1.) Ansage Sohn, (5), noch bevor er den Stiefvater kennenlernt: „Den Neuen, den töte ich!“ Von hier:
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/296/Der-Tag-an-dem-Papa-auszog
2.) eigene Erfahrung. Ihr Mütter müsst noch viel, sehr viel lernen. Wir Patchworkväter- auch.
3.) das Drama kann sich auch erst ganz am Schluss offenbaren, wenn das geliebte Stiefkind zur Hochzeit einlädt, wie hier im Clip, kurz, knapp und schmerzhaft: https://www.facebook.com/sixxTV/videos/1247461705264306/

Als SIE es zum ersten mal aussprach, Melanie Mühl, „Die Patchwork- Lüge“, brach ein shitstorm über sie herein. Dennoch hat sie recht. Warum?

(Auszug aus: „Die wahre Kraft des Mannes“ erschienen bei Komplett- Media, Grünwald, DAS Männerbuch gibt’s im Buchhandel oder bei AMAZON, dazu das Video auf Youtube)

Und das fundamentale Scheitern betrifft auch Stiefmütter: „Im Nachhinein bin ich sicher, dass ich die Verliererin bin, weil ich niemals in dieser Zusammensetzung gewinnen konnte.“ Aus dem Stiefmütterblog.

„Weswegen ich allein erziehende Mütter meide …
– und warum ich dennoch eine geheiratet habe“

Heute, da spezifisch männliche Erziehungs-Ideale sich in Auflösung befinden, ist Vaterschaft viel schwerer geworden. Und das gilt umso mehr für die Väter von Kindern aus Scheidungsehen und für die neu in Partnerschaften zu allein erziehenden Frauen hinzutretenden Stief- oder neudeutsch „Patchwork-Väter“.
Das Dilemma ist uferlos. Für beide Väter steht der Erziehung, der Verantwortungsübernahme die zwar in der Regel überforderte, aber per Gesetz machtvollere Mutter entgegen. Die entsorgten Väter sind mindestens ebenso chancenlos wie die als Nebenväter geduldeten „guten Freunde für das Kind“. Das letzte Wort, damit das Machtwort, hat immer die Mutter. Da lernt der Sohn was für´s Leben! (Bevor er das zulässt, übernimmt und lebt er lieber die von der Mutter geleugnete Schattenseite und schwingt sich zum Tyrannen auf.)
Bleiben wir zunächst bei den Patchwork-Vätern, denn bei ihnen kristallisiert sich viel klarer das verquere Familienbild und die Dauer-Katastrophe der emanzipierten Frau und die Folgen für die Beteiligten heraus:
Es war für mich erstaunlich zu erleben, wie sich bei meinem ersten Urlaub mit einer alleinerziehenden Mutter mein Verhalten und in der Folge mein Selbstwert änderte. Natürlich hatte ich aus ihrer Sicht als kinderloser Mittzwanziger „überhaupt keine Ahnung“ von Kindererziehung, und daher im Alltag auch nichts zu sagen. Also zog ich mich innerlich zurück und wurde immer entscheidungsschwächer. Schließlich war es IHR Kind, klar, aber mein Gefühl, meine Werte, all das, was eben in einer Partnerschaft auch zählt, waren nichts wert im Hinblick auf das Kind. Weil mein „Entscheidungsmuskel“ binnen weniger als einer Woche erschlaffte, ließ auch ich mich innerlich gehen, wurde vergesslich, trottelte Mutter und Kind nach.
Exkurs: Um diesen Prozess zu verstehen, muss man sich die Situation aus systemischer Sicht vor Augen führen: Ein System besteht aus Elementen und Moduln, die in Beziehung zueinander stehen. Die besonderen Verhältnisse, die Größen-, Einfluss-, Macht und Entscheidungsverhältnisse im System nennt man Struktur. Diese Struktur ist nicht fix, sondern sie verändert sich und beeinflusst wechselseitig die beteiligten Elemente.
Der Einfluss und Machtverhältnisse waren in traditionellen Familien in der Vergangenheit festgelegt, z.B. in der römischen Familie entschied die Frau im Haus, der Vater außer Haus, in der autoritären Familie entschied äutoritär der Mann, unterwürfig gehorchte die Frau.
Exkurs Ende
Klare Strukturen klärten vor allem eines: „Wer trägt Verantwortung?“ Und in der Regel bekam der, der Verantwortung trug, dafür auch Gehorsam, Respekt (Be-)Achtung. Auch und besonders für die Kinder sind diese klaren Strukturen für die Entwicklung ihrer inneren Sicherheit, der Entwicklung stabiler Werte wichtig. 1
Diese strukturelle Klarheit ist in der Folge der 68er Bewegung massiv in Frage gestellt worden. Aus „Keine Macht für Niemand!“ entstand die unbewusst und geschlossen entschiedene Verantwortungslosigkeit. Dies sah Hannah Arendt voraus, als sie bereits 1958 erkannte: „Die Autorität ist von den Erwachsenen abgeschafft worden, und dies kann nur eines besagen, nämlich dass die Erwachsenen sich weigern, die Verantwortung für die Welt zu übernehmen, in welche sie die Kinder hineingeboren haben.“ 2
In jeder Organisation entsteht eine informelle Hierarchie aus der Dauer der Zugehörigkeit. Wer früher in ein System eintritt, wird z. B. bevorzugt bei Beförderungen. Ähnlich verhält es sich in Patchwork-Familien, und das führt zum Dilemma zwischen Kind und Patchwork-Vater: Das Kind ist zwar Kind, daher erziehungs- und fürsorgebedürftig. Aber im Vergleich zum Stiefvater eben „früher ins System getreten“, und steht darüber hinaus der Mutter (die aus persönlicher Verantwortung heraus immer das letzte Wort hat) näher als der „neue Mann“. „Viele Männer berichten hier über erlebten Druck, unausgesprochene Zweifel, Schuldgefühle und kinderbedingte Zwänge von den ersten Tagen der neuen Beziehung an – eine ungünstige Voraussetzung für den Aufbau einer stabilen Partnerschaft.“.3 Damit hat er die sogenannte Arschkarte. Obwohl er als Mann und als Erwachsener durchaus willens und vielleicht sogar aus eigener Erfahrung mehr als fähig wäre, Erziehungsverantwortung mitzutragen, bereichernd mitzuwirken in der Übung, (risikobehaftete) Chancen zu zeigen oder Grenzen zu setzen und diese dem Kind zu vermitteln, ist er im System Mutter-Partner-Kind das schwächste Glied der Kette, der Dumme. Im Ernstfall (und im Kampf um die Aufmerksamkeit der Mutter ist dieser für das Kind in seiner Schwäche immer gegeben) wird diese Vor-Macht-Stellung auch gnadenlos gegenüber dem Fremden ausgenutzt. Ein Kind ist in seinen Ansprüchen (Zeit, Geld, Aufmerksamkeit, Verständnis) einerseits und in seiner Ohnmacht der Welt gegenüber grenzenlos. Und das darf es sein. Es spürt weiterhin ganz genau, wer in einer Elternbeziehung der Schwächere ist, und um die Wurzeln seiner Existenz, die Elternbeziehung, zu schützen und zu erhalten, stellt es sich auf die Seite des Schwächeren der getrennten Eltern. Aus juristischer Sicht (auch dies ist Teil der „Struktur“!): der Vater.
In der Patchwork – Familie potenziert sich der Fehler der neuen Familie: Die relativ größere, die unangemessen höhere Bedeutung des Kindes im Vergleich zur Partnerschaft. In der Vergangenheit waren Einzelkinder die Ausnahme, Mehrfamilenkinder die Mehrheit.
Unter diesen Mehrfamilienkinder gab es einen Konsens: Einzelkinder sind anders, weil sie nie auf Geschwister Rücksicht zu nehmen gelernt hatten, auch rücksichtslos und oft auch verwöhnt. Die Verhältnisse haben sich umgekehrt: Mehrfamilienkinder sind seltener geworden, Einzelkinder sind die Regel. Diese Einzelkinder stehen im Mittelpunkt des Interesses der Eltern, für die Eltern ist das (einzelne, das EINZIGE!) Kind wichtiger als ihre Beziehung und der Partner. Damit machen sie das Kind im Umkehrschluss (mit-)verantwortlich für das Funktionieren der Partnerschaften. Nicht nur, dass das Kind damit überfordert ist- wenn der systemische Fehler in die Patchworkfamilie hinein getragen wird, kann und wird auch diese so nicht funktionieren!
Erziehung besteht auch in der Übung von Verzicht, denn Versagungen müssen ausgehalten werden, schon weil die Finanzen begrenzt sind. Und hier beginnt das Dilemma des Patchwork- Vaters:
S. Freud antwortete auf die Frage, was wollen Frauen wirklich? „Ich weiß es nicht.“ Frank Farelli (USA) hat es herausgefunden: „More!“ Dem Fischer seine Frau, die Ilsebill, sie lebt und ist heute mächtiger denn je! Frauen sind ebenso in ihrem Anspruch grenzenlos. Und weil „Mehr!“ immer besser ist als genug oder gar weniger, wollen sie immer mehr, alles für sich und das Kind. Das ist gut so und verständlich, denn Menschheitsgeschichte ist Mangelgeschichte – die Überflussgesellschaft ist gerade mal 50 Jahre alt. In Zehntausenden von Jahren ist der Kampf gegen das Mangelgefühl erb-biologisch den Menschen eingewoben. Wenn also Mutter UND Kind sich in einer permanenten Mangelsituation fühlen – wer sollte dem mittels ruhigem Verstand Grenzen setzen, wenn nicht der Mann? Als Außenstehender bleibt man hier: chancenlos. Denn setzt ein Nicht-Angehöriger „des Systems“ der jungen, bedürftigen Familie eine Grenze, verweigert er und ist deswegen eine unterschwellige Bedrohung.
Auch und gerade wenn ein Mann die alleinerziehende Mutter sehr liebt und diese Liebe ebenso erwidert wird, dann kann ein Mann nichts richtig machen: Denn je näher er der Frau steht, desto „gefährlicher“ ist er für die Kinder! Originalzitat einer Tochter meiner damaligen Freundin: „Wenn einer von uns beiden sterben müsste, und DU (die Mutter) müsstest entscheiden, wer dürfte überleben?“
Diese Ansage kann auch ein brutales Machtspiel sein. Ich gehe eher davon aus, dass das Kind die ganze Dramatik tatsächlich so empfunden hat!
„Viele Eltern lassen sich einfach zu rasch, zu überstürzt, aus einem momentanen Affekt heraus scheiden – oft sogar aus vergleichsweise banalen Gründen. Dies dürfte, im Interesse der Kinder, nicht sein. In vielen Fällen könnte eine Beratung oder Paartherapie helfen – oder auch etwas mehr Toleranz den Macken des Partners gegenüber“.4
Weil die Eltern die Trennung meist als überfällige Beendigung von dauernden Streitigkeiten und daher als Erleichterung empfinden, vermuten sie, dass die Kinder das ebenso sehen. Hier irren sie gewaltig. Der Münchner Familienpsychologe Hans Dusolt hat im Auftrag der Familiengerichte viele Gutachten erarbeitet und viele Kinder interviewt. Fast alle, sagt er, würden es vorziehen, wenn Mama und Papa zusammen blieben.5 Mit der Scheidung fängt für die Kinder die seelische Katastrophe also erst richtig an!6 Die Folgen sind kurzfristig und langfristig erkennbar. Je nach Alter treten Bettnässen, drastisch sinkende Schulleistungen, soziale Probleme in Kindergarten und Schule zutage. Zwar werden die psychischen Folgen der Scheidung zurzeit noch kontrovers diskutiert, die Mehrzahl der Studien belegt allerdings Langzeitschäden für die Kinder, bis ins Erwachsenenalter: Scheidungskinder haben eine signifikant höhere Scheidungswahrscheinlichkeit in ihren eigenen Ehen.
Wenn das Kind nun schon die räumliche Trennung der Eltern nicht verhindern konnte, sie im Laufe der Zeit vielleicht hingenommen hat, welche Bedrohung muss dann erst ein neuer Partner für die Hoffnung des Kindes sein, die Eltern könnten wieder zueinander finden? In der Mythologie wird das Verhalten solcher Söhne als „Telemachos“-Komplex bezeichnet. Telemachos war der Sohn des Odysseus, der die Schwelle zum Schlafzimmer seiner Mutter bewachte, um die Ehre des Vaters zu schützen. Telemachos lebt, auch heute. Täglich werden mehr als 400 neue Telemachos aus Scheidungen nachgeboren. Und was sagte der kleine Leo am „Tag, als Papa auszog“: „Den Neuen, den töte ich!“7 Patchwork- Vater: Er meint DICH!
Paare, die es schon nicht als Eltern schaffen, das Familienfundament zu tragen, schaffen es nicht unbedingt leichter mit einem neuen Partner. Denn die „alte“ Elternschaft hat Priorität vor der neuen, kinderlosen Beziehung und belastet diese. Zuvorderst liegt da noch ein Problem beim Kindsvater, der zwar in fast 1/3 der Fälle entsorgt ist (aktiv oder passiv), in den anderen Fällen aber mit einigem Recht auf Erziehungsansprüche ungern verzichtet oder diese bei Fremden, ebenfalls zu Recht, zum Schutz seines Kindes zurückweist. Die Klagen der abgeschobenen und entsorgten Väter um den Umgang mit den gemeinsamen Kindern durch verweigernde Mütter sind Legion: „… in unserem Rechtsstaat kann es Menschen, weit überwiegend Vätern, widerfahren, dass gegen ihren Willen und ohne ihnen anzurechnendes schuldhaftes Verhalten ihre Ehen geschieden, ihnen ihre Kinder entzogen, der Umgang mit diesen ausgeschlossen, der Vorwurf, ihre Kinder sexuell missbraucht zu haben erhoben und durch Gerichtsentscheid bestätigt und sie zudem durch Unterhaltszahlungen auf den Mindestbehalt herabgesetzt werden. Die Dimensionen solch staatlich verordneten Leides erreicht tragisches Ausmaß und sollte seinen Platz auf der Bühne, nicht in unserer Rechtswirklichkeit haben.“8
Und Kinder spüren diesen Schmerz auf einer unbewussten Ebene. Auch das macht es für Patchwork-Väter nicht einfacher:
Hier ist neue Männersolidarität gefragt, nicht zuletzt zum Wohl der Kinder!
Ein Mann, der weiß, dass eine Frau zu „haben“ eben auch Verantwortung tragen bedeutet, besonders bei einer Mutter; der mit der damit verbundenen Macht umsichtig umzugehen weiß, der „nimmt“ auch keine gebundene Frau. Die ist nicht nur tabu, weil er den Ehemann und dessen Verantwortung und Gefühle achtet (er möchte doch selbst auch nicht als „Gehörnter“ verletzt werden), sondern auch aus Egoismus, weil er seinen Selbstwert achtet. Er weiß, dass eine Frau, die im Herzen nicht frei für ihn ist, ihn demütigen wird, indem sie in den entscheidenden Momenten dem vorherigen Mann und den Kindern den Vorzug geben wird. Wo der vorherige Mann nicht mehr „da“ ist, als Ex und „Erzeuger“ vielleicht noch geduldet wird, steht immer das Kind zwischen Mutter und Stiefvater.
Schon in der Herkunftsfamilie wird das Kind oft genug als Beziehungs-Kitt missbraucht: „Ohne dich wären Papa und Mama schon lange nicht mehr zusammen – wir leiden aneinander nur wegen DIR!“ Ob als Haltung oder konkrete Ansage, es ist ein Missbrauch am Kind, denn ihm werden die Probleme des Elternpaares angelastet! Ein Paar ist zunächst füreinander da, zum Segen des Kindes, nicht das Kind zum Segen der Eltern, denn damit wird es überfordert.
In der Reihenfolge der Bedeutung muss die Alleinerziehende erst an sich denken, um zweitens das Kind versorgen zu können. Beide sind mehr oder weniger fixiert auf den an dritter Stelle stehenden leiblichen Vater, der, ob an- oder abwesend, mit entscheidet (z. B. Wochenend- oder Urlaubsplanung). Und dann, an vierter Stelle, kommt dann der Neue. Wenn alle Mitglieder der Ex-Familie ihre Bedürfnisse formuliert und berücksichtigt finden, dann darf der Neue auch mal was sagen.
„Meist sind es die neuen Partner, die erst einmal lernen müssen: Dass die Kinder immer an erster Stelle kommen.“9 Das wird, ungefragt und selbstverständlich von der Autorin als Tatsache hingestellt. Aber muss das so sein? Vermutlich.
Als Mann mit gesundem Selbstwert tue ich mir eine solch fortgesetzte Zurücksetzung, die nichts mit mir persönlich zu tun hat, sondern systemimmanent ist, doch gar nicht an!
Wenn wir Männer uns grundsätzlich und absolut zurückhalten würden bei der Beziehung zu Alleinerziehenden, dann würde manche Frau sich vielleicht die Trennung auch etwas reiflicher überlegen – was letztendlich, zieht man die Erziehungsproblematik fehlender Väter und bei Scheidungskindern generell in Betracht, zum Wohle der Kinder wäre. Denn wie schreibt ein erwachsenes Scheidungskind, den Vater anklagend: „Mein Vater hat sein Eheversprechen nicht gehalten. Deshalb konnte ich nichts von ihm lernen. Meine Mutter hat mir nichts über Männer beigebracht.“ Das scheint der größte Schaden für Scheidungskinder zu sein: Die Eltern haben keine Vorbildfunktion. Sie sorgen nicht für die wichtigen, sicheren inneren Instanzen, die Voraussetzung zur Identitätsbildung von Kindern sind.“ 10
Meine Konsequenz: Zum Ersten würde ich als „Guter Mann“ heute nicht wieder in eine Ehe einbrechen. Der Treueanspruch an Mann und Frau ist hoch, er lässt sich wohl nicht absolut verwirklichen, aber wir Männer haben ihn zu niedrig gehalten! Das Scheidungsrecht hat es den Frauen da leicht gemacht, leichter zumindest als den Männern11, wenn es um die dahinter liegenden Versorgungsansprüche geht: „Denn dieses sog. Ernährermodell ist durch die deutsche Scheidungsgesetzgebung vor allem für Männer untauglich und gar zum Risiko geworden: Eine Frau hat prinzipiell das Recht, eine Ehe einseitig zu beenden, worauf diese dann als zerrüttet gilt. Der Mann kommt aber nicht aus den Verpflichtungen heraus, er kann also ohne Zutun in eine schlechte Position geraten und über Jahrzehnte zu Zahlungen verpflichtet werden. Die üblichen Regelungen bzgl. der Kinder runden das Bild ab. Diese Dinge riegeln speziell bei aufgeweckten Männern den Wunsch nach Kindern komplett ab. Dies zeigen auch entsprechende Untersuchungen. Das wäre in jedem vergleichbaren Fall aber ganz ähnlich. Wenn ich als Arbeitnehmer das prinzipielle Recht besäße, ohne Begründung meinen Arbeitsplatz zu kündigen und dabei ein Recht auf Gehaltsfortzahlung erlangte, würde es über kurz oder lang keine Arbeitnehmer mehr geben. Arbeitgeber würden dann lockere Beziehungen zu jungen, dynamischen und leicht austauschbaren Freiberuflern bevorzugen“.
Auch die gemeinsame Erziehung nach der Scheidung liegt im Argen, das „Cochemer Modell“, die gemeinsame Elternschaft auch nach der Trennung12 aufrechtzuerhalten, ist kein Pflicht-, sondern ein aus Sicht der Kinder zu selten gewählter Ausnahmefall. Weswegen die von der Fortsetzung des Unrechts profitierende Scheidungsindustrie aus Anwälten, Jugendämtern, Psychologen … es auch ablehnt. Tausendfach wird dieses Leid der Kinder von scheidungswilligen Eltern und Richtern in Kauf genommen, wobei fast 80 % der Trennungen von den Frauen ausgehen.
Im Kern geht es mir um das Wohl der Kinder, und das leidet unter der Trennung der Eltern, weil die Untreue und in der Folge die Trennung seine Wurzel, nämlich die Liebe der Eltern zueinander, die Familie bedrohen. Zwar habe ich auch die überraschende Erfahrung gemacht, dass ich mit meiner für die Kinder neuen Offenheit als „neuer Freund“ für Mutti, gerade bei Töchtern, durchaus willkommen war. Aber langfristig, wenn es an die wunden Stellen im Beziehungsalltag geht, fällt der neue Partner immer gegen den leiblichen Vater zurück, egal, wie falsch der sich objektiv verhalten haben mag: „DU hast mir gar nichts zu sagen, du bist nämlich nicht mein Papa!“ Damit hat das Kind Recht! Und wenn es noch einen drauflegen will, ergänzt es, vielleicht schweigend in Gedanken: „Und wenn du nicht spurst, mach ich hier solch einen Terror, dass du in zwei Tagen von Mutti rausgeschmissen wirst – du bist nicht der Erste, der gehen muss, denn nach Papa bist du austauschbar …!“ Die Erfahrung spricht dafür, dass Kinder die neue Beziehung auf Dauer als „Gift an der eigenen Wurzel“ bekämpfen: Leo, 5 Jahre, sagte beim Auszug seines Vaters: „Den Neuen, den töte ich!“13
Der neue Partner mag ja manches attraktive Attribut (Zeit, Aufmerksamkeit, vielleicht besseren finanziellen Status) mitbringen, doch in der Nähe zur Mutter nimmt er dem Kind etwas, das er durch nichts ersetzen kann. Das gilt besonders für die Söhne alleinerziehender Mütter, die oft in deren Bett schlafen müssen und von ihr emotional als „Prinz“ oder gar Partnerersatz missbraucht werden. In diese für den Burschen zwar oft ungesunde Nähe und Intensität bricht der Stiefvater fast immer als Störfaktor in eine eingespielte Gemeinschaft ein. Alleinerziehende Mütter erwarten (grundlos!), dass sich der neue Partner in die Erziehung finanziell mit einbringt. Aber nur so weit, wie es ihre Bereitschaft erlaubt, auf Verantwortung und die damit verbundene Macht zu verzichten. So erfreulich der Umgang mit Kindern im Allgemeinen ist, es ist eben nicht nur ein Zuckerschlecken, sondern bringt Konflikte mit sich! Dazu kommt für den Stiefelternteil erschwerend, dass jede Erziehung, die in der normalen Elternschaft von beiden getragen wird, in der Stiefelternschaft erst den kritischen „Werte-Filter“ des verbliebenen Elternteils passieren muss. In der regulären Elternschaft werden unterschiedliche Werte noch als Bereicherung empfunden: „Du weißt, der Papa denkt so, er hasst Lügen, der will das nicht, also halte dich dran!“ Das mag auch in Patchwork-Familien, bei einander ergänzenden und entsprechenden Wertevorstellungen noch angehen – aber wehe, diese weichen im Einzelfall voneinander ab, wehe, der neue Partner leistet sich einen „Fehler“, ist zu streng und von seinen Werten zu überzeugt: „SO spricht niemand mit meinem Kind! Raus!“ Und dieses „Raus!“ ist durchaus wörtlich zu nehmen – die Erziehungsfehler Fremder sehen Mütter als latente Bedrohung für das Kind. Somit sind solche Fehler unverzeihlich.
Und wer macht (schon als Vater, wie viel leichter als Nicht-Vater?) keine Fehler?
Den Schmerz dieser Kinder kann ich nicht verantworten, und ich bin es auch meinem Seelenfrieden in Zukunft schuldig, Ehen auch in Krisen zu achten. Ebenso bin ich diese Achtung auch den Männern schuldig, die die Ehe mit geschlossen haben. Sie haben als Vater ebenso ein Recht auf die emotionale Unversehrtheit der Familie wie die Seelen der Kinder. Ich bin mir nach vielen persönlichen Versuchen, systemischen Workshops und Analysen darüber im Klaren, dass das Dilemma des Stiefvaters aus systemischer Sicht nicht lösbar ist. Anderes gilt natürlich für Waisen.
Ausnahmen bestätigen die Regel: Was erstaunlicherweise funktioniert hat, und zwar auch auf Jahre über die Beziehung hinaus, war die Ansage einer alleinerziehenden Mutter an ihre Kinder, als sie mich ihnen vorgestellt hat: „Das ist der Thomas, das ist mein neuer Freund – und wenn der Thomas etwas sagt, dann gilt das genauso, wie wenn ich das sage.“ Ich fand das sehr mutig, hatte plötzlich Verantwortung, war ergriffen vom Vertrauen, das diese Mutter in mich hatte. Die Kinder wussten sofort Bescheid, und die Beziehung zu ihnen war mit das Schönste während dieser Zeit. Der bis dahin im Ausland lebende und massiv abgelehnte Vater wurde übrigens im Lauf unserer Beziehung „integriert“. Mutter und Vater gewannen ein entspanntes Verhältnis zueinander, und die Kinder verbringen seitdem gerne ihre Ferien bei ihm. Was der Patchwork–Beziehung am besten dient: Das Wohlwollen, vielmehr der ausdrücklich formulierte Segen des Ex-Mannes, etwa in der Art: „Du, meine Ex-Frau, wirst immer die Mutter unserer Kinder sein und ich immer ihr Vater. Und ich entlasse dich mit meinem Wohlwollen aus unserer Ehe und Partnerschaft und wünsche dir, den Kindern und eurer neuen Beziehung von Herzen viel Glück. Ich stehe zu euch.“
Wie viel mehr Frieden läge nach solchen Worten auf der neuen Beziehung – aber welcher geschiedene Mann kann das zu seiner Ex, den Kindern und dem neuen Mann sagen?
Voraussetzung dafür, von Seiten des Patchwork- Vaters, ist eine ehrliche „Demut“ vor der Vaterschaft des geschiedenen Mannes. Er muss IHN, besonders vor den Kindern buchstäblich „ehren“, auch und gerade dessen Verzicht auf das eigene Familienleben. Denn ohne diesen (wie auch immer entstandenen!) Verzicht, wäre die neue Paarbeziehung, die eigene Rolle des Patchwork- Vaters gar nicht möglich. Wer sich als Mann mit Verantwortungsbewusstsein sich selbst und Kindern gegenüber wirklich auf eine Patchwork-Familie einlassen will, der lese die Systemischen Analysen, besuche einen Workshop zum Systemischen Familienstellen und beobachte genau, wie problemgeladen und auf Dauer schmerzhaft eine solche Konstellation für alle Beteiligten aus der Struktur heraus – meistens – ist.
Ich lebe eine Ausnahme von der Regel: Weil ich die systemischen Gesetze kenne und respektiere, weiß ich, wann und wie ich sie brechen darf.

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