar. Alle Strände mit Restaurants voll gesäumt, man kommt kaum ans Wasser heran, und ich bin ziemlich froh, in der Vorsaison hier zu sein.

Aber die Bilder sind eine Wucht. Am Abend fahre ich zurück, gönne mir eine Pizza und noch einen Gintonic und lege mich in den Landy schlafen. Die Laterne vor dem Landy muss ich abdunkeln, so bekomme ich nur noch indirektes Licht und das ist schon fast gemütlich.

Samstag Von Cefalu nach Osten

Das Frühstück nehme ich draußen, Landy ein. Kaffee, Käse von gestern und Salami von vorgestern, dazu Brot und Sonne. Herz, was willst du mehr?

Es stört fast nichts – der Platz scheint ganz gut gewählt zu mir zu passen. 20 m weiter steht ein alter Landcruiser mit einem Pärchen, Hans aus dem badischen und Claudia, aus der Steiermark. Der Wagen ist so dermaßen fein ausgebaut- Überall liebevolle Details, absolut zweckmäßig und kein bisschen hässlich. Hans war Elektriker, hat aber auch die nötigen Schrankwände geschweißt. Und mit Holz gearbeitet. Claudia lacht viel, die beiden sind seit vier Jahren 24 /7 in diesem Auto verbunden. Und das scheint zu klappen, sagen Sie. Sogar ein Hund ist dabei.

Ich habe Hans ein bisschen Käse und Birne zum Frühstück angeboten, sie fahren jetzt weiter nach Palermo. Dann fahre ich nach Cefalu, brauche ein neues Ladekabel und genieße einen Cappuccino am Strand. Die absolute Touristen Hölle.

Danach der Dom von Cefalu. Das Städtchen solche Bischofssitz werden – entsprechend prächtig hat Roger II geplant nicht ganz so toll wie Monreale, aber trotzdem..

Fazit: Cefalu ist schön, sehr schön, aber wird überschätzt.

Der Tipp von Club Med ist wirklich interessant: ganz weit östlich von Cefalu ist einer der zehn schönsten Strände Siziliens. Leider Kies. Auch ziemlich grob aber keine Wellen. Ich genieße einen Pastis in der Sonne und freue mich auf die Nacht am Strand.

Durch „ZuFall“ treffe ich Hans und Claudia wieder. Mache sie neugierig auf einen Strand mit Sand. (Das war ein Irrtum.)

Weil wir ihn nicht gleich wieder finden, lotst Hans uns zu einem Strand, den er von einem Bekannten kennt.

Wir sind beide maßen erschüttert und enttäuscht, wie sehr die Sizilianer offensichtlich ihr Land verachten, weil sie die schönsten Flecken zur Müllhalde umdekorieren. Wir stehen recht dicht aneinander und haben einen sehr, sehr intensiven Abend. Das hölzerne  Strandgut ist Knochentrocken und brennt wie Zunder. Es gibt also ein Lagerfeuer und weil die beiden schon gegessen haben, esse ich alleine den restlichen Käse und Salami auf. Rotwein, Amaro, viele Gespräche, lange, bis 11:00 Uhr sitzen wir am Lagerfeuer, holen dreimal Holz nach und plaudern. Claudia und Hans sind extrem offen für spirituelle Geschichten, die meinen Horizont ein wenig überschreiten. Wie auch immer – ich höre gerne und viel zu. Irgendwann, 11:20 Uhr, gehen auch wir ins Bett.

Sonntag, am Müll Strand

Zum Frühstück macht Hans mit diesem unglaublich weit ausgebauten Land Cruiser inklusive zwei Flammenherd und Küche und und und und … Palatschinken, mit Marmelade und dem italienischen Nutella ohne Palmöl. Wir sitzen am Strand, schauen aufs Meer und Claudia erzählt und erzählt und erzählt.

Ich weiß nicht, wie ich die ganze Tour planen soll. Es sind so viele Angebote, und ich weiß nicht, was die attraktivsten sind. Claudia hilft mir weiter mit Schwerpunkten im landesinneren. Ich habe nur begrenzte Zeit, die wird plötzlich knapp?!

Fahre also weiter nach Süd Osten.

Den so genannten Sandstrand finde ich tatsächlich auch noch, zeige ihn den beiden und die sind wirklich überrascht. Sauberkeit – nur leider kein Sand. Ein perfekter Platz.

Dann trennen wir uns, ich fahre weiter nach Castellbuono.

Fast wäre ich dran vorbeigefahren, aber das Restaurant „aRametta“  in der Stichstraße hat es in sich. Fabrizio, der Kellner, hat in Wien gearbeitet und spricht deutsch. Sein Chef kommt raus, er Hat in Füssen gearbeitet, spricht gebrochen deutsch und fährt einen Series 1. Und ist begeistert von meinem alten. Fabrizio sowieso. Hier in Castelbuono gibt es sogar einen offroad Club.

Ich bin zu Hause.

Fantastisches Mittagessen, Pasta mit Ragout. Und jetzt irgendwo ein Mittagsschläfchen.

Den Platz dafür finde ich tatsächlich Am Fuße des Kastells! Nach einer sinnlosen Parkplatz Kurverei stehe ich am Ende eines offiziellen Parkplatzes, auf einer Wiese mit Blick in den Sonnenuntergang. Zum ersten Mal fahre ich die Markise aus, und die Camping liege und den Campingstuhl und denke: das ist ein Platz zum Sterben.

Ich hab Hummeln im Hintern, die Vespa ist längst abgeschnallt und ich schau mir den Ort auf der Vespa an. Fahre durch verwinkelte Gassen, verliere mich völlig, und finde mich auch wieder.

Kastell- Besichtigung muss auch sein. sie beleben die toten Räume mit Kulturveranstaltungen. Scheint zu funktionieren.

Es gibt zwei wunderbare Lokale – das eine für Süßspeisen (eher Nix um diese Uhrzeit) und das andere Spezialitäten mit hiesigen Pilzen und Pasta. Mache ich morgen. Ich bin völlig besoffen von diesem Ort, seinen Kirchen und dem Kastell. Einerseits wunderschön – andererseits möchte man hier nicht tot überm Zaun hängen. Die Leute untereinander sind freundlich – aber zu fremden?

Am Abend gönne ich mir noch zwei Glas Rotwein auf der Piazza vor dem Kastell, dann mache ich mein Bett im Camper und schlafe glückselig ein.

Montag, die zweite Woche hat angefangen.

Ich werde von der Sonne geweckt. Gar nicht so schlecht. Mache mir mal einen Kaffee, oder zwei. Ich setze mich noch mal auf die Vespa und hole eine Pannetone beim Bäcker meines Vertrauens. Dann wird die Vespa noch getankt, und ich verlasse castelbuono

Es ist ein Tipp aus Marco Polo, der Reiseführer ist mehr als sein Geld wert.

Dann verlade ich alles, finde im Gras meine Sonnenbrille und kurz vor der Abfahrt auch den SpannGurt für den Heckträger.

Und dann Landstraßen. Landstraßen, Landstraßen, Kurven, Berge, Bilder und Perspektiven wie ich sie seit Jahren – so komprimiert schon gar nicht – gesehen habe.

Sizilien ist im Mai noch grün, obwohl es kaum geregnet hat – und das ist mein Glück. Das war das, wonach ich mich gesehen habe, was ich gesucht habe. Es ist nicht zu heiß, und Braveheart schnurrt wie eine Nähmaschine.

Die Stationen: Gangi, ENNA. Ich nehme mir noch einen Quarktasche, mit Apfel, wegen dem Vitaminen und einen Cappuccino plus ein Mitbringsel (Panne Tone)

Und dann geht es los. Eine zum verrückt werden schöne Landschaft wartet auf mich.

Auf dem Weg nach Gangi verlasse ich die Straße, und fahre buchstäblich über die Weiden. Zwei Weidegitter muss ich aufmachen, hinter mir ein sehr freundlicher, sportlicher Siciliana, Bauer offensichtlich, dem die Pferde gehören, die mir begegnen. Sein Mitsubishi mit Anhänger fährt mir hinterher, er macht das Tor zu und ich mach mich vom Hof. Buchstäblich.

Gangi ist furchtbar verwinkelt und wird massiv überschätzt.

Aber es hat frisches Wasser fürs waschen, einen Cappuccino und ein Stück kuchen zum Frühstück.

Weiter.

Nicht für jede Kleinstadt hole ich die Vespa von der Rampe, deswegen Kurve ich ganz ordentlich ohne Servolenkung herum. Die Landstraßen sind einigermaßen entspannt, aber in den Städten ist jedes ein Park und Wendemanöver ein Riesenakt. Inzwischen geht es einigermaßen, ich hab mich dran gewöhnt.

Enna

Obwohl extrem hoch gelegen, ist das Hochplateau wenig kurvig. Der Parkplatz zum achteckigen Turm von Friedrich II ist fast leer.

Oben treffe ich Vincenzo, heißt eigentlich Vincent und kommt aus Philadelphia. Seine Großeltern Mailand und Sizilien. Er will die USA verlassen, und Italiener werden. Die Staatsbürgerschaft reicht ihm. Er liebt Caravaggio und macht eine Tour um sich dessen Bilder anzuschauen. Berlin, Potsdam und München stehen auch auf seinem Programm. Vielleicht meldet er sich, wenn er nächstes Jahr in München ist? Die Karte hat er.

Der Turm ist wenig spektakulär, die Aussicht umso mehr..

Es geht an die Abendplanung

Der Typ von Marco Polo, eine Pizzeria am Pergusa See. Nachteil: sie öffnet erst um sieben, wenn ich losfahre und 1 Stunde zum Geheimtipp brauche, komme ich im dunklen an. Keine Ahnung wo und wie ich dann stehen werde.

Und die Pizza wird hart verdient werden:

Es ist ein Gedicht, Broccoli karamellisiert, dazu Mozzarella und unbekannte Gewürze. Ein Weißwein, nach 1 Stunde ist die Sonne weg und es geht los. Aber wie! Erst Autobahn, 10 Minuten dann 5 Minuten Landstraße und dann in die Pampa. Gefühlt 50 Minuten fahre ich nordafrikanische Piste. Die Abbiegung an den geheimen Platz habe ich kurz verpasst, im dunklen gewendet, prompt kommt einer von links und schießt an mir vorbei.

Dann wird es noch ein wenig dramatischer, weil ich keine Ahnung habe, ob ich am Ende der Piste wenden kann. 10 Minuten durch die Pampa. Dann ist die Straße zu Ende und ich bin tatsächlich angekommen. Inklusive Wendeplatz. Stehe auf einem DistelAcker, Klappe den Stuhl auf, genieße einen unglaublich vollen SternenHimmel und brauche zwei Averna um runter zu kommen.

Wache morgens mit Seeblick gegen 6:00 Uhr ziemlich glücklich auf. Wind und kalt draußen, Kaffee im Bett.

Gegen 9:00 Uhr packe ich zusammen und fahre los, Richtung Randazzo. Die Landstraßen sind alle furchtbar vermüllt. Das macht mich fast zornig, will mich damit nicht abfinden, bin nicht der spießige deutsche, empfinde das einfach nur als beschämend für die Sicilianer für die Regierung, für jeden einzelnen, der noch nicht mal in der Lage ist, in der Straße vor seinem Haus Sauberkeit zu halten.

Sonne, Einsamkeit, kleine Straßen mit vielen Kurven, auf und ab, irgendwann fahre ich links ran, nehme meinen Lieblingsstuhl auf die Schulter und steige auf den Gipfel. Das sind vielleicht 20,30 m und dann genieße ich – Ausblick.

Ich bin im rechten Winkel nach Norden sehe ich das Meer, nach Osten den Ätna.

Dann packe ich irgendwann alles wieder zusammen, fahre los.

In Randazzo

Ich parke neben der Kirche Maria Empfängnis, gönne mir einen Cappuccino und ein Croissant zum Frühstück.

Über Booking COM habe ich ein Zimmer gefunden, nach vier Tagen brauche ich mal wieder Dusche und Bett. 55 €, ich dachte schon das klappt nicht, dann kommt aber die Besitzerin. Versteht leider kein Wort deutsch oder englisch, aber es klappt. Endlich mal wieder heiß duschen. Vespa abladen und Entdeckungstour:

Die Kirche hat ein üppiges Decken Fresko, dann gibt es noch die griechische Kirche von Sankt Nikolaus. Da bin ich alleine drin und probiere das mit dem Echo. Oooohm klingt wirklich ganz anders…

Bin alleine, es hat niemand gehört.

Randazzo hat irgendwo noch eine Gasse mit 100 Bögen. Das hat wirklich eine ganz eigene Qualität, jedes Haus ein eigener Torbogen.

In der Marcelleria Sparta Gibt es zwei Salami und einen Pecorino, der angeblich in feigen zubereitet worden ist. Eingeschweißt und eingesackt!

Dann finde ich eine Enoteca, bestelle mir einen Teller mit Salami Schinken und Käse und einem Wein des Hauses, mit Blick auf den Ätna und bin glücklich. Endlich auch mal eine rassige Sizilianerin am Nachbartisch, Foto hinter der Vespa war ein Schnellschuss.

Und dann fährt auch noch meine Vermieterin vorbei und grüßt winkend. Kaum bin ich 2 Stunden in der Stadt, kennen mich die Leute?!

Nach dem dritten Wein, weil ist es nicht weit mit der Vespa ins Zimmer, ich bin auch ziemlich schnell, ziemlich müde eingeschlafen.

Mittwoch

Der Kaffee am Morgen ist eine Katastrophe, eine Schande der italienischen Kaffeekultur.

Plastikbecher keine Tassen, Holzlöffel zum umrühren, und der Kaffee aus den Kapseln. Nie wieder.

Ich lade die Vespa auf, schlage das Angebot auf ein Croissant bei der Vermieterin aus und mache mich auf den Weg nach Ragusa.

Auf dem Weg dahin ein ziemlich neu modisches Kaffee. Super scheußliche Einrichtung – am Nachbartisch zwei erkennbar Deutsche.

Sie setzen sich hin, warten auf den Kellner um die Bestellung zum Frühstück aufzugeben. Auf Deutsch.

Auch nach einer Woche haben sie nicht gelernt, dass man sich in diesen Cafés Gebäck und Kaffee aussucht, an der Kasse bezahlt und entweder selber abholt Oder sich bringen lässt.

Über Umwege, nach Catania und dort an den Strand. Finde ich zufällig auch noch einen, der unbewirtschaftet ist, der Zugang für den Landy frei und ab geht’s! Er sinkt ziemlich tief ein, ich muss die Untersetzung nehmen, dort maximal im zweiten Gang. Aber es macht Spaß, den Strand entlang zu Brettern.

Irgendwann steht er wirklich am Wasser, Klappstuhl auf und einen Averna auf den Konstrukteur meines Motorradträgers.

Sanfter, etwas kühler Wind, und weil ich eine Erkältung in mir trage, erspare ich mir auch das Bad im Meer.

Irgendwann reicht es auch, vom Strand weg werde ich noch gefilmt von einem jungen Pärchen, die das irgendwie ganz originell finden.

Vom Vater beim Karten lesen als Copilot gelernt:

Die gelben Straßen sind die kleinsten zwei – und wenn sie einen grünen Streifen am Rand haben, landschaftlich besonders schön. Die suche ich. Über solche Umwege  geht es weiter nach Ragusa.

Und das haut mich wirklich um. Ich verlasse die Schnellstraße und auf den Seitenwegen ist es wirklich sauber. Kein Müll! Dafür wunderschön aufgeschichtete Steinwälle, ähnlich wie in Cornwall! Die Weiden, die Zäune gepflegt, da liegen keine Steine rum, sie werden offensichtlich bewirtschaftet. Die Tore zu den Anwesen alle fast einheitlich, ich würde gerne wissen, was diese Regionalverwaltung anders und besser macht?!

Das ist ein Teil von Sizilien, in den man sich auch verlieben kann.  Obwohl es jetzt regnet – leider angesagt für 4 Tage.

Pause, stehe am Rand und telefoniere mit Mutter. Aber dort müffelt es, ich bleibe da nicht. Als ich an einem Wald von Funkturm Masten vorbeikomme, bricht die Internetverbindung zusammen, und erholt sich auch die nächste Viertelstunde nicht. Ich bin einigermaßen sauer, vermute schon mein Budget bei meinem Provider überzogen zu haben – aber nichts dergleichen. Italien hat wohl insgesamt DatenFunk Probleme. Sagt die freundliche Frau von meinem Provider.

Abgelegene Gehöfte gibt es natürlich auch, verlassen und teilweise verfallen, aber es liegt kein Müll darin! Bin völlig von den Socken.

Ich komme in Ragusa an und bin erst mal enttäuscht, weil der obere Teil der Stadt natürlich hypermodern und langweilig ist. Der ankommens- cappuccino mit einem kleinen Schreck: wo ist der zweite Kopfhörer? Irgendwas fehlt ja immer. Wo – ist beruhigt mich ein wenig, beide sind beieinander im Auto.

Dann in die Altstadt. Ich kurve ein wenig herum, finde einen Parkplatz direkt neben einer ganz hübschen Barockkirche.

Und weil es so schön trocken ist, und weil ich am Hang stehe, lade ich die Vespa ab – das geht inzwischen ziemlich flott und ich kurve durch Alt- Ragusa. Weil dort die Straße gesperrt ist, stelle ich die Vespa ab, laufe 500 m und finde eine Trattoria

Einen Rotwein bestelle ich mir, richtig freundlich sind sie dort nicht, aber ich genieße den Ausblick auf die Barockkirche und prüfe die Angebote an Zimmern. Für 88 schlage ich zu im de Stefano Luxushotel.

Mit mir in der Trattoria ist nur ein ziemlich deutsches Pärchen am Nachbartisch. Kommen aus Wangen im Allgäu und wollen mich verkuppeln mit ihrer Schwester, gerade 60 geworden und Leiterin einer Volkshochschule. Das wichtigste ist meine Mindestgröße. Kurios.

Als ich die Vespa abhole, fängt es an zu regnen, Sprühregen. Der Fußweg von der Vespa zum Auto – 3 Minuten. Als ich am Auto ankomme, regnet es junge Hunde. Meine gute Laune geht flöten, während ich die Sachen zusammenpacken fürs Hotel.

Der Weg mit dem Auto 6 Minuten. Das soll mal einer erklären, liegt aber an den Treppen.

Und das Internet funktioniert noch immer nicht, offensichtlich wurde die Buchungsreservierung auch abgebrochen. Irgendwann habe ich alles beieinander, Die Google Wegbeschreibung funktioniert auch wieder und fahre los. Das ist wirklich die ekelhafteste Strecke bisher, so kurz wie sie war, bin ich doch fast nass bis auf die Haut.

Im Hotel ist Niemand. Rezeption verwaist, nass wie ich bin, warte ich davor. Ich bekomme ein hübsches Upgrade und muss mich erst mal einrichten und unter die Dusche. WLAN funktioniert, Lautsprecher funktioniert, Dusche funktioniert wunderbar. Ich bin ein Glückskind!

Donnerstag, Christi Himmelfahrt.

Zaghaft quält sich die Sonne zwischen den Wolken hervor, die Vespa sollte inzwischen trocken sein. Frisch geduscht, die Sachen sortiert und zusammen gepackt wie ich mir immer gewünscht habe: ein Rucksack, eine Vespa Tasche, das reicht.

Das Frühstück im Hotel DeStefano ist von typisch italienischer Üppigkeit. Mit mir fünf andere Gäste: ein Mann, der jede Speise auf dem Buffet mit akribische Genauigkeit studiert und zwei holländische Ehepaare.

Mit der Vespa fahre ich noch ein wenig durch das wunderschöne Dörfchen Ragusa, als es dann aber wieder grau und nieselig wird, lade ich die Vespa kühn am Straßenrand auf, werfe alles hinten rein und fahre los.

Es sind drei weitere Tage Regen angesagt, da will ich wenigstens noch mal das Meer sehen.

Von Ragusa also nach Süden Richtung Modica, war früher die Hauptstadt dieser Provinz.

Cappuccino Pause in Modica Fällt aus. Ich bestelle mir stattdessen ein Glas heißes Wasser mit einer ausgepressten Zitrone. Das gleiche noch mal und jedes Mal geht es mir ein bisschen besser. Die Zitrone stärkt die Abwehr Kräfte..

Dort zieht ein Beerdigungszug an mir vorbei. Zwei Katzen betteln mich an, und einer Versucht tatsächlich mir einen Unfall einzureden.

Bloß weg hier und weiter übers Land.

Von Ragusa weiter nach Süden besichtige ich das Schloss DonnaFugata, die Frau auf der Flucht, soll die Vorlage für den Leopard gewesen sein. Als ausgewiesener Burt Lancaster -Fan ist der Film viel zu lange her, dass ich den gesehen habe aber das Schloss ist wirklich beeindruckend. Fast jedes Zimmer muss ich fotografieren.

Es ist schon eklatant, was Provinz Fürsten und Kirche auf der einen Seite für einen Wohlstand angehäuft haben, und wie viele Bauern und Handwerker in der Armut versinken.

In Donna Fugata lösen sich auch die Wolken auf.

Weiter runter nach Süden, ich habe im Schloss schon das Meer gesehen, suche ich das östlichste kleine Dorf am Meer. Und dank Vaters Nase für die exotische schönen Orte finde ich auch einen Übernachtungsplatz. Ich fahre mit dem Landy tatsächlich an den Strand heran, zwischen der ersten Häuserzeile und den Dünen steht der Landy kerzengerade.

Der Wind hat die Straße völlig verweht mit Sand. Am Abend kämpft ein Trecker mit Schaufel dagegen an und räumt die Straße auf. 50 m vor mir hört er auf. Ich stehe auch auf einem vom Wind verschonten Stück.

Kaum zu fassen! Es ist trocken, ich lade die Vespa ab und fahre in den Ort, kaufe noch ein paar Oliven, Brot und Wein, die Garnelen, zwölf Euro das Kilo, 250 g bekomme ich geschenkt weil ich kein Bargeld mehr hatte. Das muss ich morgen ändern.

Ich fahre zurück zum Landy – Abendessen am Strand. Ich falte die Markise aus, es ist ein Traum!

Der Campingtisch aus Aluminium war wirklich ein Fehlkauf. Er steht zwar stabil, aber die Haptik und Geräusche sind einfach hässlich. Beim auf- und abbauen, selbst wenn man nur was drauf stellt. Und für eine Tischdecke bin ich noch nicht spießig genug.

Deswegen nehme ich einen der Plastikstühle und bereite das Abendessen auf der kleinen Mauer vor.

Die Nachbarn der Eigentümer der Terrasse, auf der ich zu Abend esse kommen auch noch, ein Hund bellt von Ferne – es ist wohl sein Strand. Besitzer und Hund kommen freundlich bei mir vorbei. Ich fühle mich ziemlich sicher und bin restlos glücklich und zufrieden. Angekommen, wo ich nicht mehr gedacht hatte, dass es das noch gibt. Vorsaison, Leere, die Landschaft, die Pflanzen noch grün, keine große Hitze, nicht viele Leute – im Gegenteil, fast alles noch geschlossen. Die Leute sind noch freundlich, nicht genervt von der heißen und viel zu vollen Saison, die Erde noch nicht verbrannt vom heißen Sommer – ab sofort wird nur noch in der Vorsaison verreist.

Ich beschließe, am nächsten Tag noch am Strand zu bleiben und meine Erkältung aus zu kurieren.

Eine kleine Familie, sie aus Karlsruhe, er aus Amsterdam und zwei Jungs, etwa fünf und sieben kommen auch noch vorbei. Und wir plaudern, sie wohnen in Wien und die Jungs wollen mögen mal mitfahren. Also starte ich den Landy, die Jungs steigen ein und es geht tatsächlich bis runter ans Wasser.

Dann das erste Mal schlafen im Schlafsack auf der Camping liege. Die Markise ist ausgefahren, es fängt an zu regnen, zu tröpfeln, aber ich liege im Trockenen. Besser geht es nicht. Schlafe im Regen ein, in der Nacht muss ich öfter raus. Aber nichts stört. Der Regen hat aufgehört, von den Straßen- Laternen sehe ich nichts.

Freitag, 10. – Donnalucata

Exakt zwei Wochen bin ich jetzt unterwegs. Und die sind wie im Flug vergangen.

Nach der Frau auf der Flucht nun also die erleuchtete Frau. Kleines Kaff. Genau das richtige, um mal die Seele nach folgen zu lassen. Wie die Indianer sagen: ich bin jetzt so weit gereist, jetzt muss ich erst mal warten, bis die Seele nachkommt.

Die Nacht ist etwas hart, Yogamatte und Luftmatratze Feder nicht so gut. Ich bin tief eingemummelt im Schlafsack und habe es schön warm, wache auf und sehe: es wird ein Sonnentag. Genau der richtige, um am Strand zu bleiben.

Kaffee gekocht, aufgeräumt. Es ist schon merkwürdig, wie über all der Mobilität im Camping man sich doch breitmacht: von Fußmatten vor dem Auto bis zur Markise, Klappstuhl oder Camping liege, die Bänder zum Verschnüren der Vespa, Kopfhörer wieder gefunden – die hatte ich ein Jahr lang gesucht. Leider ohne das Etui.

Weil ich in der Stadt bleibe, wird das weiße Hemd angezogen, die Vespa (den Schlüssel habe ich natürlich wieder 4 Minuten gesucht) gestartet und ins Dorf. Bargeld abholen, Wäscherei finden, (die hat noch zu) ,die Schrimps bezahlen, Cappuccino trinken und das Leben ist ein Genuss.

Ich fahre an die Ränder des Ortes, um zu sehen, aber nein: ich habe den besten Platz auf der Welt. Mit der Vespa ist das erkunden der Dörfer ein Hochgenuss. Jede noch so schmale Stichstraße lädt ein, sie kurz zu checken.

Ich finde sogar einen privaten Strand mit einem Wasserhahn, und: der ist angeschlossen! WaschWasser holen mit dem Landy. Das Wasser ist auch 12 Stunden später noch nicht klar. Die trübe Brühe – kann ich die wirklich zum waschen benutzen? Für den Kaffee auf keinen Fall.

Heute flagge ich tatsächlich den ganzen Tag am Strand rum und tue nichts. Einmal in der halben Stunde oder Stunde kommt jemand vorbei gejoggt, es gibt sogar eine Frau mit einem golden Retriever Mädchen und einem tauben weißen Schäferhund. Sie gibt sich sichtlich Mühe, mich zu verstehen und zu plaudern. Für sie ist das Wasser noch zu kalt, für mich eigentlich auch.

Zwischendurch schraube ich mal wieder an den Türschlössern. Zwischendurch funktioniert die Tür auch komplett mit Schloss. Und dann wieder nicht mehr. Normal.

Nach dem Bad im Meer, üppige Sonne auf dem Strand, fahre ich los.

Um 5:00 Uhr ist die Wäsche fertig.15€ Nächstes Mal die Handtücher und Bettwäsche mitgeben.

Am Abend kommen Jörg und Finn (3) zu mir. Jörg hat mit seiner Frau Lena eine Wohnung gemietet, 100 m weiter. Finn hat diese merkwürdige Kindlichkeit, die mir unendlich fremd ist. Er schaut mich zwar an, spricht aber nicht mit mir, nickt nur zögernd den Kopf, Körpersprache und Mimik sind merkwürdig affektiert. Jörg ist aber ganz normal, kommt aus Aachen, hat zwei Discos und ein Restaurant, war mit seiner Frau Monate lang im VW-Bus unterwegs. Sie ist wirklich unglaublich hübsch, 30 Jahre und Veganerin. Alle Klischees dieser Welt – in einem Pärchen.

Jörg und Finn haben nun beschlossen,  doch mal mit zu fahren. Dazu haben sie auch noch zwei Bier mitgebracht. Beide steigen also ein, Jörg findet den Flaschenöffner amAutoschlüssel und dann geht’s los: Bier in der einen, Lenkrad in der anderen Hand, am Strand entlang.

Finn stellt später bei seiner Mutter fest, dass wir auch nicht angeschnallt waren. Und ein Bier in der Hand hatten. Beim Autofahren.

Die Laden mich auf eine Dusche und ein Abendessen auf der Terrasse ein, sehr nett mit Weißwein und wir plaudern. Und ich weiß genau, warum ich so eine Ferienwohnung nicht haben möchte. Die Terrasse ist 4 m breit, wie alle anderen daneben auch. Und immer siehst oder hörst du Menschen. Die du gar nicht sehen oder hören willst.

Ich denke an Johann König, “Kinder sind Wunder-, wunderbar. Kinder sind wunderbar. Man muss sich das nur immer wieder sagen.”

Oder sie haben Hunde, die natürlich nicht gehorchen, deswegen permanent an der Leine sein müssen, möglicherweise auch noch kläffen…  Die NERVEN. Alle.

Ich denke an Martin Rutter und seine vollen Säle bei seinen Vorträgen/ Hunde Shows. Warum kaufen sich die Menschen Hunde? Wenn sie dann nicht damit umgehen können?

Ich mag diese Menschen einfach nicht mehr. Hier am Strand sind sie alle weit genug weg.

Für den Winter lass ich eine Flasche Rotwein aus Sizilien bei Ihnen und Trolle mich irgendwann ins Bett. Den Wagen muss ich noch auf die Rampe stellen, damit er gerade steht und dann schlafe ich auch durch. Es ist schon angenehmer auf den Matratzen als auf der Campingliege.

Samstag, 11.am Strand

Aufwachen mit Meerblick ist schon einzigartig. Immer wieder den Blick den Strand entlang und es ist echt eine Augenweide.

Den Kaffee nehme ich mit Musik von Schiller auf der Düne mit Meerblick. Immer wieder räume ich ein bisschen auf und ein.

Die Dinge beieinander zu behalten ist wirklich unglaublich schwierig. Nach und nach räume ich alles ein, bin zwischenzeitlich froh, dass alles seinen Platz hat und die Ordnung einigermaßen passt. Zum Beispiel den Lautsprecher auch dort zu finden, wo er hingehört, die Camping liege auf dem Dach zu verschnüren. Ein bisschen Sorge macht mir der Schwindel. Auf dem Dach zu jonglieren ist nicht ohne.

Der Morgen ist entspannt, sonnig und fast meditativ. In aller Ruhe packe ich zusammen. Gehe noch einmal in der Sonne schwimmen, ganz kurz und dann geht’s los.

Richtung Osten am Wasser entlang. Ich checke noch ein paar andere Strände – aber den merke ich mir, ich hatte den besten erwischt.

Noto

Ist eine reine Barock Stadt. Unglaublich schöne einfache Bürgerhäuser aber üppig dekoriert. Fehler: ich fahre mit dem Landy rein. Es ist eine ordentliche Kurverei, Einbahnstraßen und fast keine Orientierung. Das Navi kommt kaum mit. Irgendwann habe ich einen Parkplatz in einer Seitenstraße entdeckt, lade die Vespa ab und das ist wirklich das reine Vergnügen. Bergauf, Berg ab, die Vespa zieht. Natürlich muss es wieder die Barockkirche sein, die Hauptstraße ist wirklich richtig voll.

Der Restaurant Tipp scheint wirklich ein Jet Set Highlight zu sein. Vor dem Lokal stehen Yuppies mit angestrengten Gesichtern und telefonieren. Nur 50 m weiter, eine winzig kleine Gasse hinein finde ich mein Lokal. Ich bin natürlich für italienische Verhältnisse viel zu früh dran, bestelle mir einen Aperitif, die Spaghetti sizilianisch mit Fisch und danach ein Thunfischfilet. Zwei Weine des Hauses dazu, einen Averna ohne alles zum Nachtisch-  das ganze für 72 €. Value for Money.

Auf dem Weg nach Syrakus achte ich darauf, dass ich rechtzeitig vor der Dämmerung einen Platz zum schlafen finde. Seit 25 Jahren beim Fischmeister trinke ich Nero d‘Avola- Dann kann ich in dem Kaff auch mal pennen. Auch wenn es ein anderes ist.

Ein ziemlich großer freier Platz, Parkplatz für den Sommer hat an der Straßenseite eine sizilianische Pommesbude. Gefühlt 50 Stühle davor, das Ding brummt. Ich fahre den ganzen Parkplatz durch, erzieht sich wohl über 400 m hin und am hinteren Ende ist es still, ich finde eine Stichstraße, die genau aufs Meer schaut. Da parke ich, trinke mir noch einen Averna und schlafe ziemlich gut durch.

Sonntag, Avola.

Ich wache auf mit Meerblick und neben mir verliert ein Zitronenbaum seine Früchte.

Für den morgendlichen Kaffee will ich an den Strand und von dort aus gleich weiter fahren. Und entdecke diese wunderbare Kaffeebude.

Bin keine 250 m gefahren und schon am Ziel meiner Wünsche.

Das Croissant dazu quillt über von Schokolade. Die Schönheiten Siziliens– ein amerikanisches, ein italienisches Pärchen sitzen neben an.

Nach dem zweiten Cappuccino geht’s los.

Die Straße an der Südküste Siziliens ist nicht besonders romantisch. Gewächshäuser, meistens nur mit Folien überdacht, sind genauso schön wie Windräder.

Auf der Suche nach romantischen Plätzen mache ich Pause vor einem Hotel. Leider auch dort sitze ich mitten im Müll. Die sind noch nicht mal in der Lage, es vor Ihrer eigenen Haustür sauber zu halten! Schade, das macht mich traurig.

Am Ortseingang von Syrakus ein riesiger Friedhof, Autoschlange, das will ich mir mit dem Auto in die Stadt nicht antun. Eine ziemlich breite Betriebseinfahrt steht leer, ich lade die Vespa ab, verschließe den Landy und los geht’s!

Man braucht wirklich alle drei: den Reiseführer für die Tipps, die Karte für den Überblick und das Handy für die Navigation während der Fahrt. Ich bin einigermaßen froh die Dinge so vorbereitet zu haben. Der Handyhalter an der Vespa Ist als Orientierung Gold wert. Das Schöne: verpasst man mal eine Abfahrt oder Abzweigung, justiert es sich einfach neu, ohne zu nörgeln, und nach dem Prinzip „Umwege erhöhen die Ortskenntnis“ macht das sogar Spaß.

Nachdem mir Vinzenz am Turm des Stauferkönigs schon von Caravaggio vorgeschwärmt hatte, ich erinnere mich auch an den Film, schaue ich mir die Beerdigung der heiligen Luzia in der Kirche an. Ich bekomme wirklich Gänsehaut.

Danach ist Markt in Syrakus. Sonntag? Es ist ein bisschen wie auf dem Naschmarkt, die verkaufen die Hinterlassenschaft ihrer Oma, Haus Krempel und Klamotten. Mit der Vespa um den Platz gefahren, noch einen Cappuccino gesichert in einer wirklich sizilianischen Bar, dann weiter durch die Stadt. Ich bin begeistert, wie sauber das ist! Syrakus ist wirklich ein Schmuckstück. Am Hauptplatz, vor dem Diana Brunnen, sammle ich mich und genieße einen Aperol mit Blick auf Touristen. Ein weiteres muss: das Archimedes/Leonardo Museum. Und das hätte ich mir sparen können.

Stattdessen fahre ich zum griechischen Amphitheater. Ziemlich happig, der Eintritt, 16 €. Aber es ist ein kleines Kultur-/  Natur Wunder. Das Ohr des Dionysos, Höhlen vielleicht 15 m hoch.

Aber auch hier Amerikaner und auch italienische Touristen sind nicht nur angenehm.

Es wird wärmer, fast heiß, ich suche schon Schattenplätze und zum Glück weht vom Meer ein kühler Wind. Zwischendurch immer wieder Vespa fahren ist eine solch angenehme Abwechslung. Ich fahre durch die Altstadt, komme endlich am Hauptplatz an und da ist riesig was los.

Kathedrale von Syrakus ist gebaut an und um und integriert einen Tempel der Pallas Athene. Man hat also griechische Säulen, normannisch/ romanische Torbögen und byzantinisch ausgemalte Decken. In einem Gebäude!

Und immer wieder mit Marmor aus gestaltete Kapellen an den Seitenflügeln mit unglaublich schönen Altären.

Hinter mir staunt eine Sächsin oder aus Thüringen stammende Frau und staunt laut. Das TUI KREUZFAHRTSCHIFF! Ich muss raus.

Durch einen Hintereingang komme ich ein Restaurant, dessen Terrasse Ausblick bietet auf das Meer, den Hafen und eine riesige Luxus Yacht, die dort gerade angelegt hatte. Der DJ bereitet sich auf den Abend vor, und die Musik wird besser.

Vor mir links ein älteres Ehepaar, beide offensichtlich beglückt von der Reise oder voneinander. Rechts davon die sizilianische Kleinfamilie. Sie in pinkfarbenen Dress, grell geschminkter Mund, beide mit riesiger Sonnenbrille und drei Telefone am Tisch…

mir reicht ein Glas Rotwein mit Blick in den Sonnenuntergang, ich zahle und fahre.

Zwischendurch hat die webcam immer wieder mal gemeldet, Bewegung im Auto – war aber Nix. Das muss ich selbst gewesen sein.

Als ich am Auto ankomme, steht Braveheart schon richtig, um die Vespa rauf zu fahren. Das geht jetzt ziemlich schnell. Immer wieder muss ich natürlich zittern mit Motorkraft darauf, aber ich habe ein System gefunden, sie zu stabilisieren während ich sie befestige.

Die Fahrtrichtung Catania ist furchtbar öde. Auf dem Weg zu meinem Strand zum schlafen mache ich einen riesigen Fehler:

Focaccia Hütte – da liegen drei wunderbar vorbereitete Fleischstückchen, die ich bestelle – „con patate“ Er macht daraus drei Focaccia mit Pommes. 33 €. Zu dämlich von mir.

Bestellt ist bestellt.

ich fahr zum Strand, natürlich voll Müll, mit dem Rotwein bring ich eines runter.

Irgendwann hört der Fluglärm auch auf, der Platz ist ruhig. Am Morgen klopfen tatsächlich zwei Araber an die Fensterscheibe, ob ich zehn Euro für Diesel hätte – so viel kann ich verstehen. Nö. Dann trollen die zwei sich.

Nein, nur für den Fischmarkt muss ich nicht in die Stadt, ich nehme meinen Kaffee am Strand, genieße den Ausblick auf den Ätna und packe es.

Der Weg nach Taomina führt über Naxos. Es hat zwar einen Strand, ein Café, aber ich finde keinen langfristigem Parkplatz. Also quäle ich mich den Berg hoch, versteige mich in einem Bergdorf mit dem Landy, fahre zurück, finde eine Rampe, an der ich stehen bleiben kann. Eine Schranke blockiert den weiteren Weg, aber nur eine 24er Mutter, die zudem auch noch locker ist, kann ich lösen und auf geht das Tor. Vespa runter, Landy rauf gefahren. Ein halb verlassenes Häuschen, mit Ställen und zum Teil renoviert, wie üblich Gerümpel vor der Tür, da steht er jetzt. Die Vespa gepackt und ab ins Dorf hinauf.

Das Schätzchen ist die reine Freude! Die Kurven, die Berge einfach mit wumms rauf oder auch runter –  was für andere Stress ist, macht mir hier riesigen Spaß. Dazwischen sensationelle Panorama Ausblicke. Glücklicher kann man nicht unterwegs sein.

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Und da oben gibt es erst mal Mittagessen. Mit genau dieser Aussicht.

Nach den drei Lammkoteletts, zwei Glas Wein 28 € bin ich nach Taormino.

Vor X Jahren hatte ich einen Fototermin mit Mercedes und dachte, das wäre in Taormina gewesen. War es nicht.

Hier in Taormino schieben sich die Ärsche. Und das auch in der Vorsaison. Es ist auf Sizilien beliebtester Ort für Touristen, und das merkt man.

Also am Ortseingang erst mal einen Cappuccino und zwei Kugeln Eis.

Dann auf die Vespa und rund um den Ort gefahren, der ist größer als ich dachte! Bei der zweiten Runde am Dom angehalten, eine Kirche am Tag muss sein: schlicht und trotzdem schön.

Dann die Einkaufsstraße, die Kö von Taormino rauf und runter und ich mal wieder einen Aperol Spritz. Luxus überall – aber Wo kriege ich hier Rotwein und Brot fürs Abendessen? Dieser Ort ist schon jetzt so dermaßen voll und diese vielen Leute nerven mich unglaublich.

Ich freue mich auf meinen exotisch- abgelegenen WildkcampOrt am Hang. Inzwischen funktioniert auch die Videoüberwachung aus dem Auto hervorragend, sowas macht mich glücklich.

Und dann habe ich tatsächlich eine Flasche Rotwein und ein Brot gefunden, und mich mit Seeblick auf dieser winzigen Olivenbaumterrasse zum Abendessen niedergelassen.

1 Stunde Update mit Mutter, viel später. Petroleum Laterne im Dunkeln, schöner kann ich es nicht haben.

Ich bin frei.

Gute Nacht

Montag

Taormina? Nicht noch mal, das Amphitheater übersteht mich auch ohne meinen Besuch.

Also entlang der Küste Richtung Messina.

Und dann entdecke ich ihn tatsächlich: einen dunklen, sonnigen und leeren Sandstrand. Nachdem die Nächte recht anstrengend war bin ich rechtschaffen müde, nehme den Campingstuhl, meine Badetasche und hole mich an den Strand. Es gibt einen Service für Paraglider, subs und die Jungs haben zu tun. Die Freundin eines Vorturners liegt 10 m neben mir, ganz hübsch aber unnahbar. Gegen Mittag gönne ich mir einen norwegischen Salat mit haltet euch fest: Lachs und Käse. MAIs war auch dabei. Zwei Glas Wein, dann zurück in die Sonne, mache noch ein Mittagsschläfchen und irgendwann gegen vier breche ich auf.

Und dann wird es trübe, Sowohl das Wetter, als auch die weitere Fahrt:

Keilriemen mal wieder gerissen, und ohne Keilriemen funktioniert die Luftkühlung auch nicht. Das ist ein bisschen nervig, weil die Straße auch hässlich und bergig und einsam wird.

Maps Google hilft mir dabei, die nächste Werkstatt zu finden. Die hat keinen Keilriemen, schickt mich einen Ort weiter und dort finde ich die Profis. Der eine Kollege ruft im Lager an und organisiert den Keilriemen, der andere schraubt.

Nur um da nicht drum rum zu stehen, lade ich die Vespa ab und fahre – wohin wohl? Richtig: Cappuccino trinken.

3 Stunden später,Mit einem Ersatzlriemen und um 100 € leichter fahre ich weiter Richtung Messina.

Und das ist richtig trübe. Keinerlei Tourismus, dafür umso mehr Müll und schmutzige Strände. Die gesuchte Idylle – einsamer Strand und Standplatz und schöne Aussicht gibt es einfach nicht. Es ist einfach zu dreckig.

Noch nicht mal ein freundlicher Kiosk findet sich, ich trinke ein Bier und fahre weiter.

Auf der Suche nach einem leeren Strand fahre ich tatsächlich mal wieder drauf und hätte es um Haaresbreite auch nicht wieder runter geschafft. Der Landy gräbt sich einfach zu schnell und zu tief in den feinen Sand ein! Nach eine halbe Stunde Probeläufe bin ich endlich wieder frei und fahre weiter Richtung Messina. In einem VorOrt finde ich erst einen kleinen Lebensmittelladen, Oliven, Rotwein und einen Käse, dann eine Industrieruine. Ich gönn mir die ganz schmutzige Nummer, fahre in den Innenhof, Ruine einer großen Werkshalle, Stelle den Wagen ab und mache Picknick. Trotz Innenhof, pfeift es ganz ordentlich, richtig gemütlich ist es dort nicht. Aber ein Foto alle Mal wert.

Gegen 5:30 Uhr wache ich auf, kann auch nicht wieder einschlafen und packe zusammen. Den Kaffee gönne ich mir noch, dann rein nach Messina. Das Museum hat noch zwei Caravaggio für mich – vom Anfang und dem Ende Jesus: auf dem einen die Anbetung der Hirten, auf dem anderen die Kreuzabnahme.

Auch die anderen Exponate wären für den Liebhaber von kirchlicher Kunst eine Augenweide. Mir gibt es nicht so viel, auch wenn ich beeindruckt bin vom Alter der Artefakte.

Das Museum ist architektonisch schon der Knaller, befindet sich aber im Umbau. Dann ist Schluss mit Sizilien, ich Kauf mir ein Ticket für die Fähre. Die wiederum hat eine Überraschung für mich parat: übermalt der Name ursprünglich: Horten.

Das ist 2008 der erste Hafen gewesen, von dem aus ich mit Henrik Segeln gegangen bin.

Das Schiff stammt also aus Norwegen und ist von einer dortigen Reederei übernommen worden.

Ich bin sehr gespannt auf Kalabrien. Der erste Eindruck: leer, weniger Touristen und sauberer. Ich fahre die Küste entlang aber insgesamt ist es wirtschaftlich recht deprimierend. Weil die Küste so steil ist, kann man nicht überall am Wasser entlang fahren. Nach ungefähr zwei oder 3 Stunden hab ich die Nase voll und suche mir ein Küstenstädtchen. Das erste ist völlig ungeeignet, ein Restaurant oder zwei und damit hat es sich. Und hässlich ist es auch noch.

Über Booking COM suche ich eine Unterkunft – die sind hier recht günstig, ab 40 €. Finde schließlich „la Campagnola“ . Super modern, super sauber, freundlich, und eine Pizzeria hat es auch noch dabei. Das ganze für 54 €. Sagt Booking COM. am nächsten Morgen zahle ich 65 für Übernachtung, Frühstück und Abendessen.

Merkwürdige Begegnung am Abend Brot Tisch. Links von mir ein Pärchen, vermutlich Englisch sie sind wirklich Minuten leise zu sprechen rechts von mir die Kuriosität eine Mutter, Holz Beining, aber gezupfte Augenbrauen und redet Gramm in Hand mit ihrem etwa 17-jährigen Sohn. Reicht ihm irgendwann sogar das Handy aus der Hand. Am Tisch dazu zwei Herren, die ich am nächsten Morgen beim Frühstück näher kennen Lernweile mit verschränkten Armen da sitzen. Interessiert mich nicht, scheint aber nicht ganz freundlich zu zu gehen.

Ich schlafe fast 10 Stunden, dusche dreimal, weil mir auch kalt ist, fühle mich alt.

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Der Schnupfen ist noch nicht ganz weg, aber die 10 Stunden Schlaf habe ich gebraucht.

Nach dem Frühstück, kurz nach neun geht’s ziemlich flott los. Viereinhalb Stunden sind es bis Salerno.

Daraus wird aber nichts. Nach 1 Stunde entdecke ich auf der Suche nach einem Cappuccino einen makellosen, sauberen, weißen und die Krönung: völlig leeren Sandstrand.

Dahinter Gated Communities, teilweise leer, teilweise luxuriös aber alle noch nicht mit Gästen.

Ich sitze am Strand und denke mir, die Amalfiküste ist auch morgen auch noch da, das Wetter ist zwar ein bisschen diesig aber besser kann es nicht werden.

Solange die Sonne scheint, bleibe ich.

Statt Cappuccino gibt es selbst gemachte Zitronenlimonade auf Campingstuhl und Strand.

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Zwei Tage gönne ich mir Strandleben: nicht ohne Opfer. Mein neues Ladekabel bricht mehr ab, und trotz aller Vorsicht verliere ich einen Kopfhörer. Ich merke, wie mich solche Kleinigkeiten Stressen, ich komme irgendwie auch nicht zur Ruhe. Muss immer irgendwie was organisieren, schrauben auch an der Tür, auch mal wieder vergeblich, lerne sogar nette Leute kennen. Auf dem Campingplatz neben an leite mir ein Achim aus Kassel ein Ladekabel, wir plaudern ein wenig und er bleibt 2 oder 3 Tage – so lang kann ich es behalten. Na prima.

Zum Abendessen gibt es Standard Antipasti: Salami, italienisches Weißbrot, Oliven und Rotwein, aus der Flasche mit dem Kronkorken. Auch so ne Kleinigkeit – dafür muss ich mir extra aus Gießer besorgen. 4€

Das Kurven nach Norden und nach Süden auf der Vespa macht riesigen Spaß. Die Berge rauf und runter, auf der Suche entdecke ich auch einen alten Land Rover im Olivenhain.

Immer wieder mal ins Wasser, das Wasser ist wirklich aquamarin blau, der Strand sauber, fast Deutsch, und am Abend lerne ich noch Barbara aus Polen, und später Silvia aus Saalfeld kennen. Silvia ist ziemlich patent, seit 21 Jahren mit ihrem Lover befreundet und total selbstständig. Kennt sich auch ganz gut in Italien aus, schläft aber wesentlich länger als ich. Sie schläft im Bus neben an, also kein gemeinsames Kaffee trinken.

Am nächsten Morgen beschließe ich, nach Torpea zu fahren – und das ist wirklich ein kleines Highlight. An den Felsen geklatscht, hübsche alte Häuser, finde dort Ladekabel, gleich zwei Stück und einen Cappuccino und und und. Kleiner Spaziergang durch den Ort, dann fahr ich zurück zum Strand.

Kennzeichen NT – Nürtingen. Ein Ehepaar stellt sich im Wohnmobil neben mich. Er hat in Rosenheim an der FH Holz Werkzeugbau studiert., Kennt daher Oberbayern ganz gut.

Auch ziemlich Patent.

Am Abend bekomme ich von Pauline Barbara den Tipp zum Abendessen. Vorspeise Antipasti aus Kalabrien, die übliche Salami Käse Oliven und Spezialitäten Gegend: rote Zwiebeln. Naja. Aber der Fischteller hat es in sich. Der Weißwein des Hauses dazu auch und irgendwann, bevor es dunkel wird, brause ich wieder Richtung Strand.

Dort gibt es einen gemeinsamen Weinabend mit den Nürtingern und Silvia.

Alle haben Kinder, mindestens einen Enkel. Und was sie unglaublich ab stößt, ist die Haltung der Woken generation. Die entfremdn sich vorsätzlich (!) von ihren Enkeln oder Kindern.

Traurig.

Wie ich lade noch die Vespa auf, dann lege ich mich schlafen.

Gegen sechs wache ich auf, die Sonne extrem trübe hinter Nebel. Ist das der Sahara Staub?

Abschiedsbad am Strand, ein letztes Suche nach Kopfhörern, dann packe ich es auch. 8:00 Uhr fahr ich los, das Navi sagt 4 Stunden.

Ich bin extrem gemütlich unterwegs, brauche daher sechseinhalb bis nach Salerno. Netto

Fahrzeit aber 6 Stunden.

Die Fahrt ist unglaublich abwechslungsreich. Weil die Berge bis ans Meer reichen ist natürlich keine Küstenstraße wie in Frankreich verfügbar. Es geht eine ganze Zeit über Landstraße dann komme ich auf die gebührenfreie Autobahn. In und wieder erschrecke ich, weil bei Gegenwind oder länger anhaltender Steigung der Motor gar nicht mehr zieht. Kurz gegoogelt: Kraftstofffilter voll oder Luftfilter dicht. Beides kommt ganz oben auf die Bestellliste.

Zwischendurch führt mich das Navi auf die Landstraße, durch ein Naturschutzgebiet, was wirklich malerisch schöne Straßen hat. Tipi top I sauber, einsam und eine echte Augenweide. M- Mormanne heißt das akad. auf dem Weg, Poloni heißt das Naturschutzgebiet und soll ein Eldorado für Radler sein. Eine verlassene Eisenbahnstrecke läuft parallel zur Straße, es ist wirklich unglaublich schön.

Auf der ganzen Strecke sehe ich nur drei deutsche Wohnmobile – alles andere Italiener. Und es zieht sich zu. Wird nicht nur diesig sondern es regnet richtig heftig als ich nach Salerno rein komme.

Ich finde einen Parkplatz gegenüber einem sehr modernen Café, der Maler steht noch auf der Leitung, Klappe iPad auf wegen Tipps zu Salerno.

Soll eine gute Stadt Basis für die Amalfiküste sein. Aber bei Regen?

Insgesamt ist Salerno wirklich noch typischer Italien als die Dörfer, die ich bisher gesehen habe. Noch enger verwinkelte Gassen, noch ältere Gebäude, sogar ein Aquädukt führt durch die Stadt, und die Polizei scheint ziemlich hinter den Parksündern und her zu sein. Ich parke an der Vllvia Roma, nehme mir den Schirm und suche das Hotel. Und das ist wirklich der Knaller. Versteckt, Dick verriegelte Türen, aus Eisen und mit Doppel BartSchlüssel gesichert, ich habe noch nie so lange nach einer Pension gesucht. Dafür habe ich eine merkwürdige Kombination aus renoviert, mittelalterlichem Bau, und moderner Küche.

Nachdem ich mich abgelegt habe, Dusche ist vorhanden, gehe ich zurück zum Auto und parke um. Diesmal klappt alles: die Kameraüberwachung, der Parkplatz, das abladen, leider tröpfelt es noch auf dem Weg zurück ins Hotel. Die Gassen so eng, dass ich mit der Vespa kaum durchkomme.

Dann erst mal das Salzwasser abduschen.

Abendessen alleine in einer leeren Küche. Ist schon merkwürdig. Irgendwann dreht sich was in der Tür, und herein tritt eine Bildhübsche Brasilianerin mit ihrer Italienisch Lehrerin. Oder Mutter ?

ich weiß es nicht. Das Publikum hier im Hotel scheint sehr international zu sein, Brasilianer Argentinier,… unglaublich viele deutsche sind in Salerno. Sagt sie.

Das Zimmer ist dunkel, man hört Gespräche in der Gasse, ich bin müde von der Fahrt und schlafe sehr früh ein.

Pfingstsonntag, 19.5.

Von Salerno nach Sorrent

In Salerno mache ich noch erst mal Kultur. Weil es in dem Hotel wirklich nichts gibt außer eine Küche, die noch leer ist, Daher belade ich die Vespa, Schirm ist ja auch noch dabei, Picknickkorb und Wäsche, bringe das alles ins Auto. Es ist wenigstens trocken, könnte sogar ein sonniger Tag werden. Der Wagen hat in der Stadt gestanden, ob er ein Ticket hat? Muss mich jetzt nicht beunruhigen.

Ich fahre wieder Stadteinwärts, die Uferpromenade ist wirklich prächtig. Finde ein Café 089 – als Münchner genau das richtige. Ab 9:00 Uhr gibt es Kultur– aber nur mit der Vespa. Ich gurke, Gondele, kurve den Berg hinauf zum Alten Schloss Arechi, eine alte normannen Festung, 1076 etwa wohl gebaut. Fantastischer Ausblick auf Salerno, der einen Seite der Hafen, und die Altstadt.

Gegoogelt und für gut und interessant befunden: die Krypto und Apsis des Doms vom Matthias, unten in der Stadt. Ich fahre dorthin und Entdecke noch ein Schild auf meinen Namensgeber Thomas von Aquin, der offensichtlich dort gewirkt hat.

Dort bekomme zum ersten Mal in meinem Leben den Rentner Rabatt. Fünf Euro statt 9 50.

Der Innenhof ist wirklich wunderschön, beeindruckend mit einem kleinen Brunnen und weil es so früh sind auch noch recht wenig Touristen dort. Der Dom innen ist erst mal schlicht aber sehr schön, und weil ich das Ticket schon mal habe, gehe ich auch in die Krypta. Und das ist überwältigend. So viel  Marmor-  Intarsien arbeiten – unfassbar.

Noch ein Cappuccino vor dem Dom, dann Sattel ich die Vespa, fahre zum Landy, lade auf, alles in Ordnung. Es dauert seine Zeit, aber inzwischen geht es dank der Routine etwas schneller.

Im Auto scheint alles okay, die Überwachung hatte sich nachts abgeschaltet, weil der Akku leer war.

Zweieinhalb Stunden Nettofahrzeit sagt das Navi für die Fahrt nach Sorrent. Es werden mehr als sieben.

Konsequent Uferstraße fahren – hier ist es möglich! Kurz hinter Salerno wird es wirklich sehr schnell sehr eng. Es nervt mich, wie andere Leute in die Kurven schneiden, manchmal frage ich mich, ob sie wirklich bei mir vorbeikommen. Aber ich halte mich so dicht rechts wie möglich, das geht mit dem Rechtslenker prima. Ich bin hin und hergerissen denn Sorrent liegt hinter Amalfi, ich fahre also die Strecke mindestens zweimal. Formal finde ich tatsächlich in einer Kurve einen privaten Parkplatz. Und der ist nicht verschlossen, sondern die Kette hängt frei. Ich kurve rein, lade die Vespa ab und bin clever genug, die Kette mit meinem Tank Vorhängeschloss zu sperren. Als ich zurück komme mit der Vespa, kommt mit mir jemand anderes an, ein anderes Auto steht schon dort und der Herr telefoniert aufgeregt, warum die Kette verschlossen gewesen sei. Ich verstehe natürlich kein Wort, lade die Vespa auf, und als er weg ist nehme ich mein Vorhängeschloss wieder mit.

Zum Filmen fehlt mir ein Beifahrer. Das scheint hier recht üblich zu sein, wir kommen jede Menge Wespen mit Pärchen entgegen, auf denen sie hinten die Strecke filmt. Und es ist wirklich atemberaubend. Beim Autofahren muss man sich Verdammt auf die Straße konzentrieren und sie die ganze Schönheit nicht. Mit der Vespa ist es nicht anders. Ich biege rechts ab nach Raffaello / Ravello, was ein ziemlich volles Bergdorf mit Musik Festival ist. Entsprechend üppig ist auch der Tourismus. Nervig viele Amerikaner, deutsche, aber hauptsächlich Italiener und ähnlich viele Andenken Geschäfte mit allen dem gleichen Sortiment.

Alle Tische sind belegt, ich bekomme noch nicht mal was zu trinken. Nach einer etwa halben Stunde im Ort steige ich wieder auf und fahre Richtung Küste.

Amalfi ist dermaßen voll, dass sogar der Bus Parkplatz belegt ist. Und das schon in der Vorsaison. Irgendein Parkplatz Waechter pfeift mich an, weil ich die Vespa dort stehen lassen will. Danke, das genügt. fahre Richtung Ortsausgang, stelle die Vespa an den Straßenrand und gönne mir einen Campari Soda. Mit mir am Tisch eine hübsche Türkin aus der Gegend von Heidelberg, die zum ersten Mal ohne ihre elfjährige Tochter verreist. Völlig verstört hört sie von meiner Reis-eaversion, „muß heute noch“ nach Sorrent und weiter nach Neapel. Und schon ist sie weg.

Auf dem Rückweg zum Landy leert sich zum Glück die Straße ein wenig, und als ich durch Amalfi durch bin, Richtung Positano wird es richtig eng! Mehrfach bleibe ich stehen, weil ein Bus kommt, der einfach nicht stecken bleiben will. Aber hinter Positano ist dann totale Ruhe und Sauberkeit. An einem Motorrad Treffpunkt kehre ich buchstäblich ein und gönne mir einen Limoncillo.

Kurz vor dem Hotel kaufe ich noch eine Flasche Wein und Antipasti, beim einchecken muss ich noch zweimal umparken. Die Hausdame ist halb Österreicherin, ihre Mutter Wienerin, und das Zimmer eine echte Überraschung: winzig klein, aber mit eigener Terrasse! Und Blick auf Pool und Meer. Herz, was willst du mehr? Ich packe mein Abendessen aus, genieße nach der Dusche  Sonnenuntergang und Ausblick.

Pfingstmontag

Der Tag ist ganz für die Vespa Tour nach Positano und Amalfi reserviert.

Ich fahre die Strecke also dreimal.

Die Enge der Stadt, Positano, Amalfi etwas weniger, und die Masse der Touristen andererseits – das stößt ab.

So schön wie der Ausblick ist, auch auf einem Segelkreuzer, der vor Positano geannkert hat, wohnen möchte ich gar nicht.

Eine freundliche Polizistin erinnert mich daran den Helm aufzusetzen. Ich tue ganz erschrocken und fahre rechts ran.

Die Kurverei mit der Vespa macht echt Spaß. Vor allen Dingen, weil der ganze Stress rund um das Autofahren wegfällt: keine Schlange, keine Staus, keine Parkplatz Sorge, ich bleibe stehen, wo es mir gefällt, trinke in Positano einen Campari Soda zahle und fahre weiter.

Die letzte Art zu reisen: Den Rollkoffer bollernd  über das Kopfsteinpflaster ziehen zur Bushaltestelle, um dort in der Hitze auf einen überfüllten Bus zu warten.

Ich sehe so viele genervte Paare, dass ich heilfroh bin, alleine zu reisen.

Hinter Amalfi entdecke ich einen Geheimtipp, Strand. Für 21 € gönne ich mir fünf Scheiben Tomaten mit Mozzarella, zwei Blätter Basilikum und 0,1 l Weißwein.

Dann die Vespa gebührenpflichtig abgestellt und an den Strand. Dort habe ich ein sehr nettes Gespräch mit einem Vater aus Freiburg, der seine italienische Frau und deren Verwandtschaft hier besucht. Töchter, schweigend, und er ziemlich gut gelaunt.

Bankster halt.

An der Küste am Abend einen Schlafplatz zu finden, der gerade, leer und sauber ist, ist fast unmöglich. Das ist wohl die anstrengendste Suche – fünf verschiedene Plätze muss ich verwerfen.

Mehr als zwei aufwändige Wendemanöver, einmal kratze ich mit der dicken Stoßstange an einer Hauswand, nehme auch wieder jede Menge Sand hinten auf dem Motorradträger mit. Das ist irgendwie nicht witzig: schöne Gegend, viel Natur, aber kein Platz.

Schließlich stehe ich am Rand von einem schwarz angelegten Garten, Blick aufs Meer, und ein paar Regentropfen.

Als die aufhören, sehe ich sogar Glühwürmchen.

Am nächsten Morgen geht es nach Sorrent

Zufällig entdecke ich die Kirche des heiligen Sankt Antonius. Da muss ich natürlich rein und üppig spenden. Schutzheilige der heiligen, Liebenden und Hilfe bei verlorenen Dingen. Üppiger Marmorboden und ein überwältigendes Decken Fresko.

Auch hier eine wunderschöne Krypta. Ich halte das alles fast nicht aus.

Sorrent ist sonnig und richtig gehend freundlich. Der Kellner im Luxus Café hat erstaunlich gute Manieren, hier muss ich zum ersten und einzigen Mal die Vespa umparken, weil ich in einer Einfahrt stand. Blöd.

Weil ich mir die Massen in Pompeji ersparen will, fahre ich wenigstens über Herculaneum. Der Zugang verrät einiges. Ich muss an den alten Qualtinger denken.

„Die Ruinen? Die sind ja alle hinich.“ anders als in Pompeji, hatten sich wohl die meisten Männer retten können.

Gefunden wurden nur wenige Frauen und Kinder, noch weniger Männer, wahrscheinlich Sklaven.

Café und weiter.

Danach nach Neapel. Ich fahre extrem gemütlich über ungemütliches Kopfsteinpflaster der Vorstadt bis an den Hafen. Dort finde ich einen Parkplatz, und denke mir, nach dem Cappuccino und Tramezzino: warum nicht einfach mit der Vespa durch Neapel? Ich Google die Sehenswürdigkeiten – die erste ist geschlossen, die zweite ist unterirdisch– Katakomben, aber alles andere scheint recht interessant zu sein. So breit wie die Straße ist, kann ich bequem abladen, vergesse aber die Kamera einzuschalten. Irgendwas ist ja immer. Die Fahrt mit der Vespa in die Stadt macht Spaß, vor allem, als ich endlich eine Tankstelle gefunden habe. Die prächtigen Fassaden Neapels in der ersten Reihe, auch in der zweiten sind beeindruckend. Dann in die Stadt.

Das beeindruckendste ist wohl die Gasse mit den Verkäufern von Miniatur Figuren. Gefühlt 50 kleine Läden, üppig dekoriert und eine echte Augenweide. So gut wie kein Kitsch, wie sonst an den Einkaufsstraße in den Touristenhochburgen.

Mittwoch 22.5.

Die Fahrt raus aus Neapel ist eine kleine Folter. Zwar fahre ich zunächst an wunderschönen Vorstadtvillen vorbei, aber die Straße ist furchtbar. Irgendwann lande ich auf einer sehr günstigen Autobahn, zwischen 0,90 € und ein Euro, und fahre weiter nach Norden.

Elisabeth erreiche ich an dem Tag nicht, beschließe daher rechtzeitig von der Autobahn runter Richtung Strand zu fahren.

Tarquino bist ein völlig verlassenes, einsames aber auf Massentourismus vorbereitetes Dörfchen direkt am Strand. Es ist fantastisch! Ich fahre mit dem Landy direkt auf den Strand, in den Schatten eines Büdchens, wo ich stehen bleiben und schlafen werde. Abendessen 15m vom Auto entfernt mit meinem Camping Stuhl, Campingliege und Rotwein– und dabei fast die Füße im Meer. Diese LEERE!!

Schöner kann man es nicht haben.

Ich schlafe fast durch, auf die zwei Tassen Kaffee kann ich ungestört am Strand nehmen.

Nur ein einheimischer kommt auf mich zu und erklärt mir, dass die Polizei was dagegen hätte. Ich beschreibe ihm, dass ich so schnell wie möglich den Strand verlasse und wir sind uns friedlich.

Donnerstag, 23.5.

Aufwachen in la Ribola bei Elisabeth.

Sonne scheint, sehr entspannt und lange geschlafen auf dem Sofa. Nicht Hans hat geschnarcht, sondern der Hund.

Ich frage noch, gibt es für das duschen besondere Anweisungen? Dann bricht die Wasserversorgung zusammen. Egal. Das wichtigste ist sauber.

Frederike macht ein wunderbares Müsli Frühstück, so entspannt wie wir alle sind ist es sehr angenehm.

Aus dem Wasserschlauch fülle ich die Wasserziege auf, Elisabeth bittet mich noch, mit ihr zwei Äste ab zu sägen, die über den Weg ragen, Sie wiederholt die Einladung zur Geburtstagsfeier am Samstag, da sage ich zu

und irgendwann fahre ich.

Richtung Siena, Stadt Elba, als ich die Autobahn Auffahrt erreiche, greift kein Gang mehr im Getriebe. Ich vermute Getriebeschaden, ADAC und Abschleppdienst gerufen, und Letzterer sagt: Kupplung. schleppt mich Nach Grosseto, zum Land Rover Händler. Kalkulation grob 2000 €.

Und der Hammer: er braucht 20 Arbeitstage. Rücksprache mit dem ADAC – Sie bieten an, die Ersatzteile schneller zu liefern, es bleibt immer noch offen, ob sie den Wagen holen (das dauert auch vier Wochen mit dem Sammeltransport) oder dort reparieren lassen.

Zwei Tage später am Samstag werde ich das klären.

Ich lade also alles was ich brauche auf die Vespa, und entscheide mich für Elba.

Vespa fahren auf der Autobahn, ob 90 oder 110 km, ist nervig laut. So richtig freuen kann ich mich auf die 700 km zurück nicht.

Ich bekomme die Fähre, 80 € sind nicht zu wenig! Mit Rückfahrt.

Auf der Fähre lade ich Handy und Akku, 1 Stunde dauert die Fahrt, das läuft alles ganz lässig. Noch auf der Fähre finde ich ein Hotel an der Südküste für 54 €. Das passt gut, zwischen sechs und sieben × 1 Stunde Vespa fahren! Dann passiert´s:

Ob die Vespa zu voll geladen ist, ein Mann findet Öl auf der Spur – auf jeden Fall rutscht sie mir vorne weg und hat jetzt graue Strähnchen auf der rechten Seite. Und ich jede Menge Schürfwunden und die Knochen tun mir auch weh.

Sonst ist zum Glück nichts passiert! Ich hab Glück gehabt, dass ich keinem Auto unter die Räder gerutscht bin, und außer den Kratzern auf der Vespa nichts dran ist.

Also weitergefahren ans Hotel , ich verfahre mich sogar noch auf eine Enduro Schotterpiste ungefähr 5 km lang, und das ist mit der voll geladenen Vespa wirklich riskant. Außerdem geht der Sprit zur Neige.

Irgendwann finde ich es und es ist wirklich die Krönung. Sonnenuntergang nach Westen ist Seebar, der ganze Strand davor nach Süden raus – das schönste Hotel bisher. Das Zimmer nach hinten raus ist mir egal, ich will raus.

Noch einen Gintonic und dann ins Bett.

Freitag, Vespa Elba !

Das beste an Elba sind die heißen Tipps an Stränden. Also nehme ich mir zwei ins Visier.

Fahre zum tanken, lassen bei der Gelegenheit den Auspuff fixieren, damit es da keine blöden Überraschungen gibt. Dann zum Strand!

Der erste, nach Norden heraus, ist recht voll. Schon jetzt, in der vor Saison. Parken 3 €

Aber Pfingstferien, wahrscheinlich sind es die deutschen.

Dann die ganze Gurkerei über die Insel – mit der Vespa ein Traum.!

Ich stoße auf ein Alpha treffen, wie ich vermute, circa 15 Alfa Romeo Cabrios. Alle das Kennzeichen M – NG

Eine Event Agentur, die diese Alpha Touren mit den Cabrios rund um die Toskana und Elba veranstaltet. Kunde in diesem Fall: Buderus Mitarbeiter…

Den FKK Parkplatz Strand lasse ich aus, also zum anderen nach Süden raus. Das ist sicherlich die schönste Strecke, die ich mit der Vespa bisher gefahren bin: nicht nur kein Müll, sondern astreiner Asphalt Und das Beste: Kurven und wunderbare Aussichten!

Hin und Rückfahrt zum Strand sind schöner als der Strand selbst, weil aber Freitagnachmittag ist, gönne ich mir einen Aperol Spritz mit Strand Blick.

Dann nach Hause ins Hotel. Ich bekomme noch den Sonnenuntergang mit, zum Abendessen das Menü, nach zwei Glas Rotwein ganz friedlich und ein bisschen schmerzfreier ins Bett.

Samstag, Abschied von Elba.

Mal wieder tanken, das muss mit der Vespa öfter passieren, Dann nach Norden, Richtung Hafen. Direkt neben an liegt das Haus, in dem Napoleon im Exil gelebt hat. Kein Vergleich zu Linderhof, war ja auch ne andere Zeit, aber trotzdem ein schöner Anblick. So kann man leben.

Ich gönne mir ein kleines Mittagessen aus Pulpo, kleiner Weißwein, Mineralwasser und Cappuccino, und dann fahre ich zum Hafen. Stündlich Geht die Fähre, und weil die Uhr stehen geblieben war, hätte ich die um 15:00 Uhr fast verpasst. Lege mich in die Hängematte zwischen die beiden Luxusyachten und genieße das Leben.

10 Minuten bevor die Fähre ablegt, komme ich an Bord. Kein Pferd springt höher als es muss.

Jetzt 1 Stunde mit der Vespa nach Grosseto, Reparatur klären. Gar nichts klärt sich.

Ich nehme noch ein paar Kleinigkeiten, Sakko und Hemden aus dem Auto mit, verlade das auch noch auf der Vespa und dann geht es nach Ribolla, zur Stiefschwester. Die feiert ihren 70. Geburtstag in ihrem Refugium. Nach zwei Glas Rotwein trage ich ihr zu Ehren, das Gedicht von Wilhelm Busch, summa summarum vor, aber das passt ja auch wieder nicht.

Lagerfeuer, Feuerschale, nette Plauderei mit Heike und Christian, irgendwann, gegen 11:30 Uhr schon früh ins Bett.

Sonntag, 26. Mai

La Ribolla. – After Party work… Nach dem Abschied von zwei Stiefbrüdern, der Stiefschwester und den Freunden dort geht es endlich nach Siena.

Die kleine gelbe Straße habe ich natürlich verpasst, aber ich finde einen Parkplatz direkt in der Uni.

Portmonee, Brieftasche, Autoschlüssel. Mehr brauche ich nicht für den Spaziergang zum Dom und zum Campo.

Im Dom beginnt gerade eine Messe, und das ist wirklich beeindruckend. ich bin oft dankbar, wie schön sich die Dinge auf dieser Reise fügen.

Aber Sienna ist rappelvoll, auf dem Campo, einem Campari Soda neben Amerikanern, die natürlich viel zu laut sind und ich fahre weiter. Das Gehen macht mir etwas Schwierigkeiten, bis ich endlich diesen handtellergroßen, blauen Fleck auf meiner Hüfte entdecke. Mir fehlt die Schlafgelegenheit im Landy! Hier ist die Toskana extrem weitläufig, es gibt Stichstraßen ins nirgendwo, und es wäre wirklich wunderbar. Andererseits habe ich die Weitläufigkeit der Toskana unterschätzt. Von Riva nach Sienna waren es angeblich nur 60 km, und obwohl ich auf der Autobahn gelegentlich über 90 oder 110 fuhr, habe ich doch mehr als 1 Stunde gebraucht.

Das Gleiche auf dem Weg, rückwärts, nach Süd Osten Richtung Pienza.

Die Ferienwohnung, für 54 € liegt total versteckt, ist aber für mich perfekt. Stephanie, die Hausbesorger entschuldigt sich tausendfach, dass noch nicht alles fertig ist – mir egal.

Katastrophöfchen des Tages: ich reise wohl das dritte iPhone Ladekabel ab.

Das ist deswegen Stress, weil ich mich mit dem iPhone in der Pampa orientieren will. Also greife ich auch wieder zur Karte, die ist ein bisschen eine Hilfe, auch wenn sie mir nicht zeigt, wo ich gerade stehe.

Ich mach mich fein für meine Lieblingsstadt, weißes Hemd, Sakko, die guten Schuhe und ab geht es nach Pienza.

Vor 42 Jahren hatte ich mir einen schwarzen Spitfire gekauft, und mit Freund https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Leyer-Pritzkow  waren wir eine Woche in der Toskana unterwegs gewesen. Er hatte mir damals Pienza gezeigt, und ich hatte mir vorgenommen: da fahre ich mit der Vespa noch mal hin und jetzt ist es endlich soweit.

Auf dem Weg entdecke ich San Filippo Therme, Kalk Wasserbecken. Alles natürlich ganz weiß, unten schlammig, aber weil ich das Badezeug dabei habe, springe ich kurz rein. Was heißt schon springen?

In der Abendsonne, hier sind die Alleen tatsächlich mit Zypressen gesäumt, Geht es nach Pienza. Ich kann es kaum erwarten, vermute den Touristen Horror. Das hält sich aber in Grenzen. Diesmal besichtige ich Dom, kostenlos und den Piccolomini Papst Palast – ganz alleine, für fünf Euro. Der Gang durch die Gassen ist echt erhebend, ein so schönes Kaff kann man sich fast nicht ausdenken.

Endlich in Pienza! Von einem Balkon aus im Palast kann man auf das ganze Umland sehen. Foto gemacht, klar. Und unterhalb vom Balkon ist dann mein wunderschönes, teures, kleines Abend Restaurant. Die ganze Jeunesse Doree der Toskana flaniert an mir vorbei und einen schöneren Ausblick kann man zu seinem Tatar nicht haben. Rotwein ist Sangiovese, das Blut Jupiters und dazu heißt er auch noch Morello.

Vor mir sitzen zwei ganz entzückende Damen, fortgeschrittenen Alters, zierliche Figur und unendlich hohe Stöckelschuhe. Irgendwann zwischen sie ab, kommen wieder und Posen vor mir, um Selfies zu machen. Die Chance, Ihnen das fotografieren abzunehmen und sie genauer kennen zu lernen, lasse ich verstreichen.

Weil alle Geschäfte schon zu sind, es ist ja auch Sonntag, brauche ich auch keinen Rotwein mehr für zu Hause, ziehe mir meine winddichte Jacke an und bin endlich endlos glücklich, es dorthin geschafft zu haben. Heimweg weinselig.

Durch den winzig kleinen Durchgang komme ich ins gelb gestrichene Bad und dusche noch mal heiß, dann ins Bett.

Montag 27. Mai

Das Schöne an der Pension Nicola ist, sie hat drei oder vier oder zehn Öfen, ich weiß es nicht, eine funktionierende heiße Dusche, und das Beste: Milch auf Vorrat, 1/2 l für die deutschen Gäste. Der Morgen ist also gerettet. Außerdem scheint die Sonne, heute kommt die ganz große Toskana Tour. Gelbe Straßen, mit grünem Rand und ohne MittelLinie.

2 Stunden brauche ich ab 9:30 Uhr, um wieder in Montemassi anzukommen, um dann von Massa maritima nördlich zu fahren. Und das ist wirklich heftig. Kurvenreich ist kein Ausdruck. Es geht durch Wälder, Eichen, Wälder und maximale Geschwindigkeit zwischen zwei Kurven ist 60.

Der eigentliche Spaß: nicht in die Kurve einzutauchen, sondern aus der Kurve heraus, Berg rauf, Gas geben und in den Himmel beschleunigen. Morello hat eben den nötigen Wumms.

Nachdem ich den waldigen Teil hinter mir habe, mache ich vor Volterra Saline eine kleine Mittagspause, bestelle mir ein Salami Brot, klitzekleines Glas Weißwein und einen Cappuccino.

Neben mir sitzen vier Franzosen auf ihren Touren Maschinen. Als sie aufstehen, muss einer völlig hemmungslos und heftig stöhnen. Ich lache, kenne den Schmerz und lache. Er lacht mich aus, wegen meines Sturzes mit der Vespa. Alt werden, und das Leben genießen – das ist wohl die Kunst.

Danach bin ich noch ein bisschen entspannter, fahre auf Volterra zu und mache eine kleine Verschnaufpause mit Bergblick.

Als ich die Straße überquere, übersehe ich die AsphaltKante, knicke mit dem Fuß um und liege auf dem Boden am Straßenrand. Alter, müde, dösig? Ich weiß es nicht, aber es ist deprimierend. Auch wenn ich mir diesmal nicht weh tue.

Der Wind weht über das noch grüne Gerstenfeld, der Blick geht unendlich weit, außerdem ist es im übrigen ziemlich still.

Da kann ich ja mal mit Mutter telefonieren.

Volterra. Auch ein wunderschönes Städtchen, perfekt erhalten auch im Einzelhandel keine Peinlichkeiten. Hohle Geld und besichtige den Palazzo Vitti.

Reich geworden sind die Leute mit dem Handel von Alabaster, jetzt ist es wohl eine ganz normale Familie mit unendlich viel “altertümsche und Stehrömsche” in der Sammlung. Es ist ein Riesenunterschied zum Palazzo Piccolomini, der auch noch benutzt wird.

Im Straßencafé buche ich das Hotel in San Gimignano, 64 € sind nicht zu viel. Auch wenn ich jetzt lieber im Landy schlafen würde, hier gibt es so viel schöne Plätze, und es ist nicht mal der Geiz, sondern einfach der Genuss an der Freiheit, was ich vermisse. Der Himmel zieht sich ein bisschen zu, möglicherweise ist es morgen ganz trübe und dann geht es wirklich nach Norden.

Jetzt ist auch noch ein bisschen Stress. Entweder der Akku oder das Ladekabel spinnt – jedenfalls bricht mir 6 Minuten vor der Ankunft im Hotel das Handy zusammen.. Also fahre ich war in die Pferdekoppel, aus dem Shakern mit der Stute wird Nix, weil der Besitzer kommt, ich fahre nach der Nase weiter und gar nicht so schlecht. Als das Handy wieder anspringt, habe ich noch 3 Minuten.

Beim einräumen plaudere ich mit einem Kanadier aus Québec, netter Typ, ein Italiener hilft mir mit den Türschlösser. Und weil ich eingekauft habe und noch etwas Salami übrig ist, gibt es Abendessen mit Sangiovese, Oliven und Salami Brot. Mit Aussicht in die schönste Landschaft.

Das beste an dem Apartment ist die Sitzdusche. Funktioniert, heiß, und danach kann ich richtig gut schlafen.

Montag, 27. Mai

Das Frühstück ist weniger als mager. Die Kaffeemaschine funktioniert nicht, und die Brote aus der Folie mag ich nicht. Immerhin gibt es zwei Joghurt und einen kalten Kaffee.

Also nach San Gimignano.

Jetzt verstehe ich auch so langsam, wie es zu der Fehleinschätzung der Fahrzeiten bei Maps Google kommt. Die rechnen Luftlinie mal durchschnittliche Geschwindigkeit – und kommen auf einen irrsinnigen Wert-  ohne Kurven!

Nach einer halben Stunde – Statt 16 Minuten –habe ich mich nach San Gimignano gekurvt.

Nicht ganz so versoffen wie Montalcino finde ich am Hauptplatz immerhin ein geöffnetes Café. Und hier kommt der Stress. Die Nachbarin wünscht eine handgeschriebene Ansichtskarte, der ADAC ruft an und wünscht Infos zur Reparatur. Und bei all diesen Wünschen vergesse ich natürlich die Adresse auf der Postkarte an das Team der Firma.

Egal.

Ich will über Florenz und Bologna nach Verona. Sind netto 3 Stunden mit der Vespa über die Autobahn.

Ein Highlight italienischer Autobahnen: die überflüssigen Panoramastrecken. Durch ganz viele Tunnel führt der direkte Weg. Die Panoramastrecke dagegen ist völlig leer. Keine vollen Tunnels, ich bleibe am Beginn eines solchen stehen als es zu regnen anfängt. Und die Stille ist fast gespenstisch.

Ich ziehe Regenmantel und RegenHose an, fahre weiter bis an die nächste Raststation. Dort gibt es endlich das richtige Ladekabel und eine Cola. Und ich stelle mich unter, dass es nach einer halben Stunde wieder aufhört zu regnen.

Centro Florenz ist natürlich für Autos und alle anderen gesperrt. Und die Kurverei durch die Stadt, durch die Touristen – das macht keinen Spaß. Vor dem Palazzo Pitti gönne ich mir ein Eis, dann haue ich ab.

Nur noch 2 Stunden bis Verona. Wir schaffen das!

Auf der geraden Strecke nach Verona, etwas langweilig, scheint aber sonst die Sonne.

Vor der Uni finde ich eine Kneipe, zwei kleine Glas Weißwein und ein Focaccia.

Das Handy ist aufgeladen, das Hotel gebucht, 54 € für drei Sterne sind okay. Eine halbe Stunde von Verona entfernt auf dem Weg zum Gardasee – das Hotelzimmer hat sogar Sonnenuntergangsblick.

Was mich fertig macht, sind die kleinen Verluste zwischendurch. Ladekabel, Kopfhörer, und so geht es die ganze Zeit:

Irgendwann hatte ich die Tasche an den Auspuff gelehnt, der Plastikverschluss war geschmolzen – und dort hinaus gefallen ist auf der Fahrt meine Bose Lautsprecher Box. 180 € weg.

Ich weiß ganz genau, wo ich meine Bose Box verstaut habe. Das macht mich wirklich fertig, was ich für Dinge verliere. Von den ganz großen Verlusten will ich gar nicht sprechen. Aber irgendwie bekomme ich das nicht unter die Füße.

Gute Nachricht noch am späten Nachmittag per E-Mail: vielleicht war es gar nicht die Kupplung, sondern eine Antriebswelle, die kostet gerade mal 140 €.

Die Werkstatt soll prüfen, ob die defekt ist,

Erst wenn die in Ordnung ist, kommt die neue Kupplung.

Im Hotel finde ich meine Ruhe, das Frühstück ist inklusive und schon habe ich wieder etwas, worauf ich mich freuen kann.

Morgen, Mittwoch, um Runde ich den Gardasee

Mittwoch 29.5.

Okay, das war das schlimmste Frühstück, dass ich hier in Italien genossen habe. Der Kaffee war unter Jugendherbergsniveau. Pappbecher für den Orangensaft, Mortadella und ein Käse.

Eingepackt, losgefahren, nach Lazise sind es nur 6 km. Um nach LaSiSe rein zu kommen, muss man auf einem großen Parkplatz. Und der war so voll, dass die Schlange ungefähr eine halbe Stunde brauchte. Ich bin dran vorbei, im Café nautica ein Croissant und einen gescheiten Cappuccino, und dann bin ich ganz verzweifelt: Gardasee – ja oder nein?

Ob Lazise, Bardolino oder Garda – es ist einfach zu voll, zu hässlich, zu touristisch. Ich will mir doch nicht mit den letzten Tagen die schönen Erinnerungen versauen?!

Sehnsuchtsort erster Wahl war immer Punto San Vigilio.

Wollte ich doch nicht immer schon einmal noch übernachten? Hier tragen sie immerhin weitgehend Hemden und Blusen, statt Fußball T-Shirts.

Vielleicht, wenn ich den Landy zurückholen werde, auf der Rückfahrt…?

Und da bin ich jetzt, trinke mir meinen Aperitif und dann geht es nach Norden.

Und dann die Überraschung. Hinter Torri wird es erstaunlich zivilisiert, fast ruhig. Ich stelle die Vespa an den Straßenrand und gehe tatsächlich noch mal ans Wasser, lerne einen netten Briten kennen, der in Norwegen wohnt, bekomme aber dann Hummeln im Hintern.

Der Plan: fahren bis 6:00 Uhr und schauen, wo ich dann bin. Leider dröhnt die Vespa. Irgendwas am Auspuff. In Bozen fahre ich raus, finde ganz versteckt eine riesengroße Vespa Werkstatt und der Chef sagt: das hält, da fehlt nur ne Dichtung.

Also laut weiter. Hinter Bozen in die Berge. So steil bin ich noch nirgends rauf gefahren. Aber die Vespa zieht ja alles. Herrliche Aussichten, wunderschöne Strecke, es hat sich gelohnt!

In Weißenbach finde ich ein kleines Hotel, 48 € die Nacht. Eine riesige Brotzeitplatte, ein Rotwein, ich bin geschafft von der Fahrt und freue mich auf die Reststrecke morgen. Eventuell über das TimmelsJoch, wenn es nicht gesperrt ist.